Polarlichter über Deutschland:
So gelingen perfekte (iPhone-) Fotos

Rotes und grünes Leuchten, gestörte GPS-Signale und überforderte Kamerasensoren: Der aktuelle Sonnensturm zeigt sich mit massiven Auswirkungen am Nachthimmel. Mit den richtigen Tipps gelingen euch beeindruckende Fotos.
Polarlichter, Nordlichter, Aurora Borealis

G4-Sturm: Sichtungen bis zu den Alpen

Ein massiver koronaler Massenauswurf (CME) der Sonne hat in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 2026 die Erde erreicht und einen geomagnetischen Sturm der Klasse G4 ausgelöst. Dies entspricht der zweithöchsten Warnstufe auf der Skala der US-Wetterbehörde NOAA und markiert das intensivste Ereignis dieser Art seit zwei Jahrzehnten.

Auslöser war eine Sonneneruption der Klasse X1.9, die sich erst einen Tag zuvor ereignet hatte. Die geladenen Teilchen legten die Distanz zur Erde in rekordverdächtiger Geschwindigkeit zurück, was dazu führte, dass Polarlichter (Aurora Borealis) weit südlich ihrer üblichen Verbreitungsgebiete sichtbar waren. Beobachtungen reichten von Norddeutschland bis hinunter zu den Alpen sowie in den USA bis nach New Mexico.

Buntes Leuchten am Himmel - was bedeutet das?

Das Leuchten entsteht, wenn Sonnenwindpartikel auf die Erdatmosphäre treffen und dort Gasmoleküle zum Leuchten anregen. Die Farben geben dabei Aufschluss über die Höhe und das beteiligte Gas: Sauerstoff in großen Höhen (über 200 Kilometer) erzeugt rotes Licht, während Sauerstoff in niedrigeren Höhen (100 bis 150 Kilometer) das bekannte Grün emittiert.

Stickstoff hingegen sorgt für violette oder blaue Töne. Während das menschliche Auge diese Nuancen in südlichen Breitengraden oft nur als graue Schleier wahrnimmt, da die Stäbchenzellen der Netzhaut nachts kaum Farben registrieren, können moderne Kamerasensoren durch längere Belichtungszeiten das volle Spektrum einfangen.

iPhone-Setup für perfekte Bilder

Wer das Naturschauspiel digital festhalten möchte, muss sich von der Schnappschuss-Automatik verabschieden und tiefer in die Einstellungen von iOS 26 eintauchen.

Wie AppleInsider in einem aktuellen Beitrag ausführt, sind Stabilität und die korrekte Nutzung des RAW-Formats entscheidend. Da es sich um Low-Light-Fotografie handelt, ist ein Stativ oder eine feste Ablagefläche unerlässlich, um Bewegungsunschärfe während der Belichtung zu vermeiden. Für Nutzer von aktuellen iPhones empfehlen sich folgende Schritte für optimale Ergebnisse:

  • Formatwahl: Aktivieren Sie im Kameramenü die Aufnahme in Apple ProRAW mit der maximal verfügbaren Auflösung. Dies speichert unkomprimierte Sensordaten mit einer höheren Farbtiefe, was für die nachträgliche Bildbearbeitung und das Herausholen von Details aus dunklen Himmelspartien essenziell ist.
  • Nachtmodus: Der Nachtmodus sollte nicht auf "Auto", sondern manuell auf "Max" gestellt werden. Dies maximiert die Belichtungszeit basierend auf der vom Gyrosensor erkannten Stabilität des Geräts. Auf einem Stativ sind so Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden möglich.
  • Fokus und Belichtung: Der Autofokus versagt oft bei kontrastarmem, dunklem Himmel. Tippen Sie auf einen hellen Stern, um manuell zu fokussieren, und sperren Sie den Fokus (AE/AF-Sperre). Korrigieren Sie anschließend die Belichtung leicht nach unten, um das Bildrauschen in den schwarzen Bereichen zu minimieren.
  • Blitz: Deaktivieren Sie den Blitz zwingend. Er hellt nur den unmittelbaren Vordergrund auf, zerstört aber die Lichtstimmung der Atmosphäre und lässt den Hintergrund schwarz erscheinen.

Die Prognose

Die Chancen, das Spektakel in der kommenden Nacht erneut zu erleben, stehen nun aber je nach Standort gemischt bis schlecht. Während Space.com darauf hinweist, dass die geomagnetischen Bedingungen weiterhin unruhig seien und theoretisch weitere Sichtungen ermöglichen könnten, dämpfen deutsche Experten die Erwartungen. Der Astrophysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen erklärte gegenüber der Mopo, dass kein weiterer Sonnensturm auf dem Weg zur Erde sei. Die entscheidenden Messwerte würden bereits fallen. Auch das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum bestätigte, dass die Aktivität voraussichtlich deutlich zurückgehen werde.

Problem für die Technik auf der Erde

Neben den optischen Effekten haben geomagnetische Stürme dieser Stärke Relevanz für die IT-Infrastruktur. Die NOAA warnte vor möglichen Beeinträchtigungen von GPS-Systemen und Hochfrequenzfunk, da die Ionosphäre durch den Sturm stark aufgeladen wird.

Dies kann zu Signalverzögerungen führen, die Positionierungsfehler im Meterbereich verursachen. Bislang scheint die kritische Infrastruktur jedoch stabil geblieben zu sein. Nach Informationen der Mopo verzeichnete die europäische Raumfahrtbehörde ESA nach ersten Erkenntnissen keine Ausfälle bei ihren Satelliten, obwohl die erhöhte atmosphärische Reibung ("Atmospheric Drag") bei Objekten in niedrigen Umlaufbahnen Bahnkorrekturen erforderlich machen kann. IT-Profis sollten bei GNSS-abhängigen Anwendungen in den nächsten Stunden dennoch eine erhöhte Fehlertoleranz einkalkulieren.

Habt ihr in der vergangenen Nacht Polarlichter sichten oder sogar fotografieren können? Teilt eure Erfahrungen und besten Kamera-Einstellungen gerne mit uns und der Community in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Massiver Sonnensturm löst am 19. und 20. Januar 2026 Polarlichter aus
  • Geomagnetischer Sturm der Klasse G4 ist stärkstes Ereignis seit 20 Jahren
  • Sonneneruption X1.9 verursachte ungewöhnlich schnellen Teilchenfluss zur Erde
  • Polarlichter waren bis in die Alpen und im südlichen USA sichtbar
  • Beeinträchtigungen bei GPS und Hochfrequenzfunk durch Ionosphärenaufladung
  • ESA meldet keine Satellitenausfälle trotz erhöhter atmosphärischer Reibung
  • Fotografen können ihre Erfahrungen und Kameraeinstellungen teilen

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