Neues Solarmolekül: Ein Tropfen Sonnenlicht zum Mitnehmen
Forscher haben eine neue Flüssigkeit entwickelt, die Sonnenlicht nicht durch Temperatur speichert, sondern in ihrer chemischen Struktur. Die Energie bleibt auch bei Raumtemperatur erhalten - und lässt sich später gezielt als Wärme freisetzen.
Eine neue Studie aus dem Fachjournal Chem (DOI: 10.1016/j.chempr.2025.102660) präsentiert nun genau einen solchen Ansatz: Kohlenwasserstoffmoleküle, die sich durch Licht verformen und dabei die Energie speichern, könnten künftig eine Rolle in der solaren Wärmetechnologie spielen - ganz ohne Batterien oder Kabel.
Im Zentrum stehen sogenannte gebogene Anthracen-Moleküle. Anthracen ist ein organisches Molekül aus drei aneinandergereihten Benzolringen. Normalerweise ist es räumlich flach aufgebaut - doch bei Lichteinfall kann es sich in eine spannungsgeladene Struktur umwandeln, eine sogenannte Dewar-Isomerisierung.
Genau das machen sich die Forscher zunutze. Sie haben die Molekülstruktur gezielt so verändert, dass sich das System beim Belichten in diese instabile Hochenergieform umklappt. Die chemische Zusammensetzung bleibt dabei gleich, doch einzelne Bindungen verschieben sich - das Molekül wirkt wie eine gespannte Feder, die Energie in sich trägt.
Wird diese angespannte Form später durch Wärme oder einen gezielten Lichtimpuls wieder in die ursprüngliche Struktur zurückgeführt, entlädt sich die gespeicherte Energie in Form von Wärme. Der Vorgang ist vollständig umkehrbar - und lässt sich über viele Zyklen hinweg wiederholen, ohne dass das Material dabei Schaden nimmt. Der Auslöser muss dabei nur einen kleinen Impuls liefern, der eigentliche Energiegehalt stammt aus dem vorher gespeicherten Sonnenlicht.
Credit: Chem (2025). DOI: 10.1016/j.chempr.2025.102660
Ein großer Fortschritt ist, dass die Moleküle im reinen Flüssigzustand arbeiten - ohne Lösungsmittel. Dadurch steigt die Energiedichte deutlich. In der Studie wurden bis zu 0,65 Megajoule pro Kilogramm erreicht - ein Wert, der mit etablierten Wärmespeichern konkurriert.
Die Systeme zeigten sich dabei erstaunlich stabil. Über 28 Lade- und Entladezyklen hinweg ließ sich keine nennenswerte Ermüdung feststellen. Und auch die Ladezeit ist alltagstauglich: Innerhalb von sechs bis acht Stunden unter Sonnenlicht war der volle Energiespeicher erreicht.
Noch ist das Ganze ein Laborsystem. Doch die Forschenden zeigen mit ihrer Arbeit, dass sich Sonnenwärme in reinen organischen Flüssigkeiten speichern lässt - effizient, wiederverwendbar und potenziell günstig herstellbar. Für Gebäude mit passiver Wärmenutzung oder sonnenreiche Regionen ohne Stromnetz wäre das eine interessante Alternative: Wärme aus Licht, gespeichert in einem Tropfen Molekülstruktur.
Siehe auch:
Flüssiges Sonnenlicht: Diese Moleküle speichern Energie
Sonnenlicht nicht nur in Strom, sondern direkt in Wärme umzuwandeln - und diese Energie verlustfrei über lange Zeit hinweg zu speichern - ist eine der größten Herausforderungen der Energieforschung. Was dabei leicht an klassische Wärmespeicher erinnert, folgt in diesem Fall einem völlig anderen Ansatz: Nicht Hitze, sondern die innere Struktur eines Moleküls dient als Energieträger.Eine neue Studie aus dem Fachjournal Chem (DOI: 10.1016/j.chempr.2025.102660) präsentiert nun genau einen solchen Ansatz: Kohlenwasserstoffmoleküle, die sich durch Licht verformen und dabei die Energie speichern, könnten künftig eine Rolle in der solaren Wärmetechnologie spielen - ganz ohne Batterien oder Kabel.
Im Zentrum stehen sogenannte gebogene Anthracen-Moleküle. Anthracen ist ein organisches Molekül aus drei aneinandergereihten Benzolringen. Normalerweise ist es räumlich flach aufgebaut - doch bei Lichteinfall kann es sich in eine spannungsgeladene Struktur umwandeln, eine sogenannte Dewar-Isomerisierung.
