Extremer Jugendschutz für Mastodon und Co. gar nicht machbar

Extrem starke Jugendschutz-Gesetze sind letztlich auch ein Mittel, den großen Internetkonzernen Konkurrenz vom Leib zu halten. Denn kleinere Anbieter oder gar freie Projekte können die dafür erforderlichen Ressourcen gar nicht aufbringen.
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Unsplash / Vitaly Gariev

Scheitern an Mississippi

Das dezentrale soziale Netzwerk Mastodon hat nun beispielsweise erklärt, dass es das neue Altersverifikationsgesetz im US-Bundesstaat Mississippi nicht einhalten könne. Damit folgt es der Plattform Bluesky, die sich bereits zuvor aus dem Bundesstaat zurückgezogen hatte. Hintergrund ist ein Gesetz, das Anbieter sozialer Medien verpflichtet, das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu überprüfen - andernfalls drohen hohe Geldstrafen von bis zu 10.000 Dollar pro Verstoß.

Mastodon betont, dass schon allein die technische Struktur der Plattform eine Umsetzung unmöglich macht, wie TechCrunch berichtete. Das Netzwerk erfasst keine Daten seiner Mitglieder und verzichtet bewusst auf Methoden wie IP-Adresssperren, da diese auch unbeteiligte Personen etwa auf Reisen treffen würden.


Aufgrund der Dezentralität des Dienstes ist es auch nicht möglich, sich aus Mississippi zurückzuziehen. "Niemand kann für das gesamte Fediverse entscheiden, Mississippi zu blockieren. Und genau deshalb ist echte Dezentralisierung wichtig", sagte Mastodon-Gründer und Chef Eugen Rochko in einer öffentlichen Diskussion mit Bluesky-Vorstandsmitglied Mike Masnick. Masnick wies jedoch darauf hin, dass auch einzelne Mastodon-Instanzen - wie Rochkos eigener Server mastodon.social - theoretisch von den Strafen betroffen sein könnten.

Keine Datenspeicherung

Offiziell liegt das Mindestalter für eine Registrierung auf den offiziellen Mastodon-Servern zwar bei 16 Jahren, doch eine technische Altersprüfung ist nicht vorgesehen. Mit der Version 4.4 der Software, die im Juli 2025 erschien, wurde lediglich die Möglichkeit geschaffen, Altersgrenzen und rechtliche Hinweise in den Anmeldeprozess einzubinden. Diese Abfrage speichert jedoch keine Daten und bietet daher keine echte Verifikation.

Die Entscheidung, ob zusätzliche Prüfmechanismen eingebaut werden, liegt laut Mastodon bei den jeweiligen Serverbetreibern. Das Non-Profit-Unternehmen verweist Betreiber auf externe Hilfsmittel wie die IFTAS-Bibliothek, die ehrenamtlichen Moderatoren Unterstützung im Bereich Sicherheit bietet. Gleichzeitig betont Mastodon, dass jeder Server den Gesetzen des Landes folgen müsse, in dem er betrieben wird.

"Einer der Gründe für die Gründung von Mastodon war, dass soziale Medien unabhängig von den USA existieren können", heißt es in der Mitteilung. Nutzer hätten jederzeit die Möglichkeit, sich einem Server mit Richtlinien anzuschließen, die zu ihren Bedürfnissen passen.

Zusammenfassung
  • Strengere Jugendschutzgesetze benachteiligen kleinere Netzwerke massiv
  • Mastodon kann Mississippi-Gesetz zur Altersverifikation nicht umsetzen
  • Dezentrale Struktur macht flächendeckende Altersprüfungen unmöglich
  • Mindestalter liegt bei 16 Jahren, aber ohne technische Überprüfung
  • Version 4.4 führte Altersabfrage ein, speichert jedoch keine persönlichen Daten
  • Serverbetreiber entscheiden eigenständig über zusätzliche Prüfmechanismen
  • Mastodon wurde gegründet, um soziale Medien unabhängig von den USA zu schaffen

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