Chrome Web Store kämpft mit Flut an zwielichtigen Erweiterungen

Chrome Web Store-Nutzer aufgepasst: Hunderte Erweiterungen nutzen eine Schwachstelle aus, um in Ergebnissen besser platziert zu werden. Entwickler missbrauchen dafür Übersetzungsfunktionen und fügen irrelevante Keywords ein. Google ignoriert das Problem bisher.
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Tricksereien im Chrome Web Store

Entwickler von Chrome-Erweiterungen nutzen derzeit offenbar eine Schwachstelle im Chrome Web Store aus, um ihre Add-ons in den Suchergebnissen besser zu platzieren. Dabei verstoßen sie zwar klar gegen die Richtlinien von Google, der Chrome-Anbieter hat das aber offenbar nicht oder nicht ausreichend auf dem Schirm. Die Manipulation funktioniert über den Missbrauch von Übersetzungsfunktionen und das Einfügen irrelevanter Keywords.

Konkret fügen Entwickler in die Beschreibungen für weniger verbreitete Sprachen wie Swahili oder Bengali lange Listen mit Keywords ein. Diese tauchen zwar für die meisten Nutzer nicht sichtbar auf, beeinflussen aber trotzdem die Suchergebnisse im Web Store. So können Erweiterungen bei Suchen angezeigt werden, die inhaltlich gar nichts mit ihnen zu tun haben.

Der Sicherheitsforscher Wladimir Palant hat in seinem Blog Almost Secure (via Ars Technica) insgesamt 920 Erweiterungen identifiziert, die diese Methode nutzen. Die meisten davon lassen sich einigen großen Clustern zuordnen. Dazu gehören etwa "Kodice LLC / Karbon Project LP / BroCode LTD" mit über 120 Erweiterungen sowie "ZingFront Software / ZingDeck / BigMData" mit mehr als 220 Add-ons.

Bekannte Cluster mit Vorgeschichte

Einige dieser Cluster sind in der Vergangenheit bereits durch schädliche Aktivitäten aufgefallen. So wurden 2023 bei Erweiterungen aus dem Kodice-Cluster Spionagefunktionen und Werbebetrug nachgewiesen. Auch das "PDF Toolbox"-Cluster fiel damals durch Malware-Funktionen auf.

Besonders bedenklich ist, dass Google das Problem offenbar seit Längerem kennt, aber nicht dagegen vorgeht. Palant zufolge wurde der Konzern bereits vor einem Jahr auf die Manipulation aufmerksam gemacht. In den Nutzungsbedingungen des Chrome Web Store ist die Beeinflussung der Platzierung von Erweiterungen ausdrücklich untersagt.

Mögliche Lösungsansätze

Eine mögliche technische Lösung wäre laut Palant, der vielen als Macher von Adblock Plus bekannt sein dürfte, den Suchindex des Web Stores nach Sprachen zu trennen. So würden Beschreibungen in Bengali nicht mehr in englischsprachigen Suchen auftauchen. Alternativ müsste Google die Einhaltung seiner Richtlinien konsequenter durchsetzen und auffällige Entwickler-Cluster proaktiv überwachen.

Für Chrome-Nutzer bedeutet die Situation, dass sie bei der Installation von Erweiterungen besonders vorsichtig sein sollten. Oft tauchen in den Suchergebnissen des Web Stores Add-ons auf, die mit dem eigentlichen Suchbegriff wenig zu tun haben. Im schlimmsten Fall können sich dahinter sogar schädliche Erweiterungen verbergen.

Experten raten daher, nur Erweiterungen aus vertrauenswürdigen Quellen zu installieren und im Zweifel lieber auf ein Add-on zu verzichten. Zudem sollten Nutzer regelmäßig prüfen, welche Erweiterungen sie installiert haben und nicht mehr benötigte deaktivieren oder löschen.

Zusammenfassung
  • Chrome Web Store: Hunderte Erweiterungen missbrauchen Schwachstelle
  • Entwickler fügen irrelevante Keywords in fremdsprachige Beschreibungen ein
  • 920 Erweiterungen identifiziert, die diese Methode zur Manipulation nutzen
  • Google kennt das Problem seit einem Jahr, unternimmt aber nichts dagegen
  • Nutzer sollten bei der Installation von Erweiterungen besonders vorsichtig sein
  • Experten empfehlen regelmäßige Überprüfung installierter Erweiterungen
  • Mögliche Lösung: Suchindex nach Sprachen trennen oder Richtlinien durchsetzen

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