Webb liefert neue Hubble-Konstante:
Durchbruch im ewigen Streit?
Neue Daten des James-Webb-Teleskops bringen die Hubble-Konstante deutlich näher an die Berechnungen aus der Frühzeit des Kosmos - und entschärfen damit vielleicht endlich einen der zentralen Konflikte der modernen Kosmologie.
Die neue Analyse der Astrophysikerin Wendy Freedman und ihres Teams an der University of Chicago verbindet nun Messungen des Hubble-Teleskops mit hochauflösenden Daten des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST). Mit einer neu kalibrierten Supernova-Stichprobe und verbesserter Staubkorrektur wurde ein neuer Wert von 70,4 km/s pro Megaparsec ermittelt - das entspricht etwa 70 Kilometern zusätzlicher Geschwindigkeit für jede 3,26 Millionen Lichtjahre Abstand.
Genau das ist der entscheidende Punkt dieser neuen Messung: Der Wert von 70,4 km/s/Mpc liegt zwischen den bisherigen Messungen aus dem frühen und dem heutigen Universum - und das gerade so, dass seine Fehlergrenzen beide Seiten berühren.
Das bedeutet:
Damit entschärft sich die Spannung zwischen den beiden zentralen Messmethoden: Zum ersten Mal überschneidet sich die neue Spanne mit beiden zuvor widersprüchlichen Wertebereichen - und eröffnet so die Möglichkeit eines statistischen Kompromisses. Eine neue Physik, etwa durch unbekannte Teilchen, modifizierte Dunkle Energie oder veränderte Gravitationsmodelle, muss damit nicht mehr zwingend herangezogen werden, um die Diskrepanz zu erklären.
Der entscheidende Fortschritt liegt in der Leistungsfähigkeit von Webb. Das Teleskop bietet eine viermal höhere Auflösung als Hubble und ist im Infrarotbereich etwa zehnmal empfindlicher. Damit lassen sich Einzelsterne in fernen Galaxien deutlich besser auflösen und ihre Helligkeit präziser bestimmen - auch durch interstellaren Staub hindurch, der frühere Messungen oft verfälschte.
Co-Autor Barry Madore von der Carnegie Institution for Science betont, dass Webb dank Infrarotbeobachtungen bisherige Unsicherheiten in der Entfernungsbestimmung überwinden könne. Auch Taylor Hoyt vom Lawrence Berkeley Lab sieht den Fortschritt in der Präzision: "Webb zeigt, wie zuverlässig sich galaktische Distanzen mittlerweile messen lassen."
Siehe auch:
Webb-Durchbruch: Kosmologischer Konflikt gelöst?
Seit Jahren steht ein scheinbar unlösbares Problem im Raum: Die kosmische Hintergrundstrahlung - ein Überbleibsel aus der Frühzeit des Universums - legt eine deutlich langsamere Ausdehnungsrate nahe als aktuelle Beobachtungen an Supernovae und Sternen im lokalen Kosmos. Während das eine Verfahren rund 67,4 km/s/Mpc ergibt, liegt das andere stabil bei etwa 73 km/s/Mpc. Der Unterschied war zu groß, um ihn auf zufällige Fehler oder Unsicherheiten zurückzuführen.Die neue Analyse der Astrophysikerin Wendy Freedman und ihres Teams an der University of Chicago verbindet nun Messungen des Hubble-Teleskops mit hochauflösenden Daten des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST). Mit einer neu kalibrierten Supernova-Stichprobe und verbesserter Staubkorrektur wurde ein neuer Wert von 70,4 km/s pro Megaparsec ermittelt - das entspricht etwa 70 Kilometern zusätzlicher Geschwindigkeit für jede 3,26 Millionen Lichtjahre Abstand.
Genau das ist der entscheidende Punkt dieser neuen Messung: Der Wert von 70,4 km/s/Mpc liegt zwischen den bisherigen Messungen aus dem frühen und dem heutigen Universum - und das gerade so, dass seine Fehlergrenzen beide Seiten berühren.
