1990er sind zurück: RFK Jr. macht Games für Amokläufe verantwortlich
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. steht derzeit selbst massiv in der Kritik, da kann etwas Ablenkung nicht schaden: Denn er macht Videospiele für Amokläufe verantwortlich - obwohl die Wissenschaft diese Theorie seit Jahrzehnten widerlegt hat.
Die Aussagen des Ministers stehen nämlich im direkten Widerspruch zur wissenschaftlichen Forschung der vergangenen Jahrzehnte. Bereits in den 1990ern, als Spiele wie Doom und Mortal Kombat für Kontroversen sorgten, begannen Forscher systematisch zu untersuchen, ob Gewalt in Videospielen tatsächlich zu realer Gewalt führen. Das Ergebnis war eindeutig: Es gibt keinen kausalen Zusammenhang.
Besonders aufschlussreich war u. a. eine Studie des Forschers Patrick Markey von der Villanova University: Während über 70 Prozent der Highschool-Schüler entsprechende Videospiele spielen, haben nur 20 Prozent der Schulamokläufer berichtet, solche Spiele zu spielen.
Eine Meta-Analyse von über 100 Studien aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen Videospielen und Aggression so schwach ist, dass er praktisch vernachlässigbar sei. Selbst kurzfristige Effekte, wie erhöhte Erregung nach dem Spielen, führen nicht zu langfristigen Verhaltensänderungen oder gar zu Gewaltbereitschaft.
Wie The Daily Beast berichtet, lösten Kennedys Aussagen in den sozialen Medien eine Welle der Kritik aus. Journalistin Jane Coaston spottete: "Endlich sind wir wieder bei 'Videospiele waren schuld', ich liebe die 1990er." Ein anderer Nutzer lästerte: "Gott sei uns gnädig, als Nächstes wird er die Schuld auf Heavy-Metal-Musik schieben, so wie damals."
Kennedy verglich die USA mit der Schweiz und behauptete, beide Länder hätten (pro Kopf) eine vergleichbare Anzahl von Waffen, aber die Schweiz habe seit 23 Jahren keinen Amoklauf erlebt. Diese (von der US-Waffenlobby NRA gerne verwendete) Argumentation hinkt jedoch gewaltig: Die Schweiz hat deutlich strengere Hürden für den Waffenbesitz als die USA, und nur ehemalige Militärangehörige dürfen ihre Waffe zu Hause aufbewahren. Zudem ist die Munition streng reguliert und muss separat gelagert werden.
Die Nonprofit-Organisation Brady, die sich für die Prävention von Waffengewalt einsetzt, stellte klar: "Der Zugang zu Waffen ist das Problem. Nicht Geisteskrankheiten. Nicht SSRI. Nicht Videospiele. Das sind hasserfüllte und gefährlich irreführende Ablenkungsmanöver von der einzigen echten Lösung: Waffenreformen." Die Organisation verweist darauf, dass die USA bei weitem die höchste Rate an Waffengewalt unter den entwickelten Ländern haben - trotz vergleichbarer Videospielkonsumgewohnheiten.
Was haltet ihr von Kennedys erneuten Schuldzuweisungen an Videospiele? Teilt eure Meinung zu diesem kontroversen Thema in den Kommentaren mit uns!
Siehe auch:
Videospiele wieder einmal als Sündenbock
US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (RFK Jr.) hat bei einer Sitzung der Make America Healthy Again (MAHA)-Kommission erneut behauptet, Videospiele könnten eine Ursache für Amokläufe sein. Der 71-Jährige führte die Zunahme der Gewalt auf verschiedene Faktoren zurück, die in den 1990er-Jahren entstanden seien - darunter die "Abhängigkeit von psychiatrischen Medikamenten" und mögliche "Verbindungen zu Videospielen". Kennedy kündigte an, die National Institutes of Health (NIH) würden diese vermeintlichen Zusammenhänge untersuchen. Das könnte er sich allerdings auch sparen, denn dazu gibt es bereits jede Menge an wissenschaftlichen Ergebnissen.Die Aussagen des Ministers stehen nämlich im direkten Widerspruch zur wissenschaftlichen Forschung der vergangenen Jahrzehnte. Bereits in den 1990ern, als Spiele wie Doom und Mortal Kombat für Kontroversen sorgten, begannen Forscher systematisch zu untersuchen, ob Gewalt in Videospielen tatsächlich zu realer Gewalt führen. Das Ergebnis war eindeutig: Es gibt keinen kausalen Zusammenhang.