Genau das machen sich die Forscher zunutze. Sie haben die Molekülstruktur gezielt so verändert, dass sich das System beim Belichten in diese instabile Hochenergieform umklappt. Die chemische Zusammensetzung bleibt dabei gleich, doch einzelne Bindungen verschieben sich - das Molekül wirkt wie eine gespannte Feder, die Energie in sich trägt.
Wird diese angespannte Form später durch Wärme oder einen gezielten Lichtimpuls wieder in die ursprüngliche Struktur zurückgeführt, entlädt sich die gespeicherte Energie in Form von Wärme. Der Vorgang ist vollständig umkehrbar - und lässt sich über viele Zyklen hinweg wiederholen, ohne dass das Material dabei Schaden nimmt. Der Auslöser muss dabei nur einen kleinen Impuls liefern, der eigentliche Energiegehalt stammt aus dem vorher gespeicherten Sonnenlicht.
Credit: Chem (2025). DOI: 10.1016/j.chempr.2025.102660
Ein großer Fortschritt ist, dass die Moleküle im reinen Flüssigzustand arbeiten - ohne Lösungsmittel. Dadurch steigt die Energiedichte deutlich. In der Studie wurden bis zu 0,65 Megajoule pro Kilogramm erreicht - ein Wert, der mit etablierten Wärmespeichern konkurriert.
Die Systeme zeigten sich dabei erstaunlich stabil. Über 28 Lade- und Entladezyklen hinweg ließ sich keine nennenswerte Ermüdung feststellen. Und auch die Ladezeit ist alltagstauglich: Innerhalb von sechs bis acht Stunden unter Sonnenlicht war der volle Energiespeicher erreicht.
Sichtbar gut
Ein weiterer Vorteil liegt in der Lichtempfindlichkeit. Während viele bisherige Molekülspeicher nur auf UV-Strahlung reagieren - also auf einen kleinen, aber energiereichen Teil des Sonnenlichts -, sprechen die neuen Varianten auf sichtbares Licht an. Dieser Bereich enthält zwar weniger Energie pro Photon, macht aber einen deutlich größeren Teil des Sonnenlichts aus. Dadurch lässt sich die gespeicherte Energie effizienter und praxisnäher unter realen Außenbedingungen nutzen - ganz ohne Spezialquellen oder zusätzliche Technik.Noch ist das Ganze ein Laborsystem. Doch die Forschenden zeigen mit ihrer Arbeit, dass sich Sonnenwärme in reinen organischen Flüssigkeiten speichern lässt - effizient, wiederverwendbar und potenziell günstig herstellbar. Für Gebäude mit passiver Wärmenutzung oder sonnenreiche Regionen ohne Stromnetz wäre das eine interessante Alternative: Wärme aus Licht, gespeichert in einem Tropfen Molekülstruktur.
Wie funktionieren molekulare Speicher?
Molekulare Energiespeicher basieren auf speziellen Molekülen, die Sonnenlicht einfangen und in eine energiereichere Form umwandeln können. Bei diesem Prozess ändert sich die Struktur des Moleküls, wodurch Energie in chemischen Bindungen gespeichert wird.
Ein Paradebeispiel ist das sogenannte Norbornadien-Quadricyclan-System, bei dem Lichteinfall das Molekül in einen gespannten, energiereichen Zustand versetzt. Diese gespeicherte Energie kann später durch einen Katalysator als Wärme freigesetzt werden, wobei das Molekül in seine Ausgangsform zurückkehrt.
Ein Paradebeispiel ist das sogenannte Norbornadien-Quadricyclan-System, bei dem Lichteinfall das Molekül in einen gespannten, energiereichen Zustand versetzt. Diese gespeicherte Energie kann später durch einen Katalysator als Wärme freigesetzt werden, wobei das Molekül in seine Ausgangsform zurückkehrt.
Wie lange speichern diese Moleküle?
Laut Forschern der Chalmers Universität in Schweden können die entwickelten molekularen Systeme Solarenergie bis zu 18 Jahre lang ohne nennenswerte Energieverluste speichern. Dies stellt einen enormen Vorteil gegenüber herkömmlichen Speichermethoden dar.
Die Langzeitspeicherung funktioniert, weil die Energie in stabilen chemischen Bindungen eingeschlossen ist. Nach Angaben der Wissenschaftler bleibt die Energiedichte des Norbornadien-Quadricyclan-Systems auch über lange Zeiträume erhalten und ist vergleichbar mit der einer Lithium-Ionen-Batterie.