Das bedeutet:
- Frühere Messung: 67,4 ± 0,7 → reicht etwa von 66,7 bis 68,1
- Neue Messung: 70,4 ± 3 % → reicht etwa von 68,3 bis 72,5
- Frühere lokale Werte: oft ca. 73 ± 1-2
Damit entschärft sich die Spannung zwischen den beiden zentralen Messmethoden: Zum ersten Mal überschneidet sich die neue Spanne mit beiden zuvor widersprüchlichen Wertebereichen - und eröffnet so die Möglichkeit eines statistischen Kompromisses. Eine neue Physik, etwa durch unbekannte Teilchen, modifizierte Dunkle Energie oder veränderte Gravitationsmodelle, muss damit nicht mehr zwingend herangezogen werden, um die Diskrepanz zu erklären.
Der entscheidende Fortschritt liegt in der Leistungsfähigkeit von Webb. Das Teleskop bietet eine viermal höhere Auflösung als Hubble und ist im Infrarotbereich etwa zehnmal empfindlicher. Damit lassen sich Einzelsterne in fernen Galaxien deutlich besser auflösen und ihre Helligkeit präziser bestimmen - auch durch interstellaren Staub hindurch, der frühere Messungen oft verfälschte.
Webb schafft Klarheit
Laut Freedman wurde durch Webb die Zahl der Galaxien, die zur Kalibrierung von Supernovae dienen, mehr als verdoppelt. Die neue Stichprobe ermöglicht eine deutlich robustere statistische Analyse. "Das Standardmodell scheint sich im Licht der neuen Daten zu behaupten", erklärt sie in der Mitteilung der University of Chicago. Ihre Ergebnisse wurden im Astrophysical Journal veröffentlicht.Co-Autor Barry Madore von der Carnegie Institution for Science betont, dass Webb dank Infrarotbeobachtungen bisherige Unsicherheiten in der Entfernungsbestimmung überwinden könne. Auch Taylor Hoyt vom Lawrence Berkeley Lab sieht den Fortschritt in der Präzision: "Webb zeigt, wie zuverlässig sich galaktische Distanzen mittlerweile messen lassen."
Was kann das Webb-Teleskop?
Das James-Webb-Teleskop ist das leistungsstärkste Weltraumteleskop, das je gebaut wurde. Es kann durch kosmische Staubwolken blicken und Licht aus den frühesten Phasen des Universums einfangen.
Mit seinem 6,5 Meter großen Hauptspiegel und den hochempfindlichen Infrarot-Instrumenten kann es bis zu 13,5 Milliarden Lichtjahre weit ins All schauen. Dies ermöglicht Einblicke in die Entstehung der ersten Galaxien.
Mit seinem 6,5 Meter großen Hauptspiegel und den hochempfindlichen Infrarot-Instrumenten kann es bis zu 13,5 Milliarden Lichtjahre weit ins All schauen. Dies ermöglicht Einblicke in die Entstehung der ersten Galaxien.
Wie teuer war das Projekt?
Die Gesamtkosten des James-Webb-Weltraumteleskops belaufen sich auf rund 10 Milliarden US-Dollar. Dies macht es zu einem der teuersten wissenschaftlichen Instrumente, die je gebaut wurden.
Die hohen Kosten ergeben sich aus der komplexen Technologie, den vielen Tests und Verzögerungen sowie der aufwendigen Entwicklung völlig neuer Komponenten für den Einsatz im All.
Die hohen Kosten ergeben sich aus der komplexen Technologie, den vielen Tests und Verzögerungen sowie der aufwendigen Entwicklung völlig neuer Komponenten für den Einsatz im All.
Wo befindet sich das Teleskop?
Das Webb-Teleskop kreist um den Lagrange-Punkt L2, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Diese Position wurde gewählt, um optimale Beobachtungsbedingungen zu gewährleisten.
An diesem Punkt kann das Teleskop mit seinem Sonnenschild die Wärmestrahlung von Sonne, Erde und Mond abschirmen, was für die empfindlichen Infrarotbeobachtungen essenziell ist.
An diesem Punkt kann das Teleskop mit seinem Sonnenschild die Wärmestrahlung von Sonne, Erde und Mond abschirmen, was für die empfindlichen Infrarotbeobachtungen essenziell ist.
Wie lange wird Webb funktionieren?
Die geplante Mindestlebensdauer des Teleskops beträgt 5-10 Jahre. Der limitierende Faktor ist der Treibstoff, der für die Positionskorrekturen benötigt wird.
