Unter unseren Füßen: Deutschland hat vielversprechende Lithium-Quellen

Deutschland, Lithium-Land? Dafür ist die Bundesrepublik bisher nicht bekannt. Doch hierzulande schlummern große Vorkommen. Jetzt haben Forscher erstmals das wahre Förder-Potenzial untersucht. Deutschland kann einen relevanten Teil des Batterie-Rohstoffs selber gewinnen.
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Deutschland ist relativ reich an Lithium, der Abbau "leicht"

Alle Ideen zu einer Elektrifizierung der Fahrzeugflotte stehen und fallen mit dem Vermögen, Lithium-Ionen-Akkus herstellen zu können. Dieser Umstand macht Lithium zu einem international begehrten Rohstoff, die Forschung nach Vorkommen und Fördermöglichkeiten immer lukrativer. Deutschland haben viele in dieser Hinsicht bisher wohl noch nicht auf dem Schirm - obwohl laut Scinexx unter dem Gebiet der Bundesrepublik die größten Lithiumvorkommen Europas liegen. Großes Potenzial haben hier die heißen Tiefenwasser Norddeutschlands und des Oberrheingrabens. Wie groß? Das versucht jetzt ein Team des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) rund um den Forscher Valentin Goldberg aufzuzeigen.
Geothermie-Standorte mit Lithiumgehalten und FließratenGoldberg und sein Team zeigen: Geothermie, Lithiumgehalten & geplante Batteriefertigung
Die sehr interessante Idee, die der Studie zugrunde liegt: Bestehende Bohrungen für Geothermie-Anlagen machen die lithiumhaltigen Wasservorkommen Deutschlands schon jetzt prinzipiell zugänglich. Die Fragestellung: Wie viel Lithium könnten solche bestehenden Anlagen nach einer entsprechenden Umrüstung fördern? Goldberg und sein Team sehen wie erwartet vor allem im Oberrheingraben "günstige Bedingungen für die Li­thi­um-Ge­win­nung". Im Optimalfall könne hier mit den Anlagen jeweils bis zu 1800 Tonnen Lithium pro Jahr gefördert werden. Die Ausbeute fällt in Norddeutschland wegen einer niedrigeren Lithiumkonzentrationen deutlich geringer aus. Hier sehen die Forscher pro Anlage ein Potenzial auf eine jährliche Fördermenge von bis zu 440 Tonnen.

Vielversprechende Unsicherheit

Das Gesamtergebnis bleibt vielversprechend: Würden alle Potenziale genutzt, könnten bestehende deutsche Geothermie-Anlagen zwischen "2.600 und 4.700 Tonnen Lithiumcarbonat-Äquivalente" fördern. "Das mögliche Produktionsvolumen entspräche drei bis elf Prozent des Jahresbedarfs für die in Deutschland geplanten Batteriezellfertigungen", zitiert Scinexx die Forscher. Eines ist also klar: Mit einem gezielten weiteren Ausbau der Förderinfrastruktur könnte Lithium-Abbau in Deutschland einen relevanten Teil des Bedarfs decken.

Wie die Forscher betonen, kann ihre Arbeit aber nur als ein früher Anfang verstanden werden, auf den jetzt dringend weitere Untersuchungen folgen müssen. Thermalwasser-Vorkommen können durch ihre Struktur sehr unterschiedlich auf die Entnahme des Rohstoffs reagieren, die Techniken zur Extraktion sind ebenfalls im Entwicklungsstadium. Ob Deutschland ein Lithium-Land wird, muss sich also erst noch zeigen, das Potenzial ist aber vielversprechend.

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