Die Langzeitspeicherung funktioniert, weil die Energie in stabilen chemischen Bindungen eingeschlossen ist. Nach Angaben der Wissenschaftler bleibt die Energiedichte des Norbornadien-Quadricyclan-Systems auch über lange Zeiträume erhalten und ist vergleichbar mit der einer Lithium-Ionen-Batterie.
Was ist das EU-Projekt MOST?
MOST (Molecular Solar Thermal Energy Storage) ist ein von der EU mit 4,3 Millionen Euro gefördertes Forschungsprojekt, das ein emissionsfreies Speichersystem für Solarenergie entwickelt. Das Projekt zielt darauf ab, molekulare Systeme zu schaffen, die Sonnenenergie einfangen und über lange Zeit speichern können.
Unter Leitung der Chalmers Universität arbeiten mehrere europäische Forschungseinrichtungen zusammen, darunter die Universität Kopenhagen, die Universität Rioja, das Fraunhofer-Institut und ZAE Bayern. Laut EU-Kommission soll MOST einen geschlossenen Kreislauf aus Energieeinfang, -speicherung und -freisetzung ermöglichen.
Unter Leitung der Chalmers Universität arbeiten mehrere europäische Forschungseinrichtungen zusammen, darunter die Universität Kopenhagen, die Universität Rioja, das Fraunhofer-Institut und ZAE Bayern. Laut EU-Kommission soll MOST einen geschlossenen Kreislauf aus Energieeinfang, -speicherung und -freisetzung ermöglichen.
Welche Vorteile bietet die Technologie?
Molekulare Energiespeicher könnten mehrere entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden bieten. Sie ermöglichen eine verlustfreie Langzeitspeicherung von Sonnenenergie und können diese bei Bedarf als Wärme freisetzen - ein wesentlicher Vorteil für die Integration erneuerbarer Energien.
Laut Forschern besteht das System ausschließlich aus umweltfreundlichen, erneuerbaren Materialien wie Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff. Zudem sollen die Herstellungsprozesse auf skalierbaren, grünen Produktionsprinzipien basieren, was die Technologie besonders nachhaltig macht.
Laut Forschern besteht das System ausschließlich aus umweltfreundlichen, erneuerbaren Materialien wie Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff. Zudem sollen die Herstellungsprozesse auf skalierbaren, grünen Produktionsprinzipien basieren, was die Technologie besonders nachhaltig macht.
Wann kommt die Technik auf den Markt?
Derzeit befindet sich die Technologie noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Das EU-Projekt MOST läuft über 3,5 Jahre und konzentriert sich auf die Entwicklung von Prototypen, um das Potenzial für eine großtechnische Produktion zu überprüfen.
Erste Anwendungen wurden bereits in Fensterfolien getestet, die an heißen Tagen für einen Temperaturausgleich sorgen. Außerhalb des EU-Projekts hat die Ausgründung Solartes AB begonnen, die Moleküle in Jalousien und Fenstern anzuwenden, was auf erste kommerzielle Anwendungen zeitnah hindeutet.
Erste Anwendungen wurden bereits in Fensterfolien getestet, die an heißen Tagen für einen Temperaturausgleich sorgen. Außerhalb des EU-Projekts hat die Ausgründung Solartes AB begonnen, die Moleküle in Jalousien und Fenstern anzuwenden, was auf erste kommerzielle Anwendungen zeitnah hindeutet.
Wie effizient ist die Speicherung?
Die Energiedichte des Norbornadien-Quadricyclan-Systems ist nach Angaben der Forscher mit der einer Lithium-Ionen-Batterie vergleichbar. Wissenschaftler haben einen speziellen Algorithmus und eine neue Messzahl namens "Eta" entwickelt, um die Effizienz zu bewerten.
Durch eine gezielte Strukturveränderung - eine Erweiterung der molekularen Brücke zwischen den Kohlenstoffringen - konnten die Forscher Moleküle identifizieren, die mehr Energie speichern können als ursprünglich betrachtet. Diese optimierten Strukturen müssen jedoch erst synthetisiert und unter realen Bedingungen getestet werden.
Durch eine gezielte Strukturveränderung - eine Erweiterung der molekularen Brücke zwischen den Kohlenstoffringen - konnten die Forscher Moleküle identifizieren, die mehr Energie speichern können als ursprünglich betrachtet. Diese optimierten Strukturen müssen jedoch erst synthetisiert und unter realen Bedingungen getestet werden.