Experten gehen davon aus, dass das Teleskop bei optimalem Verlauf sogar bis zu 20 Jahre arbeiten könnte. Eine Reparatur oder Wartung ist aufgrund der großen Entfernung zur Erde nicht möglich.
Experten gehen davon aus, dass das Teleskop bei optimalem Verlauf sogar bis zu 20 Jahre arbeiten könnte. Eine Reparatur oder Wartung ist aufgrund der großen Entfernung zur Erde nicht möglich.
Was macht Webb besser als Hubble?
Das Webb-Teleskop verfügt über einen mehr als 6-mal größeren Hauptspiegel als Hubble und kann damit deutlich schwächere und weiter entfernte Objekte beobachten.
Während Hubble hauptsächlich im sichtbaren Licht arbeitet, ist Webb auf Infrarotbeobachtungen spezialisiert. Dies ermöglicht Blicke durch kosmische Staubwolken und die Beobachtung sehr weit entfernter Galaxien.
Während Hubble hauptsächlich im sichtbaren Licht arbeitet, ist Webb auf Infrarotbeobachtungen spezialisiert. Dies ermöglicht Blicke durch kosmische Staubwolken und die Beobachtung sehr weit entfernter Galaxien.
Wie werden die Daten übertragen?
Das Teleskop überträgt seine Daten über das Deep Space Network der NASA zur Erde. Die Übertragungsrate beträgt dabei etwa 28 Megabit pro Sekunde.
Täglich werden etwa 57 Gigabyte wissenschaftliche Daten und Bilder zur Erde gefunkt. Die Signale benötigen aufgrund der großen Entfernung etwa 5 Sekunden, um die Erde zu erreichen.
Täglich werden etwa 57 Gigabyte wissenschaftliche Daten und Bilder zur Erde gefunkt. Die Signale benötigen aufgrund der großen Entfernung etwa 5 Sekunden, um die Erde zu erreichen.
Wer hat Zugriff auf Webb-Daten?
Die Beobachtungsdaten des Webb-Teleskops werden nach einer kurzen Sperrfrist der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt.
Forschende können Beobachtungszeit beantragen, wobei die Vergabe nach wissenschaftlicher Relevanz erfolgt. Etwa 30% der Zeit ist für garantierte Beobachtungen der beteiligten Institutionen reserviert.
Forschende können Beobachtungszeit beantragen, wobei die Vergabe nach wissenschaftlicher Relevanz erfolgt. Etwa 30% der Zeit ist für garantierte Beobachtungen der beteiligten Institutionen reserviert.
Warum der Name James Webb?
James E. Webb war von 1961 bis 1968 NASA-Administrator und prägte maßgeblich das Apollo-Programm. Unter seiner Führung entwickelte sich die NASA zu einer breit aufgestellten Forschungsorganisation.
Die Namensgebung wurde allerdings auch kritisch diskutiert, da Webb in seiner Zeit bei der NASA in diskriminierende Praktiken involviert gewesen sein soll. Die NASA hält jedoch an dem Namen fest.
Die Namensgebung wurde allerdings auch kritisch diskutiert, da Webb in seiner Zeit bei der NASA in diskriminierende Praktiken involviert gewesen sein soll. Die NASA hält jedoch an dem Namen fest.
Zusammenfassung
- Neue James-Webb-Teleskop-Daten könnten kosmologischen Grundkonflikt lösen
- Zwischen frühem Kosmos (67,4 km/s/Mpc) und lokalen Messungen (73 km/s/Mpc)
- Webb-Messung liefert Kompromisswert von 70,4 km/s pro Megaparsec
- Erstmals überschneiden sich die Fehlergrenzen mit beiden früheren Werten
- Dank Webb-Teleskop mehr als doppelt so viele Kalibrierungsgalaxien
- Überlegene Infrarotbeobachtung und viermal höhere Auflösung als Hubble
- Das Standardmodell der Kosmologie scheint sich mit neuen Daten zu behaupten
Siehe auch:
- Kosmisches Lichtspektakel: Webb fängt Jupiters rasende Polarlichter ein
- Stellar-Spektakel im All: Webb-Teleskop blickt in den Kristallkugel-Nebel
- Webb-Teleskop liefert spannende neue Daten zu Asteroid 2024 YR4
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- Da dreht sich etwas ganz komisch: rätselhafte Entdeckung durch Webb
Thema:
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