Zweiter Crash auf dem Mond - doch diesmal lag es nicht an der Software

Private Raumfahrtfirmen drängen zum Mond - doch eine erfolgreiche Landung bleibt eine der härtesten Prüfungen. Auch Japans ispace scheiterte erneut. Jetzt zeigt eine technische Analyse, warum der zweite Anlauf fehlschlug.
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Kein Software-Bug: Das ließ den Mondlander abstürzen

Der Mond ist wieder stark in den Fokus gerückt: Raumfahrtagenturen, Techkonzerne und Start-ups verfolgen ambitionierte Pläne - von Erkundungsrobotern bis zu Ideen für private Mondbasen. Doch bevor solche Visionen Realität werden können, steht eine weit schwierigere Aufgabe: heil auf der Oberfläche zu landen.

Das japanische Unternehmen ispace hatte 2023 bereits einen ersten Landeversuch unternommen. Damals war es ein Softwareproblem, das dem Projekt zum Verhängnis wurde: Während des kritischen Landeanflugs verarbeitete das Steuerungssystem fehlerhafte Telemetriedaten - der Bordcomputer ging fälschlich davon aus, der Lander sei bereits am Boden. Die Triebwerke schalteten ab, das Fahrzeug stürzte ab.


Vor wenigen Wochen folgte der zweite Versuch - und erneut endete er in einem Crash - wir hatten berichtet. Doch diesmal lag die Ursache nicht in der Programmierung, sondern in der Hardware. "Resilience", so der Name des Landers, verlor in den letzten Sekunden der Mission seine wichtigste Orientierungshilfe: Ein Laserhöhenmesser, der die verbleibende Distanz zur Mondoberfläche messen sollte, lieferte erst verzögert Daten. Dieses Bauteil ist für die Navigation im Endanflug entscheidend - nur mit exakter Höheninformation kann die Sinkgeschwindigkeit rechtzeitig reduziert werden.

Genauer Ablauf der Fehlerkette
  • Der Lander befand sich beim Anflug in nahezu senkrechter Lage - eine fehlerhafte Ausrichtung kann ausgeschlossen werden.
  • Der Laserhöhenmesser (LRF) schaltete zwar ein, übermittelte aber erst mit Verzögerung verwertbare Messdaten zur Flughöhe.
  • Weder die Steuerungssoftware noch das Triebwerkssystem oder die Stromversorgung zeigten Auffälligkeiten - alle anderen Systeme arbeiteten ordnungsgemäß.

Ohne diese Daten raste der Lander mit ungebremsten 42 Metern pro Sekunde - rund 150 km/h - auf die Oberfläche zu, so die Analyse des Teams. Die Bodenstation verlor fünf Sekunden vor dem Aufprall den Kontakt. Auch der mitgeführte Mini-Rover, der auf der Oberfläche Messungen durchführen sollte, wurde beim Aufprall zerstört. ispace MondmissionenDieser Plan hat leider nur bis kurz vor der Landung geklappt Was genau mit dem Laserhöhenmesser im Flug geschah, lässt sich am Ende nicht vollständig rekonstruieren - zumindest nennt das Team keine konkreten Messdaten. Doch die Analyse schließt eine ganze Reihe anderer Fehlerquellen aus: Der Lander war stabil ausgerichtet, Software, Antrieb und Stromversorgung arbeiteten einwandfrei. Diese Ausschlusskette legt nahe, dass der Sensor entweder während des Flugs an Leistung verlor oder von Anfang an nicht die nötige Präzision erreichte. In beiden Fällen bleibt: Er lieferte die entscheidenden Daten zu spät.

Es soll weitergehen

NASA-Aufnahmen vom Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) bestätigen wenig später den Einschlag. Sie zeigen die Trümmer an der vorgesehenen Landezone im Mare Frigoris, einer Region im nördlichen Teil des Mondes. Resilience war im Januar gemeinsam mit dem Firefly-Lander "Blue Ghost" an Bord einer SpaceX-Rakete gestartet.

Während Firefly die einzige vollständig erfolgreiche Privatlandung der letzten Jahre gelang, ist ispace nun bereits zum zweiten Mal gescheitert. Der Rückschlag trifft das Unternehmen hart - doch man kündigt zusätzliche Tests und technische Anpassungen für kommende Missionen an. Die Kosten dafür steigen um über 1,5 Milliarden Yen (rund 8,7 Millionen Euro).

Takeshi Hakamada, CEO und Gründer von ispace, erklärte in Tokio: "Wir machen den nächsten Schritt - mit noch größerer Sorgfalt." Die Firma will 2027 erneut landen, unterstützt von der NASA und in engerer technischer Zusammenarbeit mit der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Ein vierter Versuch ist ebenfalls geplant.

Wann kehrt der Mensch zum Mond zurück?
Das Artemis-Programm der NASA plant die Rückkehr von Menschen zum Mond für die kommenden Jahre. Artemis II soll 2025 Menschen um den Mond herum führen, während Artemis III die erste Mondlandung seit Apollo 17 werden könnte.