Welche Anwendungen sind möglich?
Die Technologie könnte in verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen. Im Gebäudesektor könnten molekulare Speicher in Heizsystemen von Wohnhäusern eingesetzt werden und so zur Dekarbonisierung des Wärmesektors beitragen.
Laut dem MOST-Projekt werden zwei Betriebsmodi untersucht: Modus A zielt auf eine stabile Wärmeabgabe ab, während Modus B größere Temperaturgradienten in kürzeren Zeiträumen ermöglicht. Erste Anwendungen wurden bereits in Fensterfolien und Jalousien getestet, die Sonnenlicht einfangen und bei Bedarf als Wärme freisetzen können.
Laut dem MOST-Projekt werden zwei Betriebsmodi untersucht: Modus A zielt auf eine stabile Wärmeabgabe ab, während Modus B größere Temperaturgradienten in kürzeren Zeiträumen ermöglicht. Erste Anwendungen wurden bereits in Fensterfolien und Jalousien getestet, die Sonnenlicht einfangen und bei Bedarf als Wärme freisetzen können.
Wie wird die Energie freigesetzt?
Die in den Molekülen gespeicherte Energie wird durch einen speziell entwickelten Katalysator freigesetzt. Dieser Katalysator löst eine chemische Reaktion aus, bei der das Molekül in seine ursprüngliche Form zurückkehrt und die gespeicherte Energie als Wärme abgibt.
Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg arbeiten an einem Verfahren, bei dem die gespeicherte Energie nicht nur als Wärme, sondern auch als elektrischer Strom abrufbar sein soll. Dies würde die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie erheblich erweitern und könnte zur Entwicklung völlig neuer organischer Solarmodule führen.
Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg arbeiten an einem Verfahren, bei dem die gespeicherte Energie nicht nur als Wärme, sondern auch als elektrischer Strom abrufbar sein soll. Dies würde die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie erheblich erweitern und könnte zur Entwicklung völlig neuer organischer Solarmodule führen.
Zusammenfassung
- Neues Flüssigsystem speichert Sonnenenergie in chemischer Struktur
- Gebogene Anthracen-Moleküle wandeln sich bei Lichteinfall in Hochenergieform
- Energiefreisetzung als Wärme durch gezielten Licht- oder Wärmeimpuls
- Hohe Energiedichte von 0,65 Megajoule pro Kilogramm ohne Lösungsmittel
- Empfindlichkeit für sichtbares Licht ermöglicht effiziente Energiespeicherung
- Moleküle bleiben über 28 Lade- und Entladezyklen hinweg stabil
- Potenzielle Anwendung für Gebäude oder Regionen ohne Stromnetzanschluss
Siehe auch:
- Wie Japan mit Next-Gen-Solarzellen die Energierevolution schaffen will
- Geniales Recycling: CO2 wird mit alten Solarzellen nutzbar gemacht
- Solarzellen-Effizienz steigt um 9 %: Die Natur hat einen Trick verraten
- Solar übernimmt: Pakistan weiß nicht, wohin mit dem ganzen Erdgas
- Solar 2.0 aus Japan: Ein neuer Weg zur Stromgewinnung öffnet sich
Thema:
Videos zum Thema
- Strom für Notebooks per USB-C: Netzteile von Anker im Test
- EcoFlow Delta 2: Powerstation bewährt sich im Langzeit-Test
- AutoFull M6 Ultra 2.0: Gaming-Stuhl mit Massagefunktion und Heizung
- EcoFlow Stream AC Pro: Heimspeicher mit fast 2 kWh im Test
- EcoFlow Stream Ultra X: Stromspeicher für den Haushalt im Test
Beiträge aus dem Forum
Interessante Links
Neue Nachrichten
- Metas neues KI-Team ist ein "seelenzerstörender Gulag", so Insider
- Linux 7.1 ist da: Neues bei NTFS & CPU-Support, Aus für alte Hardware
- Toller Streaming-Deal: 60 Prozent Rabatt auf Waipu.tv und Sky WOW
- Überraschendes Comeback: Intel plant offenbar neue Raptor-Lake-CPUs
- KI-Modell Fable 5: China-Spionage war wohl der Grund für die Sperre
- KI im Job: Eingesparte Zeit geht meist für das "Botsitting" drauf
- Prime Day schon jetzt: Saugroboter & Co. mit bis zu 700 Euro Rabatt
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen?
Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links,
um WinFuture zu unterstützen:
Vielen Dank!
Alle Kommentare zu dieser News anzeigen