Astronomen beobachten kosmisches Ereignis, das nicht existieren sollte

Wissenschaftler entdeckten die massivste Schwarze-Loch-Ver­schmel­zung aller Zeiten: 225 Sonnenmassen entstanden aus zwei "verbotenen" Giganten. Warum stellt dieses kosmische Ereignis unsere bisherigen Theorien komplett auf den Kopf?
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Gigantische Verschmelzung erschüttert die Raumzeit

Dieses kosmische Ereignis ist nun unter der Bezeichnung GW231123 bekannt und stellt die bisherigen Modelle der Sternentwicklung grundlegend infrage. Die beiden ursprünglichen Schwarzen Löcher hatten Massen von etwa 100 und 140 Sonnenmassen.

Als sie verschmolzen, entstand ein "Tochter"-Schwarzes Loch mit 225 Sonnenmassen, wobei die fehlende Masse in Energie umgewandelt wurde und Gravitationswellen erzeugten, die sich vom gewaltsamen Ereignis ausbreiteten.


Rekordverschmelzung übertrifft bisherige Messungen

Schwarze Löcher dieser Größenordnung gelten nach den Standardmodellen der Sternentwicklung als "verboten". Wie Space.com berichtet, wurde die Verschmelzung vom Gravitationswellendetektor-Netzwerk LIGO-Virgo-KAGRA (LVK) bereits am 23. November 2023 entdeckt.

Vor GW231123 hatte das massivste durch eine Verschmelzung entstandene und in Gravitationswellen nachgewiesene Schwarze Loch eine Masse von 140 Sonnenmassen. Dieses wurde 2021 als Signal GW190521 erfasst. Die neue Entdeckung übertrifft diesen Rekord deutlich und zeigt, dass das Universum noch extremere Objekte beherbergt als bisher angenommen.

Nicht nur die enormen Massen dieser Schwarzen Löcher lassen die Wissenschaftler aufhorchen. Das Signal deutet zudem darauf hin, dass mindestens eins der ursprünglichen Schwarzen Löcher vor der Verschmelzung rasch rotierte - möglicherweise so schnell, wie es die Gesetze der Physik überhaupt erlauben.

Die Schwarzen Löcher scheinen sich rasant zu drehen - nahe an der Grenze, die Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie zulässt.
Charlie Hoy, Universität Portsmouth und Mitglied des LVK-Teams

Herausforderung für theoretische Modelle

Diese extreme Rotation macht das Signal schwer zu modellieren und zu interpretieren. "Es ist ein hervorragendes Fallbeispiel, um die Entwicklung unserer theoretischen Werkzeuge voranzutreiben", so Hoy weiter. Die Wissenschaftler stehen vor der Aufgabe, ihre bisherigen Annahmen über die Entstehung und Entwicklung von Schwarzen Löchern zu überdenken.

Schwarze Löcher: Faszinierende Erkenntnisse

  • Geburt
    Kollaps massereicher Sterne
    Schwarze Löcher entstehen durch den Kollaps massereicher Sterne am Ende ihres Lebens. Wenn riesige Sterne (mit mindestens der dreifachen Masse unserer Sonne) explodieren, kollabiert ihr Kern zu einem winzigen Punkt, aus dem auch Licht nicht mehr entweichen kann.
  • Effekt
    Spaghettifizierung
    Wenn Materie einem Schwarzen Loch zu nahe kommt, wird sie durch die extreme Gravitation in die Länge gezogen - ein Effekt, der als "Spaghettifizierung" bezeichnet wird. Sobald der Ereignishorizont passiert wird, kann nichts mehr entkommen.
  • Einfluss
    Galaxienformation
    Supermassive Schwarze Löcher befinden sich im Zentrum vieler Galaxien, einschließlich unserer Milchstraße (Sagittarius A*). Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Galaxien und können beim Verschlingen von Materie enorme Energiemengen freisetzen.

Das Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO) hat bereits 2015 Geschichte geschrieben, als seine beiden Detektoren in Livingston, Louisiana, und Hanford, Washington, die erste direkte Messung von Gravitationswellen durchführten.

