Kohlendioxid-Deponie: Perfekter Platz in der Nordsee gefunden

Wissenschaftler haben unter der deutschen Nordsee einen idealen Ort für die CO₂-Speicherung entdeckt - und das mit minimalen Um­weltrisiken. Was die Technologie kostet und welche Hürden noch überwunden werden müssen, erfahrt ihr hier.
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Durchbruch für Klimaschutz

Wissenschaftler des Forschungsverbundes GEOSTOR und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel haben einen vielversprechenden Ansatz zur Kohlendioxid-Speicherung entdeckt und einen Bericht über die ersten Ergebnisse veröffentlicht (PDF). Der Westschleswig-Block, eine Buntsandstein-Formation 100 Kilometer vor der deutschen Küste, bietet eine innovative Lösung im Kampf gegen den Klimawandel.

Die geologische Formation, die sich in 1,6 bis 2,2 Kilometer Tiefe befindet, erweist sich als nahezu perfekte "Gasfalle". Nach dreijähriger Forschung zeigen die Ergebnisse beeindruckende Potenziale: Das 1300 Quadratkilometer große Gebiet könnte zwischen 900 und 5500 Millionen Tonnen CO₂ aufnehmen. Technisch wäre ein jährlicher Transport in das Speichergebiet von bis zu zehn Millionen Tonnen CO₂ möglich. Kohlendioxid-Deponie in der NordseeCO₂-Speicherung unter der Nordsee

Technologie mit bewährter Erfahrung

Die Technologie ist nicht neu. Norwegen praktiziert die Kohlendioxid-Speicherung unter Meeresboden bereits seit über zwei Jahrzehnten erfolgreich. Professor Dr. Klaus Wallmann vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum betont die Herausforderung, Leckagen zu verhindern. Der Westschleswig-Block bietet dabei günstige Bedingungen durch ein nahezu rissloses Deckgestein.

Die Speicherungskosten würden anfänglich zwischen 26 und 55 Euro pro Tonne liegen und später auf 13 bis 28 Euro sinken. Zusätzlich müssen Kosten für die CO₂-Abscheidung (derzeit 50-170 Euro pro Tonne) berücksichtigt werden. Umweltbedenken wurden ebenfalls untersucht. Das Risiko induzierter Erdbeben wird als gering eingeschätzt - mit einer maximalen Magnitude von 2.

Zur Minimierung der Lärmbelastung für Meerestiere empfehlen die Forscher passive seismische Überwachungsverfahren. Die Forscher betonen, dass die Kohlendioxid-Speicherung kein Freibrief für sorglosen Umgang mit Emissionen sein darf. Nur unvermeidbare CO₂-Restmengen sollten deponiert werden. Rechtliche Anpassungen sind erforderlich, um die Speicherung in der deutschen Nordsee zu ermöglichen.

Der Forschungsverbund CDRmare wird die Untersuchungen fortsetzen. Ziel ist es, wissenschaftliche Grundlagen für ein umfassendes Demonstrationsprojekt zu schaffen und offene Fragen zu klären.

Was haltet ihr von der Idee, CO₂ unter der Nordsee zu speichern? Könnte dies ein wichtiger Baustein für unsere Klimaziele sein oder seht ihr andere Lösungen als vielversprechender? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren!

Was ist CO₂-Speicherung in der Nordsee?
Bei der CO₂-Speicherung wird flüssiges Kohlendioxid in poröse Sandsteinformationen tief unter dem Meeresboden der Nordsee gepumpt. Das CO₂ wird dabei in mindestens 800 Meter Tiefe unter dem Meeresboden eingelagert.

Im Gestein breitet sich das CO₂ in den Poren aus und sammelt sich unter einer undurchlässigen Barriereschicht. Mit der Zeit löst sich das CO₂ im Formationswasser und reagiert mit Mineralen im Sandstein, wodurch es dauerhaft gebunden wird.
Wie viel CO₂ könnte gespeichert werden?
Der vielversprechendste Speicherort in der deutschen Nordsee ist der Westschleswig-Block, der zwischen 900 und 5.500 Millionen Tonnen CO₂ aufnehmen könnte. Pro Jahr wäre technisch ein Transport von bis zu 10 Millionen Tonnen CO₂ zu den Speicherorten möglich.

