KI-Entlassungen: Viele Firmen müssen Personal teuer zurückholen

Künstliche Intelligenz sollte Personalkosten senken, doch zahlreiche Unternehmen rudern bereits zurück. Laut einer Studie müssen viele Firmen entlassene Fachkräfte um eine Rückkehr bitten. Algorithmen fehlt es an Empathie und Kontextwissen.
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  • In den USA wurden 2026 mehr als 120.000 Stellen wegen neuer Technik gestrichen
  • Viele Betriebe bitten zuvor wegen KI entlassene Fachkräfte um ihre Rückkehr
  • Laut einer Studie von SHL betrifft das Phänomen vor allem junge Beschäftigte
  • Algorithmen fehlen Kontextwissen, Empathie und echtes Urteilsvermögen im Job
  • Rund ein Drittel der Firmen mit KI-Stellenkürzungen stellt wieder Personal ein
  • Gekündigte Fachkräfte verlangen für eine Rückkehr meist deutlich mehr Gehalt

Voreilige Kündigungswelle

Künstliche Intelligenz sollte in vielen Unternehmen Abläufe automatisieren und Personalkosten senken. Allein in den USA wurden im Jahr 2026 mehr als 120.000 Stellen mit Verweis auf neue Technologien gestrichen. Nun zeigt sich jedoch, dass einige Betriebe den Schritt offenbar zu früh gegangen sind. Ein beträchtlicher Teil der Arbeitgeber bittet die zuvor entlassenen Fachkräfte mittlerweile um eine Rückkehr an ihren alten Arbeitsplatz.

Wie das auf Talentmanagement spezialisierte Unternehmen SHL in einer aktuellen Studie analysiert (via CNBC), ist das als AI-Rebounding bekannte Phänomen weit verbreitet. Einer Umfrage unter britischen und US-amerikanischen Angestellten zufolge wurden 16 Prozent der Befragten zunächst durch KI ersetzt und später um eine Rückkehr gebeten. Bei Beschäftigten im Alter von 18 bis 24 Jahren liegt der Anteil sogar bei 24 Prozent. Einer weiteren Analyse zufolge musste rund ein Drittel der Firmen, die Stellen wegen KI kürzten, erneut Personal einstellen.


Die Grenzen der Technik

Die Ursache für die Kehrtwende liegt im Wesen der Arbeit selbst. Algorithmen können zwar isolierte Aufgaben übernehmen, besitzen aber kein Kontextwissen und keine Empathie. Lucy Beaumont von SHL stellt fest, dass Führungskräfte den menschlichen Faktor in Bezug auf Kundenbeziehungen und Urteilsvermögen oft unterschätzen. Konzerne wie Ford und Amazon haben entsprechende Kündigungswellen aus der Vergangenheit bereits teilweise wieder rückgängig gemacht.

Der Harvard-Professor Joseph Fuller warnt davor, die Einführung solcher Systeme wie gewöhnliche Software-Updates zu behandeln. Um Geld für eine neue Technologie ausgeben zu können, suchten Unternehmen Einsparungen im Budget, und das sei bei früheren Technologieeinführungen durch Entlassungen geschehen. Der tatsächliche Nutzen entfaltet sich laut Fuller jedoch erst dann, wenn die Werkzeuge mit dem tiefen Prozesswissen erfahrener Angestellter kombiniert werden. Ohne menschliche Komponente entstehen schnell Lücken im Betriebsablauf.

Rückkehr hat ihren Preis

Für die Arbeitgeber wird der Rückzieher teuer. Die betroffenen Fachkräfte besitzen nun eine starke Verhandlungsposition. 51 Prozent der Befragten würden für eine Rückkehr eine deutliche Gehaltserhöhung verlangen. Zudem würden 42 Prozent schriftliche Garantien für ihren Arbeitsplatz fordern und 40 Prozent auf völliger Transparenz darüber bestehen, wie KI künftig in ihrem Bereich eingesetzt wird. Nur 6,6 Prozent der US-Befragten schließen eine Rückkehr kategorisch aus.

Neben den direkten Kosten für höhere Gehälter und erneutes Onboarding leiden das Betriebsklima und die Motivation. Das durch die Kündigung zerstörte Vertrauen lässt sich nur schwer wieder aufbauen. Viele Arbeitnehmer reagieren auf die ständigen Veränderungen, indem sie sich gezielt weiterbilden. 44 Prozent der US-Befragten bringen sich selbst den Umgang mit KI-Werkzeugen bei, während andere branchenspezifische Fähigkeiten, die KI nicht leicht nachbilden kann, oder soziale Fähigkeiten ausbauen.

Wurdet ihr im Job schon durch Automatisierung verdrängt? Haltet ihr die Forderungen der Rückkehrer für gerechtfertigt? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren mit uns!

Siehe auch:
Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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