Diese Entdeckung bestätigte eine wichtige Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie aus dem Jahr 1915. Seit 2015 haben sich die Gravitationswellendetektoren Virgo in Italien und der Kamioka Gravitational Wave Detector (KAGRA) in Japan dem LIGO angeschlossen.

Über 300 Verschmelzungen dokumentiert

Diese internationale Zusammenarbeit hat inzwischen über 300 Verschmelzungen von Schwarzen Löchern nachgewiesen und damit ein völlig neues Fenster zum Universum geöffnet. Jede Entdeckung liefert wertvolle Erkenntnisse über die Natur der Schwerkraft, die Entstehung von Schwarzen Löchern und die Entwicklung des Kosmos.

Mark Hannam von der Cardiff University und Mitglied der LVK-Kollaboration erklärte: "Dies ist das massivste binäre Schwarze Loch, das wir durch Gravitationswellen beobachtet haben, und es stellt eine echte Herausforderung für unser Verständnis der Entstehung Schwarzer Löcher dar." Eine mögliche Erklärung sei, dass die beiden Schwarzen Löcher in diesem Binärsystem durch frühere Verschmelzungen kleinerer Schwarzer Löcher entstanden sind - ein Prozess, der als hierarchische Verschmelzung bezeichnet wird.

Grenzen der Technologie erreicht

Die hohe Masse und die schnelle Rotation der Schwarzen Löcher, die GW231123 erzeugten, haben sowohl die Grenzen der Gravitationswellen-Detektionstechnologie als auch die aktuellen theoretischen Modelle an ihre Grenzen gebracht.

Dieses Ereignis treibt unsere Instrumentierung und Datenanalysefähigkeiten an die Grenze des derzeit möglichen.
Sophie Bini, California Institute of Technology (Caltech) und Mitglied des LVK-Teams
Das Ereignis GW231123 wurde am 14. Juli 2025 auf der gemeinsamen Konferenz für Allgemeine Relativitätstheorie und Gravitationswellen in Glasgow, Großbritannien, vorgestellt. Die kalibrierten Daten, die zur Erkennung und Untersuchung von GW231123 verwendet wurden, werden anderen Forschern über das Gravitational Wave Open Science Center (GWOSC) zur Analyse zur Verfügung gestellt. Diese offene Datenpolitik ermöglicht es Wissenschaftlern weltweit, die Entdeckung zu überprüfen und weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Was haltet ihr von dieser bahnbrechenden Entdeckung? Glaubt ihr, dass wir unsere Theorien zur Entstehung von Schwarzen Löchern grundlegend überdenken müssen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren mit uns!

Warum ist GW231123 so außergewöhnlich?
GW231123 ist das bislang massereichste jemals beobachtete Schwarze-Loch-Merger-Ereignis. Es erzeugte ein Schwarzes Loch mit etwa 225 Sonnenmassen - weit mehr als bisherige Modelle der Sternentwicklung vorhersagen.

Laut Forschern widerspricht die Entstehung eines so massiven Objekts den gängigen Theorien, da Schwarze Löcher dieser Größe in der sogenannten "Pair Instability"-Lücke eigentlich nicht entstehen sollten.
Wie wurde GW231123 entdeckt?
Das Ereignis wurde am 23. November 2023 durch das LIGO-Virgo-KAGRA-Netzwerk registriert. Die Gravitationswellendetektoren in den USA, Italien und Japan erfassten die Raumzeitverzerrung für 0,1 Sekunden.

Die Messung erfolgte im Rahmen des vierten Beobachtungslaufs dieser Observatorien, die gemeinsam bereits über 300 Schwarze-Loch-Merger dokumentiert haben.
Was bedeutet "verboten durch Modelle"?
Der Begriff bezieht sich auf die sogenannte "Pair Instability Supernova"-Theorie. Diese besagt, dass Sterne mit Massen im Bereich von 100-150 Sonnenmassen instabil werden und explodieren, anstatt Schwarze Löcher zu bilden.

