Infraschall durch Windkraft: Behörde verbreitete jahrelang Rechenfehler

Wenn gegen die Errichtung neuer Windkraftanlagen argumentiert wird, führen die Kritiker immer wieder auch die Gefahren des Infraschalls ins Feld. Die dabei meist zitierte Untersuchung zum Schalldruck liefert allerdings völlig überzogene Werte. Es ist klar, dass die Energiewende deutlich beschleunigt werden muss, was auch einen schnelleren Ausbau von Solar- und Windkraft-Anlagen einschließt. Gerade gegen letztere gibt es aber immer wieder erhebliche Widerstände und auch auf politischer Ebene wurden teils Abstandsregelungen beschlossen, die im dicht besiedelten Deutschland kaum noch Plätze übrig lassen, an denen Windräder aufgestellt werden können.

Untermauert wird dies dann auch mit einer Studie aus dem Jahr 2009, deren Ergebnisse aber schon zuvor kursierten: "Der unhörbare Schall von Windkraftanlagen", herausgegeben von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die darin angegebenen Werte sind deutlich zu hoch, was die Behörde nun auch indirekt einräumt. In einem neuen Papier heißt es nun, dass "neuere wissenschaftliche Untersuchungen" einen geringeren Wert ergeben hätten.

Keine neuen Erkenntnisse

Der Wissenschaftler Stefan Holzheu von der Universität Bayreuth, der sich mit Infraschallmessungen beschäftigt, wies aber darauf hin, dass es eigentlich keine neuen Erkenntnisse gibt. Seine Kollegen und auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) hätten die Daten der BGR lediglich mit den "korrekten Rechenregeln der Akustik ausgewertet". Hinweise auf den Fehler gab es in der Vergangenheit auch schon öfters, Reaktionen aus der BGR hingegen nicht.

Angesichts der Bedeutung, die den BGR-Daten in der öffentlichen Debatte um Standorte für Windkraftanlagen beigemessen wurde, muss davon ausgegangen werden, dass das sture Festhalten an den falschen Berechnungen schon eine ganze Reihe von Windrädern verhindert hat. Die Zahl selbst hört sich gering an: Es geht um einen Unterschied von 36 Dezibel. In der Praxis macht dies aufgrund des exponentiellen Wachstums des Schalldrucks aber einen riesigen Unterschied aus. So erzeugt ein Fernseher auf Zimmerlautstärke beispielsweise rund 60 Dezibel, 36 Dezibel mehr werden hingegen von einem Presslufthammer geboten.

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