Weil Kunden fliehen: Mitarbeiter demoralisiert, wollen Flock verlassen

Der US-Anbieter für Überwachungstechnik Flock Safety bietet seinen Angestellten ein freiwilliges Abfindungsprogramm an. Der Konzern reagiert damit auf massive Kritik, Datenschutzskandale und gekündigte Verträge durch viele amerikanische Städte.
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Flock Safety

    Flock Safety baut Personal ab

    Der US-amerikanische Überwachungstechnikanbieter Flock Safety hat ein Programm für freiwillige Abfindungen gestartet. Bis Anfang Oktober 2026 können die rund 1500 Angestellten entscheiden, ob sie das Unternehmen gegen eine finanzielle Entschädigung verlassen möchten. Das Management reagiert auf schwindende Aufträge und wachsende öffentliche Kritik an den automatisierten Kennzeichen-Scannern.

    Zahlreiche US-Gemeinden haben in den vergangenen Monaten Verträge mit dem Anbieter gekündigt. Allein im August beendeten über 90 Städte und Landkreise die Zusammenarbeit. Grund dafür sind anhaltende Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes sowie ein vielfach nachgewiesener Missbrauch der Systeme.


    So nutzten Polizisten die Software mehrfach u. a. unrechtmäßig, um ehemalige Partnerinnen zu überwachen. Neben dem Stalking durch Beamte kam es auch zu unrechtmäßigen Festnahmen, weil die Künstliche Intelligenz der Kameras Nummernschilder falsch auslas. Solche Vorfälle verstärken den Druck auf das Management.

    Kritik an Überwachung wächst

    Wie Wired unter Berufung auf interne E-Mails berichtet, rechnet die Führungsebene mit großem Interesse an dem Ausstiegsprogramm. Die Konditionen umfassen Zahlungen in Höhe von Zehntausenden Dollar, eine monatelange Fortzahlung der Krankenversicherung sowie verlängerte Fristen für Aktienoptionen. Ohne das freiwillige Programm wären Entlassungen wohl unumgänglich gewesen.

    Die anhaltende öffentliche Debatte belastet die Stimmung innerhalb der Belegschaft. CEO Garrett Langley bestätigte kürzlich in einem Podcast (via Neowin), dass die interne Moral stark unter den Vorwürfen leide. Mitarbeiter seien zunehmend frustriert über die negative Wahrnehmung in sozialen Netzwerken - und sind entsprechend auch interessiert, dem Unternehmen den Rücken zuzukehren. Hinzu kommen finanzielle Belastungen durch Vandalismus an den Kamerasystemen.

    Finanzielle Lage unklar

    Das im Jahr 2017 gegründete Startup sammelte bisher rund 1,2 Milliarden Dollar (etwa 1,04 Milliarden Euro) an Risikokapital ein. Bei einer Finanzierungsrunde im April wurde der Unternehmenswert noch auf acht Milliarden Dollar (etwa sieben Milliarden Euro) geschätzt. Die aktuellen Entwicklungen könnten jedoch dazu führen, dass Umsatzziele verfehlt werden.

    Trotz der Widerstände entwickelt der Konzern neue Produkte, die über die reine Kennzeichenerfassung hinausgehen. Dazu gehört Software zur Identifizierung von Fahrern und zur Analyse von Bewegungsmustern. Ob solche Anwendungen die Sympathiewerte des Unternehmens steigern werden, darf aber durchaus hinterfragt werden.

    Wie bewertet ihr den Einsatz solcher Kamerasysteme im öffentlichen Raum? Teilt eure Gedanken und Bedenken gerne mit uns in den Kommentaren!

    Was erfassen Flock-Kameras wirklich?
    Offiziell handelt es sich um Kennzeichenleser (ALPR). Hacker haben jedoch gezeigt, dass die Kameras auch Personen, Fahrräder und Details wie Autoaufkleber erfassen. Ein System generiert oft bis zu 28 Bilder pro vorbeifahrendem Fahrzeug.

