35 Mio. Euro: Nintendo zahlt hohe Strafe wegen Joy-Con-Drift der Switch

Wegen des Joy-Con-Drifts bei den Controllern der Switch zahlt Nintendo in Europa jetzt eine Millionenstrafe. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Kunden zu lange über die technischen Mängel im Unklaren gelassen. Die Japaner bestreiten jedoch Absicht.
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Teurer Controller-Fehler

Wenn Nintendo vor Gericht erscheint, sind die Japaner für gewöhnlich in der Position des Klägers. Neben Emulatoren auf GitHub, einem aktuellen WWE-Wrestling-Champion und der US-Regierung werden immer wieder Parteien aufgrund von Urheberrechtsverletzungen oder anderen vermeintlichen Vergehen verklagt. In einem aktuellen Fall steht der Unterhaltungskonzern jetzt aber auf der anderen Seite.

So muss Nintendo eine Strafzahlung in Höhe von 35 Millionen Euro leisten. Grund für das Bußgeld, das im Rahmen eines Vergleichs festgelegt wurde, ist der berühmt-berüchtigte Joy-Con-Drift bei den originalen Switch-Konsolen. Zwischen 2018 und 2023 habe das Unternehmen europäische Verbraucher nicht ausreichend über bekannte technische Mängel informiert, so die Begründung.


Zu späte Reaktion

Das Drift-Problem äußert sich durch fehlerhafte Eingaben über die Joysticks der Controller. Ursache dafür sind schnell auftretende Verschleißerscheinungen an den internen Bauteilen und feine Schmutzablagerungen auf den Sensoren. Reparatur-Experten gehen davon aus, dass bis zu 40 Prozent der ursprünglichen Controller der Switch von dem Defekt betroffen sind.

Die jetzige Strafe ist das Ergebnis einer Untersuchung, die nach einer Beschwerde einer Verbraucherschutzorganisation aus dem Jahr 2020 ins Rollen kam. Der Verband äußerte damals den Verdacht der geplanten Obsoleszenz. Wie die französische Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherangelegenheiten und Betrugsbekämpfung DGCCRF in ihrer offiziellen Mitteilung erklärt, habe der Hersteller bereits 2018 von den fehlerhaften Bauteilen gewusst. Die offizielle Kommunikation mit den Kunden startete jedoch erst zwei Jahre später. Das Schweigen habe Käufer davon abgehalten, den bereitgestellten Service für kostenfreie Reparaturen zu kontaktieren. Nintendo SwitchDie Joy-Cons der Switch sind anfällig für Drift

Nintendo verteidigt sich

Obwohl Nintendo of Europe der Zahlung des Bußgeldes zugestimmt hat, weist der Konzern den Vorwurf der absichtlichen Täuschung entschieden zurück. Der Vergleich stelle laut dem Unternehmen kein Schuldeingeständnis dar, sondern diene lediglich der raschen und gütlichen Einigung.

Neben der Zahlung verpflichtet sich Nintendo zudem, defekte Controller auch außerhalb der regulären Garantiezeit europaweit kostenfrei zu reparieren. Die zahlreichen Ausfälle stellten externe Werkstätten in der Vergangenheit vor große Herausforderungen. Berichten zufolge trafen bei europäischen Subunternehmern zeitweise wöchentlich viele Tausend defekte Einheiten ein. Die Logistik hinter den Kulissen stieß dabei oft an ihre Grenzen.

Blick auf die Nachfolgekonsole

Während eine Sammelklage in den USA im Jahr 2024 abgewiesen wurde, ist die aktuelle Strafe in Europa ein empfindlicher Schlag für den Konsolenhersteller. Bei der im Juni 2025 erschienenen Switch 2 scheinen die Controller bisher fehlerfrei zu arbeiten. Das neue Design der Joysticks unterscheidet sich äußerlich leicht von den Vorgängermodellen.

Hardware-Ingenieure geben allerdings zu bedenken, dass in den neuen Eingabegeräten eine ähnliche Technologie zum Einsatz kommt wie bei den Originalen. Ob das Problem bei der aktuellen Konsolengeneration also endgültig behoben ist, werden erst die kommenden Jahre zeigen. Erste Tests deuten jedoch auf eine robustere Verarbeitung der Verschleißteile hin.

Seid ihr in der Vergangenheit selbst vom Joy-Con-Drift betroffen gewesen? Habt ihr den Reparaturservice in Anspruch genommen oder direkt neu gekauft? Teilt eure Erfahrungen gerne mit uns in den Kommentaren.
Zusammenfassung
  • Nintendo muss wegen des Joy-Con-Drifts 35 Millionen Euro an Bußgeld zahlen
  • Das Unternehmen informierte Kunden zu spät über bekannte Hardwaremängel
  • Schätzungsweise 40 Prozent der Switch-Controller weisen Defekte auf
  • Eine französische Behörde leitete das Verfahren nach einer Beschwerde ein
  • Europaweit bietet die Firma nun kostenlose Reparaturen für Controller an
  • Der Konzern weist trotz der Zahlung den Vorwurf bewusster Täuschung zurück

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