Amazon empfiehlt Lagerarbeitern:
Augen schließen, an Schönes denken

Wenn Manager sich im Alleingang Maßnahmen ausdenken, die den Arbeitsalltag der Angestellten verbessern sollen, kommen zuweilen skurrile Ergebnisse heraus. Ein Beispiel hierfür ist das WorkingWell-Programm, das Amazon seinen Lagerarbeitern bereitstellt.
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Glück mit Countdown

Ein Beschäftigter aus einem Logistikzentrum des Konzerns in den USA hat dem Magazin 404media ein Beispiel für die Maßnahmen zugeschickt, die dafür sorgen sollen, dass die Mitarbeiter eine schönere Zeit im Job haben. Besonders gut scheint dies bei den Beschäftigten allerdings nicht anzukommen.

Auf einem Terminal bekommt der Mitarbeiter hier die Aufforderung, jetzt einfach mal zu genießen. "Schließen Sie die Augen und denken Sie an etwas, das Sie glücklich macht", lautet die Anleitung auf dem Bildschirm, das eine Person in Arbeitsweste zeigt, die von einer fröhlichen Figur aus Amazon-Paketen bei der Entspannungsübung begleitet wird. Amazon: Entspannungs-Übung im LagerEntspannungsübung beim Pakete packen Damit auch alles seine Ordnung hat, läuft auf dem Bild ein Timer herunter, der angibt, wie lange die Entspannungsübung durchgeführt oder wiederholt werden soll. So soll offenbar sichergestellt werden, dass das Personal sich zwar ausreichend, aber letztlich auch nicht zu lange davon erholt, Waren aus den Regalen zusammenzusammeln und in Pakete zu packen.

WorkingWell-Programm

Die Entspannungsübung ist Teil des AmaZen-Projekts, das 2021 mit dem "WorkingWell"-Programm eingeführt wurde. AmaZen "führt Mitarbeiter an individuellen interaktiven Kiosken in den Gebäuden durch Achtsamkeitspraktiken", hieß es in einer Mitteilung, die Amazon zum Start veröffentlichte. "Während ihrer Schicht können die Mitarbeiter die AmaZen-Stationen besuchen und kurze Videos mit einfach zu befolgenden Wohlfühlaktivitäten ansehen, darunter geführte Meditationen, positive Affirmationen, beruhigende Szenen mit Klängen und mehr."

Bei dem Amazon-Mitarbeiter, der dem Magazin das Bild zuschickte, kommt dies nicht so gut an. "Ich meine, es fühlte sich offen gesagt wie ein Schlag ins Gesicht an. Es ist die Art von Unternehmensplattitüden, die so offensichtlich nichts mit der Realität zu tun haben", erklärte der Arbeiter. "Die Unter- und Mittelschichten sehen, wie unsere finanzielle Situation immer angespannter wird, während die Leute an der Spitze dieses Unternehmens ihre Portfolios und ihren unverhältnismäßigen Reichtum weiter ausbauen. Wir werden als Volk ausgeblutet, und dann werde ich in meinem niederen Job aufgefordert, die Augen zu schließen und an etwas Fröhliches zu denken. Da denke ich lieber daran, die Reichen zu essen, danke."

Zusammenfassung
  • Manager erdenken oft allein Maßnahmen für besseren Arbeitsalltag
  • Amazon bietet Lagerarbeitern das WorkingWell-Programm an
  • Angestellte sollen am Terminal Entspannungsübungen machen
  • Timer regelt Dauer der Erholung beim Einsammeln von Waren
  • AmaZen-Projekt beinhaltet Achtsamkeitspraktiken und Meditation
  • Mitarbeiter empfindet Maßnahmen als realitätsfern und zynisch
  • Arbeiter kritisiert soziale Ungleichheit und Unternehmenspolitik

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