Windows: Fujitsu-PCs nach Patch Day tot - nicht mal mehr BIOS-Zugriff

Das Juni-Patch-Day-Update für Windows 10 22H2 hat zahlreiche Fujitsu-Rechner komplett unbrauchbar gemacht. Die Geräte bleiben beim Start hängen. Selbst ein BIOS-Zugriff ist mehr nicht möglich. Mit einer speziellen Methode können PCs teils aber gerettet werden.
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Windows-Update brickt Systeme

Des Öfteren machen Windows-Updates Probleme. Zuletzt veröffentlichte Microsoft im Rahmen des Juni-Patch-Days neue Versionen für Windows 11 und Windows 10. Während es bei Windows 11 bereits ein nachgeschobenes Update gab, um Probleme mit Gaming-Systemen zu beheben, die durch die Aktualisierung aufgetaucht waren, scheint das Windows 10 Update KB5060533 für Version 22H2 deutlich ernstere Probleme zu verursachen.

So berichten Besitzer von Fujitsu-Computern, dass nach der Installation und dem obligatorischen Neustart die Rechner beim Fujitsu-Logo hängen bleiben und nicht mehr starten. Besonders problematisch dabei ist, dass Betroffene nicht einmal mehr ins BIOS gelangen können, um grundlegende Einstellungen zu ändern. Die Geräte sind praktisch unbrauchbar geworden.


Betroffen sind vor allem Fujitsu Esprimo P556 Desktop-PCs, aber auch andere Modelle mit verschiedenen Fujitsu-Mainboards, darunter Esprimo X956/T, Q956, Q556 sowie Modelle mit den Mainboards D3444-A11, D3413-A1, D3403-A1x, D3402-A11, D3430-A1 und D3400-A1x. Die Probleme wurden von zahlreichen Nutzern in verschiedenen Online-Foren, Social-Media-Plattformen und der Microsoft Community gemeldet.

Secure Boot-Datenbank als Problemverursacher

Wie Günter Born in seinem IT- und Windows-Blog auf borncity berichtet, handelt es sich um ein Problem mit der Aktualisierung der Secure Boot-Datenbank (DBX) durch das Windows-Update.

Das Problem tritt wohl auf, weil die DBX-Datei für den Secure Boot von acht Kilobyte auf 24 Kilobyte angewachsen ist. Dies sprengt vermutlich den zur Verarbeitung und Ablage vorgesehenen Speicherplatz im BIOS/UEFI der betroffenen Geräte. Die DBX-Datenbank enthält Signaturen von Firmware-Komponenten, die als unsicher eingestuft wurden und daher beim Secure Boot-Prozess blockiert werden sollen.

Nutzer vermuten, dass das Problem mit der Sicherheitslücke CVE-2024-3052 zusammenhängen könnte. Microsoft hat 14 Varianten eines signierten Firmware-Tools des Herstellers DT Research auf eine DBX-Blockliste im UEFI gesetzt. Möglicherweise wurde versehentlich auch noch etwas anderes in der DBX-Datenbank gesperrt, was für die Fujitsu-Geräte wichtig ist.

BIOS-Recovery als Rettung

Für betroffene Nutzer gibt es eine Übergangslösung, auch wenn deren Implementierung technisches Geschick erfordert und nicht in jedem Fall von Erfolg gekrönt zu sein scheint. Wie Nutzer Gunnar Haslinger auf seinem Blog berichtet, hat Fujitsu für seine Mainboards eine Firmware-Recovery-Funktion eingebaut, die auch ohne funktionierendes Betriebssystem genutzt werden kann. Dafür muss ein spezieller Jumper auf dem Mainboard umgesetzt und ein korrekt vorbereiteter USB-Stick angeschlossen werden.

Die Recovery-Prozedur umfasst folgende Schritte:

  • Einen USB-Stick mit dem Tool Rufus im FreeDOS-Modus formatieren
  • Die passende BIOS-Datei für das jeweilige Mainboard herunterladen
  • Den Recovery-Jumper auf dem Mainboard umsetzen
  • Den PC mit angeschlossenem USB-Stick starten
  • Nach Abschluss der Recovery den Jumper zurücksetzen

Die benötigten BIOS-Dateien können bei Fujitsu oder Kontron heruntergeladen werden. Auf dem FTP-Server von Kontron können die Dateien mit dem Benutzernamen "anonymous" ohne Passwort abgerufen werden. Wichtig ist, die genaue Mainboard-Bezeichnung zu kennen, die auf dem Mainboard aufgedruckt sein sollte.

Prävention für nicht betroffene Geräte

Wer einen Fujitsu-Rechner besitzt, der bislang nicht aktualisiert wurde, sollte überlegen, das Update KB5060533 vorerst zurückzustellen. Alternativ kann vor der Installation das TPM-Modul im BIOS/UEFI deaktiviert werden, was laut Nutzerberichten das Problem zumindest teilweise verhindert.

Die Deaktivierung des TPM sollte jedoch nur als temporäre Lösung betrachtet werden, da dadurch wichtige Sicherheitsfunktionen von Windows 10 beeinträchtigt werden können. Dazu gehören BitLocker-Verschlüsselung und Windows Hello-Anmeldung. Nutzer sollten regelmäßig prüfen, ob Fujitsu ein BIOS-Update bereitstellt, das das Problem dauerhaft behebt.

Habt ihr auch Probleme mit euren Fujitsu-Rechnern nach dem Juni-Update? Oder konntet ihr das Problem bereits lösen? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren und helft damit anderen Betroffenen.

Zusammenfassung
  • Windows 10 Update KB5060533 lässt Fujitsu-Rechner beim Startlogo hängen
  • Betroffene können nicht einmal mehr auf das BIOS zugreifen
  • Ursache ist wohl die Vergrößerung der Secure Boot-Datenbank auf 24 Kilobyte
  • Diverse Esprimo-Modelle und spezifische Fujitsu-Mainboards betroffen
  • Recovery mittels Mainboard-Jumper und vorbereiteten USB-Stick teils möglich
  • Vorbeugend sollte das Update zurückgestellt werden
  • Alternativ kann das TPM-Modul temporär deaktiviert werden

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