Besonders aufschlussreich war u. a. eine Studie des Forschers Patrick Markey von der Villanova University: Während über 70 Prozent der Highschool-Schüler entsprechende Videospiele spielen, haben nur 20 Prozent der Schulamokläufer berichtet, solche Spiele zu spielen.
Eine Meta-Analyse von über 100 Studien aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen Videospielen und Aggression so schwach ist, dass er praktisch vernachlässigbar sei. Selbst kurzfristige Effekte, wie erhöhte Erregung nach dem Spielen, führen nicht zu langfristigen Verhaltensänderungen oder gar zu Gewaltbereitschaft.
Wie The Daily Beast berichtet, lösten Kennedys Aussagen in den sozialen Medien eine Welle der Kritik aus. Journalistin Jane Coaston spottete: "Endlich sind wir wieder bei 'Videospiele waren schuld', ich liebe die 1990er." Ein anderer Nutzer lästerte: "Gott sei uns gnädig, als Nächstes wird er die Schuld auf Heavy-Metal-Musik schieben, so wie damals."
Internationaler Vergleiche
Die Aussagen von RFK Jr. werden auch durch internationale Vergleiche widerlegt. Videospiele sind in Europa und Asien weit verbreitet, dennoch sind die Todesraten durch Schusswaffen dort viel niedriger als in den USA. Länder, in denen Videospiele am beliebtesten sind, gehören zu den sichersten der Welt - Südkorea und Japan sind Beispiele dafür. Die USA sind der Ausreißer bei Waffengewalt, nicht bei Videospielkonsum.Kennedy verglich die USA mit der Schweiz und behauptete, beide Länder hätten (pro Kopf) eine vergleichbare Anzahl von Waffen, aber die Schweiz habe seit 23 Jahren keinen Amoklauf erlebt. Diese (von der US-Waffenlobby NRA gerne verwendete) Argumentation hinkt jedoch gewaltig: Die Schweiz hat deutlich strengere Hürden für den Waffenbesitz als die USA, und nur ehemalige Militärangehörige dürfen ihre Waffe zu Hause aufbewahren. Zudem ist die Munition streng reguliert und muss separat gelagert werden.
Die Nonprofit-Organisation Brady, die sich für die Prävention von Waffengewalt einsetzt, stellte klar: "Der Zugang zu Waffen ist das Problem. Nicht Geisteskrankheiten. Nicht SSRI. Nicht Videospiele. Das sind hasserfüllte und gefährlich irreführende Ablenkungsmanöver von der einzigen echten Lösung: Waffenreformen." Die Organisation verweist darauf, dass die USA bei weitem die höchste Rate an Waffengewalt unter den entwickelten Ländern haben - trotz vergleichbarer Videospielkonsumgewohnheiten.
Was haltet ihr von Kennedys erneuten Schuldzuweisungen an Videospiele? Teilt eure Meinung zu diesem kontroversen Thema in den Kommentaren mit uns!
Zusammenfassung
- Robert F. Kennedy Jr. macht Videospiele für Amokläufe verantwortlich
- Laut dem Minister entstanden in den 1990er-Jahren Faktoren für Gewalt
- Wissenschaftliche Studien widerlegen seit Jahrzehnten diese Behauptungen
- Eine Meta-Analyse von 100 Studien zeigt vernachlässigbaren Zusammenhang
- Länder mit hohem Videospielkonsum wie Japan haben weniger Waffengewalt
- RFKs Vergleich zwischen USA und Schweiz ignoriert strengere Waffengesetze
- Waffenrechtliche Organisation Brady: Waffenzugang ist das eigentliche Problem
Siehe auch:
- Heretic + Hexen: Überraschungs-Remaster der Fantasy-Shooter ist da
- Microsoft-Kürzungen: John Romero verliert Publisher für neuen Shooter
- Doom als Captcha: Ich spiele den Shooter, also bin ich ein Mensch
- Nach nur 7 Monaten: Ubisoft gibt Free-to-Play-Shooter XDefiant auf
- Stalker 2: Zwei Patches sprechen Bugs und Technik des Shooters an
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