KI macht Hacker schnell:
Sicherheitskrisen werden Jahre andauern

Cloudflare-Chef Matthew Prince warnt vor einer Serie von Meldungen schwerwiegender Sicherheitslücken in zentraler Internet-Software. Ereignisse wie der Release der PHP-Patches in der letzten Woche würden öfter stattfinden.
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  • Nach den PHP-Lücken sind weitere kritische Fehler in Programmen bekannt
  • Künstliche Intelligenz beschleunigt das Finden neuer Sicherheitslücken
  • Experte Prince erwartet eine längere Phase schwerer Sicherheitsprobleme
  • Jüngste Schwachstellen führten bereits zu Ausfällen diverser Webseiten
  • Wegen der weiten Verbreitung von PHP drohen weltweit erhebliche Folgen
  • Dank KI-Modellen lassen sich funktionierende Angriffe rasant entwickeln
  • Laut der EFF wurden drei Prozent aller Lücken im Oktober dokumentiert

PHP war nur der Anfang

Nach den kürzlich entdeckten PHP-Schwachstellen seien inzwischen weitere kritische Fehler in anderen Programmen bekannt, erklärte Prince gegenüber Reuters. Künstliche Intelligenz beschleunige sowohl die Suche nach bislang unbekannten Sicherheitslücken als auch deren Ausnutzung. Deshalb müsse sich die Internetbranche auf eine längere Phase mit Sicherheitsproblemen und möglichen Ausfällen einstellen.

"Ich glaube, wir werden ein paar Jahre erleben, in denen sich jede einzelne Woche anfühlen wird, als würde der Himmel einstürzen", sagte Prince. Welche Programme neben PHP betroffen sind, wollte er nicht nennen. Die jüngsten Schwachstellen hatten bereits dazu geführt, dass verschiedene Webseiten vorübergehend offline gingen. Betroffen waren unter anderem Behördenangebote, der Spiele-Shop GOG und zahlreiche kleinere Internetseiten, deren Betreiber ihre Systeme kurzfristig absichern mussten.


Die Bedeutung solcher Fehler ist erheblich: PHP kommt Schätzungen zufolge auf rund 70 Prozent aller Websites zum Einsatz. Auch zahlreiche große Angebote und Content-Management-Systeme wie WordPress basieren auf der Programmiersprache. Sicherheitslücken in solch weitverbreiteter Software können daher erhebliche Folgen haben, selbst wenn sie zunächst nur einzelne Komponenten betreffen.

Alles wird schneller

Den wesentlichen Grund für die neue Entwicklung sieht Prince in leistungsfähigen Sprachmodellen. Sicherheitsforscher und Cyberkriminelle können damit große Mengen an Quellcode automatisiert nach Schwachstellen durchsuchen. Früher erforderte diese Arbeit viel Fachwissen und Zeit. Nun lassen sich mehrere KI-Agenten parallel einsetzen, die in Sekunden oder Minuten Aufgaben erledigen, für die Spezialisten zuvor Wochen benötigten.

Das Sicherheitsunternehmen Wiz Research, das an der Entdeckung der PHP-Schwachstellen beteiligt war, beschreibt einen ähnlichen Wandel. KI-Modelle hätten es ermöglicht, funktionierende Angriffe auf verschiedene Anwendungen innerhalb weniger Stunden zu entwickeln und anzupassen. Komplexer Programmcode biete deshalb nicht mehr zwangsläufig Schutz, nur weil er für Menschen schwer zu analysieren sei.

Auch die Electronic Frontier Foundation (EFF) beobachtet eine deutliche Beschleunigung. Nach ihren Angaben entfielen allein auf diesen Oktober drei Prozent aller jemals dokumentierten Software-Schwachstellen. Nahezu ein Viertel der bekannten Sicherheitsprobleme sei im laufenden Jahr entdeckt worden. Leistungsfähige KI-Modelle machten die Suche nach sogenannten Zero-Day-Lücken sowohl in quelloffener als auch in proprietärer Software günstiger.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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