GW231123 widerspricht dieser Theorie, da es zwei Schwarze Löcher mit 103 und 137 Sonnenmassen zeigt - ein Massenbereich, in dem laut Modellen eigentlich keine Schwarzen Löcher existieren dürften.
Wie schnell rotierten die Schwarzen Löcher?
Die beteiligten Schwarzen Löcher rotierten mit etwa 400.000-facher Erdrotation. Das liegt nahe an der theoretischen Grenze, die Einsteins Relativitätstheorie erlaubt.

Diese schnelle Rotation erschwert die Modellierung des Signals erheblich, bietet aber auch neue Einblicke in die Dynamik solcher kosmischen Kollisionen.
Was bedeutet das für die Forschung?
GW231123 stellt aktuelle Modelle der Sternentwicklung, Gravitationsphysik und Schwarzen-Loch-Bildung infrage. Es zwingt Forschende dazu, bestehende Theorien zu überdenken oder zu erweitern.

Zudem zeigt das Ereignis, wie leistungsfähig moderne Gravitationswellen-Detektoren sind - und wie viel Potenzial in der Kombination von Beobachtung und Theorie steckt.
Wann gibt es neue Erkenntnisse?
Erste Analysen wurden auf der GR-Amaldi-Konferenz im Juli 2025 vorgestellt. Die vollständige Auswertung des komplexen Signals wird jedoch laut Experten mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Die Daten sind inzwischen öffentlich zugänglich, sodass weltweit Forschungsteams daran arbeiten, GW231123 vollständig zu entschlüsseln - möglicherweise mit überraschenden Ergebnissen.
Stellarer Merger vs. supermassives Schwarzes Loch
Das kürzlich entdeckte Schwarze Loch mit etwa 225 Sonnenmassen entstand durch die Verschmelzung zweier stellaren Schwarzer Löcher - ein sogenannter stellarer Merger. Solche Objekte entstehen typischerweise am Lebensende massereicher Sterne.

Im Gegensatz dazu stehen supermassive Schwarze Löcher, die sich in den Zentren von Galaxien befinden und Millionen bis Milliarden Sonnenmassen erreichen. Bekannte Beispiele dafür sind Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße oder M87*, das erste jemals direkt abgebildete Schwarze Loch.
Größtes bisher beobachtetes Ereignis dieser Art - im Kontext
Wenn in dem Zusammenhang vom "größten" Schwarzen Loch gesprochen wird, bezieht sich das auf die massereichste bisher nachgewiesene Verschmelzung zweier stellaren Schwarzer Löcher - nicht auf die absolute Größe im kosmischen Vergleich.

Das Ereignis GW231123 stellt in seiner Klasse einen neuen Rekord dar, bleibt aber deutlich kleiner als die supermassiven Giganten in Galaxienkernen.
Messmethode: Gravitationswellen statt elektromagnetisches Licht
Die Entdeckung des 225-Sonnenmassen-Objekts basiert auf der Analyse von Gravitationswellen - winzigen Raumzeitverzerrungen, die beim Zusammenstoß der Ursprungsobjekte ausgesendet wurden.

Anders als bei supermassiven Schwarzen Löchern, die über elektromagnetische Signale wie Röntgenstrahlung oder Radioemissionen beobachtet werden, war hier kein Lichtsignal beteiligt. Die gesamte Information stammt aus den Gravitationswellen-Daten.
Zusammenfassung
  • Rekordverschmelzung erzeugt Schwarzes Loch mit 225 Sonnenmassen
  • LIGO-Virgo-KAGRA entdeckte Ereignis GW231123 am 23. November 2023
  • Extreme Rotation der Schwarzen Löcher nahe physikalischer Grenze
  • Die Entdeckung stellt bisherige Sternentwicklungsmodelle infrage
  • Hierarchische Verschmelzungen als mögliche Erklärung diskutiert
  • Internationale Forschung öffnet neues Fenster zum Universum

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