Nvidia-Chef: Wer unsichere KI baut, bekommt keine Chips mehr

Nvidia-Chef Jensen Huang will die Lieferung von KI-Chips an Unternehmen einstellen, die es nicht schaffen, sichere KI-Systeme zu entwickeln. Da es allerdings nie hundertprozentige Sicherheit gibt, dürften die Kriterien spannend sein.
Logo, Nvidia, Jensen Huang, Schriftzug, Lederjacke
  • Nvidia erwägt laut Huang Lieferstopps bei riskanten KI-Systemen der Kunden
  • Schon zuvor wurden Kundenprüfungen in Singapur, Malaysia und Japan verschärft
  • Mehr als die Hälfte der bisherigen Käufer verlor dort die Nvidia-Zulassung
  • Der Konzernchef stuft aktuelle Sicherheitsbedenken als Wachstumsschmerzen ein
  • Ein internes Team soll nun Agenten vor ihrer Nutzung auf Risiken überprüfen
  • Strenge staatliche Regulierungsmaßnahmen lehnt der Nvidia-Chef jedoch strikt ab

Es gibt bereits unerwünschte Kunden

"Es ist hypothetisch, aber ja", sagte Jensen Huang in London im Gespräch mit Bloomberg auf die Frage, ob Nvidia einem Kunden, der unsichere KI-Systeme entwickelt, die Chipversorgung entziehen würde. Zunächst würde er allerdings das Gespräch suchen. Nvidia könne nicht die Unternehmen anderer kontrollieren, betonte er. Die Technologie des Konzerns sei zudem vielseitig einsetzbar und nicht ausschließlich für problematische Anwendungen gedacht.

Dass Nvidia den Zugang zu seinen Produkten einschränkt, ist allerdings kein rein theoretisches Szenario. Bereits im vergangenen Jahr führte das Unternehmen eine Liste zugelassener Käufer in Singapur, Malaysia und Japan ein. Verschärfte Prüfverfahren führten dazu, dass mehr als die Hälfte der zuvor dort belieferten Kunden nicht mehr als zugelassene Abnehmer galten.


Huang sieht in den aktuellen Sicherheitsbedenken allerdings vor allem typische Wachstumsschmerzen einer neuen Technologie. Ein Teil der Befürchtungen sei von der Branche selbst verursacht. Seine Antwort darauf lautet, die Entwicklung von Systemen zur Eindämmung und Überwachung von KI zu beschleunigen. Künstliche Intelligenz könne dabei selbst als Kontrollinstrument dienen.

Keine Regulierung!

Nvidia baut deshalb ein eigenes Team auf, das KI-Agenten vor ihrem Einsatz auf Sicherheitsrisiken prüfen soll. Nach Huangs Einschätzung ist inzwischen weniger ihre technische Leistungsfähigkeit das Problem als vielmehr das Vertrauen der Unternehmen in einen sicheren Betrieb.

Was Huang aber ablehnt, ist eine staatliche Regulierung des Sektors. Er hatte bereits im vergangenen Monat bei der Konferenz Dreamforce erklärt, neue Gesetze seien nicht notwendig. Unternehmen sollten laut dem Nvidia-Chef die Entwicklung vorantreiben und lediglich dann innehalten, wenn ein Produkt unsicher werde. Damit widerspricht er unter anderem Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, der sich für eine branchenweite Verlangsamung und gemeinsame Sicherheitsstandards ausgesprochen hatte.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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