Auch private Unternehmen wie SpaceX sind stark in diese Pläne eingebunden. Der genaue Zeitplan wurde mehrfach verschoben, doch die NASA hält an dem Ziel fest, noch vor 2030 Menschen auf die Mondoberfläche zu bringen.
Welche Länder waren auf dem Mond?
Bislang haben nur die USA im Rahmen des Apollo-Programms (1969-1972) Menschen auf dem Mond landen lassen. Insgesamt betraten 12 Astronauten die Mondoberfläche während der sechs erfolgreichen Landungen von Apollo 11, 12, 14, 15, 16 und 17.

Bei unbemannten Missionen waren deutlich mehr Nationen erfolgreich: Die Sowjetunion/Russland, China, Japan, Indien, Israel, die Europäische Weltraumagentur und private Unternehmen haben Sonden und Rover zum Mond geschickt, wobei nicht alle Landeversuche erfolgreich waren.
Was plant China auf dem Mond?
China verfolgt ein ambitioniertes Mondprogramm mit der Chang'e-Mission-Serie. Nach erfolgreichen Orbiter- und Landermissionen gelang mit Chang'e 5 im Jahr 2020 die erste Probenrückführung seit den 1970er Jahren.

Für die kommenden Jahre plant China den Aufbau einer permanenten Forschungsstation nahe dem Südpol des Mondes, die gemeinsam mit Russland betrieben werden soll. Das Projekt International Lunar Research Station (ILRS) könnte bereits Ende der 2020er Jahre erste Module auf dem Mond haben.
Warum zum Mond zurückkehren?
Der Mond gilt als ideales "Testgelände" für spätere Mars-Missionen, da er näher und sicherer zu erreichen ist. Zudem könnten Ressourcen wie Wassereis an den Polen für Treibstoff und Lebenserhaltung genutzt werden.

Wissenschaftlich bietet der Mond Einblicke in die frühe Geschichte des Sonnensystems. Wirtschaftlich interessant sind potenzielle Rohstoffe wie Helium-3 für Fusionsreaktoren sowie die Möglichkeit, den Mond als Sprungbrett für die weitere Erforschung des Weltraums zu nutzen.
Was ist das Artemis-Programm?
Artemis ist das aktuelle NASA-Programm zur Rückkehr zum Mond, benannt nach der griechischen Göttin des Mondes und Schwester von Apollo. Es umfasst mehrere Missionen mit dem Ziel, nachhaltige menschliche Präsenz auf dem Mond zu etablieren.

Zentrale Elemente sind das Orion-Raumschiff, die leistungsstarke SLS-Rakete und die geplante Mondorbitalstation Gateway. Anders als bei Apollo sollen diesmal auch eine Frau und eine Person of Color erstmals den Mond betreten, und die Missionen sollen länger dauern als die kurzen Apollo-Besuche.
Wie teuer ist eine Mondlandung?
Das Apollo-Programm kostete umgerechnet etwa 150 Milliarden Euro in heutigen Werten. Das aktuelle Artemis-Programm wird nach Schätzungen bis 2025 etwa 93 Milliarden US-Dollar kosten, könnte aber deutlich teurer werden.

Private Missionen versprechen geringere Kosten: SpaceX entwickelt mit Starship ein wiederverwendbares System, das die Kosten erheblich senken könnte. Trotzdem bleibt eine Mondlandung eines der teuersten Unterfangen der Menschheit, mit Kosten im Milliardenbereich.
Gibt es Wasser auf dem Mond?
Ja, Wassermoleküle wurden in den Polregionen des Mondes nachgewiesen, besonders in permanent beschatteten Kratern. Die indische Mission Chandrayaan-1 lieferte 2008 erste Hinweise, die später durch NASA-Missionen bestätigt wurden.

Dieses Wassereis ist einer der Hauptgründe, warum künftige Mondbasen bei den Mondpolen geplant sind. Das Eis könnte in Trinkwasser, Atemluft und Raketentreibstoff umgewandelt werden, was eine langfristige Präsenz auf dem Mond deutlich erleichtern würde.
Waren die USA wirklich auf dem Mond?
Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich einig: Ja, die Mondlandungen fanden statt. Dafür sprechen die zurückgebrachten Mondgestein-Proben, die von unabhängigen Wissenschaftlern weltweit untersucht wurden, sowie später aufgenommene Bilder der Landestellen.

Auch haben sowjetische Wissenschaftler, die damaligen Konkurrenten der USA, die Mondlandungen nie angezweifelt. Die angeblichen "Beweise" für eine Fälschung wurden vielfach wissenschaftlich widerlegt. Moderne Mondmissionen anderer Länder bestätigen indirekt die Ergebnisse der Apollo-Missionen.
Zusammenfassung
  • Erneuter Mondlandeversuch der japanischen Firma ispace endete im Crash
  • Hardware-Fehler statt Softwareproblem verhinderte diesmal die Landung
  • Laserhöhenmesser wurde zu spät aktiviert und verursachte unkontrollierten Fall
  • Der Lander prallte mit etwa 150 km/h auf die Mondoberfläche
  • Lunar Reconnaissance Orbiter dokumentierte Trümmer im Mare Frigoris
  • Trotz zweier Fehlschläge plant ispace weitere Landeversuche für 2027
  • Kosten für technische Anpassungen liegen bei 8,7 Millionen Euro

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