Dramatische Erkenntnis: Pandemien erfordern nicht erst Mutationen
Eine neue Forschungsarbeit stellt zentrale Annahmen über die Entstehung von Pandemien infrage: Viele gefährliche Viren waren vor ihrem Sprung auf den Menschen ziemlich unspektakulär und machten keine nennenswerten Mutationen durch.
Für ihre Analyse wertete das Team die Genome verschiedener Viren aus, darunter Influenza A, Ebola, Marburg, Mpox sowie die Coronaviren SARS-CoV und SARS-CoV-2. Mithilfe phylogenetischer Methoden untersuchten sie, wie sich der Selektionsdruck auf die Viren in unterschiedlichen Phasen entwickelte: in tierischen Wirten, kurz vor dem Übersprung auf den Menschen und zu Beginn menschlicher Ausbrüche. Das Ergebnis: Vor dem sogenannten Spillover gab es keine auffälligen evolutionären Signale, die auf eine besondere Vorbereitung auf einen Übersprung hindeuteten.
Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist heikel: Wenn Viren keine seltenen, komplexen Mutationen benötigen, um Menschen zu infizieren, steigt das Risiko für neue Ausbrüche deutlich. Denn dann genügt es bereits, dass Menschen häufiger mit einer großen Vielfalt tierischer Viren in Berührung kommen. Das kann durch intensive Landwirtschaft, Wildtierhandel oder das Eindringen in natürliche Lebensräume von Tieren der Fall sein.
Die Studie liefert zudem Argumente in der Debatte um den Ursprung von COVID-19. Laut den Forschenden gibt es keine Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 vor seinem Auftreten im Labor gezielt verändert wurde oder sich über längere Zeit in einem Zwischenwirt angepasst hat. Vielmehr entspreche der Beginn der Pandemie dem typischen Muster eines natürlichen zoonotischen Ereignisses.
Insgesamt unterstreicht die Studie, dass der Schlüssel zur Vermeidung zukünftiger Pandemien weniger in der Suche nach "besonders gefährlichen" Viren liegt, sondern in der Reduzierung riskanter Kontakte zwischen Mensch und Tier. Verbesserte Überwachung, Schutz von Ökosystemen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Wildtieren könnten demnach entscheidend sein, um neue globale Ausbrüche zu verhindern.
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Anpassung eher nach dem Übersprung
Die Untersuchung zeigt, dass zahlreiche zoonotische Viren, also Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen, bereits lange existierten, ohne besondere evolutionäre Anpassungen aufzuweisen. Erst nachdem sie begonnen hatten, sich unter Menschen zu verbreiten, ließen sich Veränderungen im Erbgut feststellen. Damit widersprechen die Forschenden der verbreiteten Vorstellung, solche Viren müssten sich zunächst gezielt an den Menschen anpassen, bevor sie gefährlich werden.Für ihre Analyse wertete das Team die Genome verschiedener Viren aus, darunter Influenza A, Ebola, Marburg, Mpox sowie die Coronaviren SARS-CoV und SARS-CoV-2. Mithilfe phylogenetischer Methoden untersuchten sie, wie sich der Selektionsdruck auf die Viren in unterschiedlichen Phasen entwickelte: in tierischen Wirten, kurz vor dem Übersprung auf den Menschen und zu Beginn menschlicher Ausbrüche. Das Ergebnis: Vor dem sogenannten Spillover gab es keine auffälligen evolutionären Signale, die auf eine besondere Vorbereitung auf einen Übersprung hindeuteten.
Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist heikel: Wenn Viren keine seltenen, komplexen Mutationen benötigen, um Menschen zu infizieren, steigt das Risiko für neue Ausbrüche deutlich. Denn dann genügt es bereits, dass Menschen häufiger mit einer großen Vielfalt tierischer Viren in Berührung kommen. Das kann durch intensive Landwirtschaft, Wildtierhandel oder das Eindringen in natürliche Lebensräume von Tieren der Fall sein.
Die Studie liefert zudem Argumente in der Debatte um den Ursprung von COVID-19. Laut den Forschenden gibt es keine Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 vor seinem Auftreten im Labor gezielt verändert wurde oder sich über längere Zeit in einem Zwischenwirt angepasst hat. Vielmehr entspreche der Beginn der Pandemie dem typischen Muster eines natürlichen zoonotischen Ereignisses.
Das hat Konsequenzen
Allerdings fanden die Wissenschaftler bei einer anderen Pandemie Hinweise auf einen möglichen Laborursprung: die Wiederkehr des H1N1-Influenzavirus im Jahr 1977. Genetische Analysen deuten darauf hin, dass dieser Stamm eher unter Laborbedingungen als in der Natur in seine problematische Form gelangt sein könnte.Insgesamt unterstreicht die Studie, dass der Schlüssel zur Vermeidung zukünftiger Pandemien weniger in der Suche nach "besonders gefährlichen" Viren liegt, sondern in der Reduzierung riskanter Kontakte zwischen Mensch und Tier. Verbesserte Überwachung, Schutz von Ökosystemen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Wildtieren könnten demnach entscheidend sein, um neue globale Ausbrüche zu verhindern.
Zusammenfassung
- Viele Viren sprangen ohne nennenswerte Mutationen auf den Menschen über
- Erst nach dem Übersprung zeigten sich Veränderungen im Viruserbgut
- Analysiert wurden unter anderem Influenza A, Ebola, SARS-CoV und Mpox
- Häufiger Kontakt mit Tierviren erhöht das Risiko neuer Pandemien stark
- Landwirtschaft und Wildtierhandel begünstigen gefährliche Virussprünge
- Keine Hinweise auf gezielte Laborveränderung von SARS-CoV-2 gefunden
- H1N1-Rückkehr von 1977 deutet hingegen auf einen Laborursprung hin
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