Nach Anzeige deutscher Eheleute:
Investment-Scam-Ring zerschlagen

Bei einer internationalen Aktion gegen sogenannten Anlagebetrug haben Ermittler gestern mehr als 100 Server beschlagnahmt und sieben Verdächtige festgenommen. Der Ausgangspunkt und ein Schwerpunkt der Aktion lagen in Deutschland.
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  • Ermittler beschlagnahmten hundert Server betrügerischer Handelsplattformen
  • Der entstandene Gesamtschaden beläuft sich auf über vier Millionen Euro
  • Sieben Personen wurden festgenommen und sollen nach Deutschland kommen
  • Fingierte Trading-Gewinne sollten Anleger zu hohen Überweisungen locken
  • Betroffene aus über 50 Ländern konnten ihr investiertes Geld nie abheben
  • Persönliche Daten von Nutzern wurden illegal an Callcenter weiterverkauft

Hundert Server beschlagnahmt

Die Maßnahmen fanden in mehreren europäischen Ländern statt und richteten sich gegen eine Infrastruktur, über die kriminelle Gruppen betrügerische Handelsplattformen betrieben haben sollen. Nach Schätzungen der Ermittler beläuft sich der von ihnen angerichtete Schaden auf mehr als vier Millionen Euro. Potenzielle Opfer wurden in über 50 Ländern registriert.

Die von der Staatsanwaltschaft Itzehoe geleitete Untersuchung richtete sich gegen ein Unternehmen, das mutmaßlich gefälschte Trading-Websites für kriminelle Organisationen bereitstellte. Die Infrastruktur soll mit Callcentern verbunden gewesen sein, deren Mitarbeiter Anleger dazu brachten, ihre Ersparnisse in vermeintlich lukrative Investments zu stecken.


Die Ermittler durchsuchten nun in einer grenzüberschreitenden Aktion insgesamt 17 Standorte. Neben Servern wurden weitere Beweismittel und Vermögenswerte sichergestellt. Die sieben Festgenommenen sollen nach Deutschland ausgeliefert werden.

Das Geschäftsmodell setzte auf vermeintlich hohe und schnelle Gewinne durch den Handel mit Kryptowährungen, Devisen oder Aktien. Über professionell gestaltete Plattformen wurden Anleger zunächst zu kleineren Einzahlungen verleitet. Anschließend zeigten die Benutzerkonten angebliche Gewinne an, die tatsächlich nicht existierten.

Ermittlungen über Jahre

Mit diesen fingierten Erfolgen sollten die Betroffenen zu immer größeren Überweisungen bewegt werden. Wenn Anleger ihr Geld zurückforderten, verzögerten die angeblichen Broker die Auszahlung oder verhinderten sie vollständig. Schließlich brach der Kontakt ab. Eine weitere Rolle spielte offenbar Affiliate-Marketing. Über irreführende Werbeanzeigen wurden Interessenten auf betrügerische Handelsplattformen geleitet. Die dabei erhobenen persönlichen Daten sollen anschließend an kriminelle Callcenter weiterverkauft worden sein.

Ausgangspunkt des Verfahrens war die Anzeige eines deutschen Ehepaars im Jahr 2022, das seine Einlagen nicht mehr abheben konnte. Bei internationalen Einsätzen 2022 und 2025 wurden bereits Verdächtige festgenommen und Beweismittel gesichert. Deren Auswertung führte die Ermittler schließlich zu dem mutmaßlichen Anbieter der technischen Infrastruktur sowie zu Verbindungen nach Zypern und Israel. Verdächtige Callcenter-Betreiber wurden zudem in Albanien, im Kosovo und Nordmazedonien identifiziert.

An der jüngsten Operation waren Behörden aus Albanien, Zypern, Finnland, Deutschland, Israel, Kosovo und Nordmazedonien beteiligt. Europol unterstützte die Ermittlungen mit Datenanalysen und digitaler Forensik. Eurojust koordinierte die justizielle Zusammenarbeit und die Umsetzung grenzüberschreitender Maßnahmen.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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