Nur 200 Mrd. Sonnenmassen? - Milchstraße ist offenbar viel zu leicht

Die Milchstraße leidet offenbar unter einem Dunkle-Materie-Mangel. Daher ist sie leichter als bisher vermutet. Erkannt wurde dies jetzt durch Messungen, die das europäische Weltraum-Observatorium Gaia angestellt hat.
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Gaia liefert bahnbrechende Daten

Der Satellit durchmustert seit einiger Zeit den sichtbaren Himmel und registriert dabei kleinste Positionsveränderungen der sichtbaren Objekte. Dadurch kann mit der Zeit die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung von Millionen von Sternen genau erfasst werden, was die Erstellung einer ziemlich präzisen Simulation unserer Galaxie ermöglicht.

Hierbei zeigte sich nun, dass sich die Sterne im Randbereich der Milchstraße viel langsamer bewegen als die Sterne in ähnlichen Positionen anderer Galaxien, berichtete Scientific American. Dafür gibt es im Grunde nur zwei mögliche Erklärungen: Entweder das bisherige Verständnis der mysteriösen Dunklen Materie ist fehlerhaft, oder aber es gibt viel weniger dieser Substanz in der Milchstraße als in einigen anderen Galaxien.

Die Daten, auf deren Grundlage die Sternen-Geschwindigkeiten berechnet wurden, stammten aus einem Informations-Satz, den das Gaia-Team im letzten Jahr veröffentlichte. Seitdem haben sich mehrere Forscher-Teams mit der Sache beschäftigt und alle kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Eine darauf aufbauende Studie wurde nun im Journal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Forschungsarbeit beginnt erst

Da sich aus den Bewegungen der Sterne über die Gravitationsgesetze Rückschlüsse auf die Masse unserer Galaxie ziehen lassen, dürfte die Überraschung groß sein. Die Berechnungen kamen hier nun zu dem Ergebnis, dass die Milchstraße etwa 200 Milliarden Sonnenmassen schwer sein müsste. Das ist zwar unvorstellbar viel, aber letztlich doch deutlich weniger als die 1,5 Billionen Sonnenmassen, von denen bisher ausgegangen wurde.

Der neue Wert wäre immer noch deutlich höher als die ungefähre Summe der Masse der sichtbaren Materie - die zusätzliche Dunkle Materie, die für den übrigen Teil der Gravitationswirkung verantwortlich wäre, müsste aber entsprechend kleiner sein. Allerdings schließen die Forscher auch nicht aus, dass es in den Daten gewisse Ungenauigkeiten gibt. Hinzu kommt, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen könnten - hier dürfte sich also in erster Linie viel Arbeit für eine Generation kommender Astronomen ergeben.



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