Reich genug: Gleich 15 Ransomware-Banden kündigen Rückzug an

Eine ungewöhnliche Ankündigung sorgt derzeit in der IT-Sicherheitswelt für Aufsehen: Gleich 15 berüchtigte Ransomware-Gruppen, darunter Scattered Spider und Lapsus$, erklärten auf dem Untergrundforum Breachforums, ihre Aktivitäten einzustellen.
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Goldener Fallschirm

Künftig solle es keine Angriffe mehr in ihrem Namen geben. Die Kriminellen gaben an, ihre Ziele erreicht zu haben. Es sei ihnen, so die Selbstdarstellung, nie um Geld­erpressung gegangen, sondern um das Aufzeigen gravierender Sicherheitslücken. "Schweigen wird nun unsere Stärke sein", heißt es in dem Statement laut eines Berichts des britischen Magazins The Register.

Zudem kündigten die Gruppen an, dass sich die Mitglieder ins Private zurückzuziehen: Manche Beteiligten wollten ihr Vermögen genießen, das sie mit ihren Ransomware-Kampagnen angehäuft haben - die Rede war hier von einem "goldenen Fallschirm". Andere wollen weiter an der Verbesserung von IT-Systemen arbeiten - allerdings im Verborgenen.


Zuletzt hatten die Gruppierungen mit Angriffen auf prominente Ziele wie den Autohersteller Jaguar und die britische Handelskette Marks & Spencer Schlagzeilen gemacht. Gleichzeitig mehren sich Hinweise, dass mehrere Beteiligte bereits festgenommen wurden. In ihrem Forumseintrag drohten die Hintermänner, die Festnahmen nicht hinzunehmen: Man wolle die eigenen Fähigkeiten nutzen, um "jene zu demütigen, die uns gedemütigt haben".

Gleichzeitig räumten die Banden ein, dass es auch nach dem Rückzug noch zu Cyberangriffen kommen könne, die ihnen zugeschrieben würden. Diese seien jedoch bereits vor der offiziellen "Ruhestandserklärung" geplant und ausgeführt worden. Dies zeigt, dass die ganze Sache doch nicht so edgültig sein könnte, wie sie klingt.

Ob das wohl stimmt?

Sicherheitsforscher bezweifeln ohnehin, dass die Entscheidung ein tatsächliches Ende bedeutet. In der Vergangenheit sei es gängige Praxis gewesen, dass Cybercrime-Gruppen ihre alten Identitäten aufgeben, um später unter neuen Namen und mit leicht veränderten Methoden weiterzumachen. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass führende Köpfe dieser Netzwerke wirklich aussteigen", heißt es in einem Branchenkommentar.

Generell gibt es in der Geschichte recht wenige Beispiele, in denen Kriminelle sich mit einem bestimmten erbeuteten Reichtum zufrieden gegeben und sich damit zur Ruhe gesetzt haben. Wenn jemand nicht von den Behörden erwischt wurde, sorgt die Gier am Ende in den meisten Fällen nach einiger Zeit dafür, doch noch einmal zu versuchen, etwas mehr zu bekommen.

Für Unternehmen und Behörden bleibt die Gefahr durch Ransomware ohnehin hoch. Selbst wenn einzelne Gruppen tatsächlich pausieren oder aufhören sollten, entstehen ständig neue Zusammenschlüsse von Cyberkriminellen. Experten raten daher dringend, die eigenen Systeme zu härten, Backups regelmäßig zu testen und Mitarbeiter im Umgang mit Phishing-Angriffen zu schulen.

Zusammenfassung
  • 15 bekannte Ransomware-Gruppen verkünden Rückzug auf Breachforums
  • Kriminelle behaupten, ihre finanziellen und technischen Ziele erreicht zu haben
  • Einige Mitglieder wollen ihr ergaunertes Vermögen genießen können
  • Drohungen gegen Behörden und Hinweise auf mögliche Festnahmen
  • Experten vermuten Neuorganisation unter anderen Namen und Methoden
  • Trotz möglicher Rückzüge bleibt die Bedrohung durch Ransomware bestehen

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