Grund gegen Mond-Raumstation:
Lunar Gateway rostet schon vorm Start

Das Mondraumstations-Projekt "Lunar Gateway" der US-Raumfahrtbehörde NASA ist offenbar nicht nur aus strategischen Gründen gestoppt worden. Das bereits im Bau befindliche System hätte ohnehin nicht starten können, weil es rostet.
Wissenschaft, Mond, Mondlandung, Mondmission
Public Domain

Nicht nur strategische Überlegungen

Nach Angaben von NASA-Chef Jared Isaacman litten ausgerechnet die beiden zentralen Wohnmodule der geplanten Station unter Korrosion, ein Problem, das den Zeitplan wohl um Jahre zurückgeworfen hätte, wie das US-Magazin Ars Technica berichtet. Das Lunar Gateway sollte ursprünglich als bemannte Raumstation in einer Umlaufbahn um den Mond entstehen. Die NASA bewarb das Projekt über Jahre als Sprungbrett für Mondmissionen und als Testfeld für Technologien, die später auch für Reisen in den tiefen Weltraum benötigt würden.

Der Zeitplan war zuletzt schon ordentlich aus den Fugen geraten: Der erste Baustein war zunächst für 2022 vorgesehen. Später plante die NASA, das Energie- und Antriebsmodul gemeinsam mit dem Wohn- und Versorgungsmodul HALO im Jahr 2024 zu starten. Hinzukommen sollte 2026 das internationale Wohnmodul I-HAB. Keiner dieser Termine konnte eingehalten werden.


Bereits im März hatte Isaacman erklärt, das Projekt werde "pausiert", damit sich die NASA stärker auf Landungen und Infrastruktur direkt auf der Mondoberfläche konzentrieren könne. Nun wurde im Wissenschaftsausschuss des US-Repräsentantenhauses ein weiterer Grund öffentlich: Sowohl HALO als auch I-HAB seien von Korrosion betroffen gewesen.

Isaacman sprach von den einzigen beiden bereits gelieferten bewohnbaren Modulen, die "beide korrodiert" gewesen seien. Nach seinen Worten hätte dies die Einsatzfähigkeit des Projekts wahrscheinlich auf die Zeit nach 2030 verschoben. Der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman, Hauptauftragnehmer für HALO, bestätigte inzwischen Reparaturarbeiten. Man behebe eine "Unregelmäßigkeit im Fertigungsprozess" mit von NASA genehmigten Verfahren. Das Modul könne weiterhin für andere Missionen genutzt werden und eigne sich auch als Habitat für eine künftige Mondbasis.

Ist Europa schuld?

Als möglicher Ursprung des Problems gilt die Fertigung der Grundstruktur durch den europäischen Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space. Das Unternehmen baute bereits mehrere Druckmodule für die Internationale Raumstation ISS und war auch an weiteren Gateway-Komponenten beteiligt. Eine direkte Stellungnahme blieb zunächst aus.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA erklärte hingegen, erste Untersuchungen deuteten auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren hin, darunter Schmiedeprozesse, Oberflächenbehandlung und Materialeigenschaften. Das Problem sei technisch beherrschbar gewesen und habe beim I-HAB-Modul weniger schwer gewogen als bei HALO. Unklar bleibt nun, wie es mit den europäischen Beiträgen weitergeht. Während die NASA offenbar stärker auf eine Mondbasis setzt, müssen internationale Partner entscheiden, ob sie sich an diesem neuen Kurs beteiligen.

Zusammenfassung
  • Lunar Gateway wurde gestoppt, da beide Wohnmodule unter Korrosion litten
  • NASA-Chef Isaacman nannte Rost an den gelieferten Modulen als Hauptgrund
  • Der Zeitplan war bereits mehrfach verschoben worden, zuletzt auf 2026
  • Korrosion hätte die Einsatzfähigkeit wohl erst nach 2030 ermöglicht
  • Northrop Grumman bestätigte Reparaturen wegen Fertigungsunregelmäßigkeit
  • Thales Alenia Space gilt als möglicher Ursprung des Korrosionsproblems
  • Die NASA setzt künftig stärker auf Infrastruktur auf der Mondoberfläche

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