Neuer Ärger für VMware: Gericht prüft Übernahme nach Preisexplosion

Preiserhöhungen um das Zehnfache, gekündigte Verträge und neue Zwangsabos: EU-Cloudanbieter gehen gegen Broadcoms VMware-Übernahme vor Gericht. Kann die 52-Milliarden-Akquisition noch gestoppt werden?
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EU-Richter prüfen VMware-Übernahme

Die 61 Milliarden Dollar (etwa 52 Milliarden Euro) teure Übernahme von VMware durch Broadcom wird jetzt von den Richtern der Europäischen Union doch noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Die Cloud-Computing-Gruppe CISPE (Cloud Infrastructure Service Providers in Europe) hatte die Zustimmung der EU zu einem der weltweit größten Technologiegeschäfte angefochten.

Die Klage folgt auf massive Beschwerden, die bereits früh nach der Bekanntgabe des Aufkaufs aufkamen. 2024 erfolgte dann eine erste Klage, als Broadcom nach der Übernahme seine Preispolitik drastisch änderte. Branchenexperten hatten dabei schon früh vor den Folgen der Akquisition gewarnt und die aggressive Marktstrategien des Chipkonzerns kritisiert.


Die Übernahme, die im November 2023 abgeschlossen wurde, galt als eine der größten Technologie-Akquisitionen aller Zeiten und machte Broadcom zu einem der dominierenden Anbieter im Bereich Virtualisierungssoftware.

Wie Reuters jetzt berichtet, haben CISPE-Mitglieder über "unfaire neue Lizenzbedingungen" geklagt, die nahezu alle europäischen Organisationen betreffen, die Cloud-Technologien einsetzen. VMware, 1998 gegründet und ursprünglich ein Pionier der Virtualisierungstechnologie, hatte sich über die Jahre zu einem der wichtigsten Anbieter für Rechenzentrumsoftware entwickelt, bevor Broadcom das Unternehmen übernahm.

Preiserhöhungen um das Zehnfache

Seit Abschluss der Übernahme hat Broadcom bestehende Verträge einseitig und oft mit nur wenigen Wochen Vorlauf gekündigt. Neue Lizenzbedingungen wurden eingeführt, die drastische Kostensteigerungen zur Folge hatten - in manchen Fällen explodierten die Preise auf 1000 Prozent vom bisherigen Preis. Zusätzlich führte das Unternehmen verpflichtende Mehrjahresverträge für den Zugang zu essenzieller VMware-Software ein.

Dauerhafte Lizenzen (Perpetual Licenses) wurden abgeschafft und durch ein reines Abonnementmodell ersetzt. Zudem stellte Broadcom die Lizenzierung von CPU-basiert auf Core-basiert um, wobei mindestens 16 Kerne lizenziert werden müssen, unabhängig von der tatsächlichen Anzahl. Diese Änderung trifft besonders kleinere Unternehmen hart.

Broadcom, ursprünglich als Halbleiterunternehmen bekannt, hatte in den vergangenen Jahren eine aggressive Akquisitionsstrategie verfolgt. Das Unternehmen übernahm bereits CA Technologies für 18,9 Milliarden Dollar (etwa 16,1 Milliarden Euro) im Jahr 2018 und Symantec für zehn Milliarden Dollar (etwa 8,5 Milliarden Euro) im Jahr 2019. Die VMware-Übernahme war jedoch bei weitem die größte und folgenreichste Akquisition des Unternehmens.

Geschichte von VMware

  • 1998
    1998
    Gründung von VMware
  • 2004
    2004
    Übernahme durch EMC
  • 2007
    2007
    Börsengang (IPO) von VMware
  • 2021
    August
    Abspaltung von Dell, erneute Eigenständigkeit
  • 2023
    24. November
    Abschluss der Übernahme durch Broadcom und Delisting von der Börse

Kritik an EU-Kommission wächst

Die EU-Kommission hatte in ihrer Freigabe vom 13. Mai 2023 keine Auflagen oder Bedingungen für Broadcom festgelegt. Die europäische Wettbewerbsbehörde gab sich mit der Zusicherung zufrieden, dass die Software von VMware weiter mit Hardware von Broadcom-Konkurrenten funktionieren werde. "Die Kommission wurde gewarnt, dass dies passieren würde, doch sie blieb dabei", kritisierte Francisco Mingorance, Generalsekretär von CISPE.

Im Juli 2024 verschärfte Broadcom die Lage, indem neue restriktive Lizenzbedingungen angekündigt wurden, die kleinere Cloudanbieter faktisch ausschließen. Diese werden nun daran gehindert, VMware-basierte Cloud-Dienste zu erwerben oder weiterzuverkaufen. Auch Krankenhäuser, Universitäten und Kommunen stehen vor unbezahlbaren Rechnungen und Langzeitverträgen, die die Wirtschaftlichkeit ihrer Infrastruktur gefährden.

Die CISPE-Klage nun könnte weitreichende Folgen haben. Sollte das EU-Gericht der Beschwerde stattgeben, müsste die Kommission möglicherweise nachträgliche Auflagen verhängen. Experten sehen dies jedoch als schwierigen Weg, da bereits abgeschlossene Übernahmen nur selten rückgängig gemacht werden. Dennoch könnte das Verfahren Präzedenzcharakter für künftige Technologie-Fusionen haben und die Prüfkriterien der EU-Kommission verschärfen.

Was haltet ihr von der Klage gegen Broadcom? Seht ihr Chancen auf Erfolg vor dem EU-Gericht, oder sind die Preiserhöhungen rechtlich nicht anfechtbar?

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Zusammenfassung
  • CISPE klagt gegen EU-Genehmigung der 61-Milliarden-Dollar-Übernahme
  • Drastische Preiserhöhungen seit Broadcom-Übernahme im November 2023
  • Einseitige Kündigung bestehender Verträge oft mit nur wenigen Wochen Frist
  • Umstellung von CPU- auf Core-basierte Lizenzierung trifft kleine Unternehmen
  • Dauerlizenzen wurden durch Abonnementmodell mit Mehrjahresverträgen ersetzt
  • Neue Bedingungen seit Juli 2024 schließen kleinere Cloudanbieter faktisch aus
  • EU-Kommission genehmigte Übernahme am 13. Mai 2023 ohne Auflagen

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