    Für IT-Profis bedeutet das: Die Überwachung geht weit über Metadaten von Autos hinaus. Angeblich soll die Software sogar spezifische Aufnäher auf Kleidung erkennen können, was tiefgreifende Datenschutzprobleme mit sich bringt.
    Wer hat Zugriff auf diese Daten?
    Die Daten landen in einer zentralen Cloud und werden oft in einem landesweiten Netzwerk geteilt. Selbst wenn Städte wie Boston die Weitergabe vertraglich ausschließen, sollen Daten laut Berichten dennoch an externe Behörden geflossen sein.

    Das zeigt ein klassisches IT-Compliance-Problem: Verträge allein verhindern keinen Datenabfluss. Behörden nutzen die Systeme teils für fachfremde Abfragen, weshalb Datenschützer striktere Zugriffskontrollen und Audits fordern.
    Wie sicher sind die Kamera-Daten?
    Der Hersteller wirbt mit lokaler Verschlüsselung. Eine Hackergruppe namens stegan0gram konnte jedoch den Verschlüsselungs-Key direkt aus einer unverschlüsselten Partition der Hardware auslesen und so die Daten entschlüsseln.

    Für IT-Administratoren ist dies ein bekanntes Risiko bei Edge-Geräten: Physischer Zugriff führt oft zur Kompromittierung.
    Werden Gesichter auch erkannt?
    Bislang gibt es keine Beweise für eine aktive Gesichtserkennung. Analysen der geleakten Software zeigten zwar Standard-Android-Funktionen zur Gesichtserkennung, diese waren jedoch nicht aktiviert oder im Einsatz.

    Dennoch bleibt Wachsamkeit geboten. Da die Kameras Personen als Objekte erfassen und hochauflösende Bilder in die Cloud senden, wäre eine nachträgliche biometrische Auswertung auf den Servern theoretisch jederzeit nachrüstbar.
    Findet die Analyse lokal statt?
    Nein, die Kameras fungieren hauptsächlich als intelligente Sensoren. Sie erkennen Bewegungen, passen die Belichtung an und schneiden relevante Bildbereiche aus. Die eigentliche Auswertung der Kennzeichen passiert in der Cloud.

    Dieses Architekturmodell spart zwar lokale Rechenleistung, erzeugt aber enorme Datenströme über Mobilfunknetze. In einem Testzeitraum von 21 Tagen soll eine einzige Kamera rund 1,6 Millionen Bilder an die Server gesendet haben.
    Wie gelang der Hack der Kameras?
    Die Hacker demontierten eine Kamera physisch und führten ein Reverse Engineering der Hardware durch. Dabei griffen sie auf das Android-basierte Betriebssystem zu und fanden unverschlüsselte Partitionen wie "vendor" und "media".

    Der Hersteller spielt das Risiko herunter, da physischer Zugriff nötig sei. Aus IT-Sicht zeigt dieser Vorfall jedoch, dass IoT-Geräte im öffentlichen Raum ohne manipulationssichere Hardware extrem verwundbar sind.
    Gibt es Schutz vor der Erfassung?
    Technisch ist es für Endanwender kaum möglich, sich der Erfassung im öffentlichen Raum zu entziehen. Die Kameras arbeiten passiv und erfassen alles, was in ihr Sichtfeld gerät - unabhängig davon, ob man ein Fahrzeug führt oder nicht.

    Zusammenfassung
    • Flock Safety bietet Personal finanzielle Abfindungen zum Abschied an
    • Zahlreiche US-Gemeinden kündigen Verträge mit dem Überwachungsanbieter
    • Missbrauch durch Beamte und fehlerhafte Erkennungen sorgen für Kritik
    • Freiwilliges Ausstiegsprogramm soll drohende Entlassungen abwenden
    • Schlechte Stimmung im Team und Vandalismus belasten das Unternehmen
    • Flock entwickelt trotz Gegenwinds Software zur Fahrererfassung weiter

    Siehe auch:


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