Insgesamt wird das Speicherpotenzial im Untergrund der gesamten Nordsee auf etwa 150 Milliarden Tonnen CO₂ geschätzt, wovon 3,6 bis 10,4 Milliarden Tonnen auf deutsche Gewässer entfallen.
Was kostet die CO₂-Speicherung?
In der Startphase liegen die reinen Speicherkosten bei 26 bis 55 Euro pro Tonne CO₂. Diese beinhalten Bohrungen, Plattformbau und Schiffstransport. In der späteren Vollausbauphase sinken die Kosten auf 13 bis 28 Euro pro Tonne.

Allerdings kommen noch erhebliche Zusatzkosten für die CO₂-Abscheidung hinzu. Diese liegt derzeit bei 50 bis 170 Euro pro Tonne bei der Abtrennung aus Industrieabgasen.
Welche Risiken gibt es?
Zu den Hauptrisiken zählen mögliche Leckagen des gespeicherten CO₂, was zu einer Versauerung des Meerwassers führen könnte. Auch könnten durch den Einpressdruck kleine Erdbeben entstehen - diese werden aber auf maximal Magnitude 2 geschätzt.

Weitere Risiken sind die Belastung durch salziges Formationswasser und Schwermetalle sowie Lärmbelästigung für Meereslebewesen während der Arbeiten. Diese Risiken werden als beherrschbar eingeschätzt.
Wie wird das CO₂ transportiert?
In der Startphase erfolgt der Transport per Kesselwagen und kleineren Schiffen zu einem Knotenpunkt (Hub), von wo aus das CO₂ zu den Offshore-Speicherorten verschifft wird.

In der späteren Vollausbauphase soll der Transport sowohl an Land als auch auf See über Pipelines erfolgen. Das CO₂ wird dabei in flüssiger Form transportiert.
Ist die Technik bereits erprobt?
Ja, die CO₂-Speicherung im Meeresuntergrund wird bereits seit über zwei Jahrzehnten erfolgreich in norwegischen Gewässern praktiziert, beispielsweise an der Gasbohrinsel Sleipner.

Mehrere Nachbarländer wie die Niederlande, Dänemark und Großbritannien planen derzeit weitere Großprojekte in der Nordsee, da sich die Technologie durch steigende CO₂-Zertifikatspreise zunehmend wirtschaftlich rechnet.
Ist das in Deutschland erlaubt?
Aktuell erschwert die deutsche Rechtslage solche Vorhaben. Das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz müsste angepasst werden, um CO₂-Speicherung in der deutschen Nordsee zu ermöglichen.

Internationale Abkommen erlauben die CO₂-Speicherung grundsätzlich in den Hoheitsgewässern der Küstenstaaten. Experten empfehlen zudem, die deutsche Meeresraumplanung auf den tiefen Untergrund auszuweiten.
Ist das die Lösung fürs Klima?
Die CO₂-Speicherung wird nicht als Universallösung gesehen, sondern als Ergänzung zu anderen Klimaschutzmaßnahmen. Sie soll nur für unvermeidbare Rest-Emissionen eingesetzt werden, die trotz konsequenter Klimapolitik entstehen.

Deutschland wird Schätzungen zufolge zur Mitte des Jahrhunderts noch etwa 10 bis 20 Prozent der aktuellen Treibhausgas-Emissionen freisetzen, die ausgeglichen werden müssen.
Zusammenfassung
  • CO₂-Speicherung im Nordsee-Untergrund technisch machbar und vielversprechend
  • Westschleswig-Block könnte 900-5500 Millionen Tonnen CO₂ aufnehmen
  • Jährlicher CO₂-Transport von bis zu 10 Millionen Tonnen umsetzbar
  • Kosten: anfangs 26-55 Euro pro Tonne, später 13-28 Euro pro Tonne
  • Umweltauswirkungen gering, maximale Erdbebenmagnitude von 2 erwartet
  • Rechtliche Hürden und Nutzungskonflikte müssen noch geklärt werden
  • Technologie soll nur für unvermeidbare CO₂-Restmengen genutzt werden

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