Mesa 26.0: 23 Jahre alte ATI-Radeon-Grafikkarten erhalten neue Treiber
Wer glaubt, dass Support-Zyklen in der IT zwingend nach wenigen Jahren enden, wird unter Linux immer wieder eines Besseren belehrt. Denn für über 20 Jahre alte ATI-Radeon-Grafikkarten ist jetzt überraschend ein weiteres Treiber-Update erschienen.
So hat der Mesa-Grafikstack nun ein Update erhalten, das die Unterstützung für die genannten Radeon-Modelle verbessert. Die Chipsätze, die teils vor rund 23 Jahren auf den Markt kamen, profitieren von einer Fehlerbehebung für ein Problem, das ursprünglich erst bei deutlich moderneren Architekturen gelöst wurde.
Das Update konzentriert sich auf das sogenannte "Pop-free Clipping" innerhalb des R300-Gallium3D-Treibers. Dieser Treiber ist für die Ansteuerung von Grafikchips zuständig, die von der klassischen Radeon 9000-Serie bis hin zur Radeon X1000-Serie reichen. Der Community-Entwickler Pavel Ondračka hat Code implementiert, der sicherstellt, dass Grafikprimitive - also geometrische Grundformen wie Dreiecke oder Linien - korrekt verarbeitet werden, wenn sie die Grenzen des sichtbaren Bildbereichs überschreiten. Ohne diese Funktion wurden Objekte, die den Bildrand berührten, unter Umständen komplett verworfen, was zu einem visuellen Flackern oder ihrem plötzlichen Verschwinden führte.
Durch diese Implementierung bestehen die betroffenen Karten nun eine Reihe von "dEQP OpenGL ES 2"-Tests, bei denen sie zuvor versagten. Das erhöht zwar nicht die Rohleistung der antiken Hardware, verbessert aber die Darstellungsqualität und Stabilität in entsprechenden Anwendungen. Für Retro-Enthusiasten ist das relevant, da die R300-Architektur als erste vollständig DirectX-9-fähige Hardware gilt. Besonders die Radeon 9700 Pro, veröffentlicht im Jahr 2002, genießt bis heute Legendenstatus, da sie mit ihrem 256-Bit-Speicherinterface die Konkurrenz damals deutlich distanzierte.
Die Anpassungen zeigen, dass die Pflege von Legacy-Code im Linux-Umfeld weiterhin einen festen Platz hat, auch wenn sie für den Massenmarkt kaum noch Relevanz besitzt. Für Besitzer entsprechender Retro-Hardware bedeutet das jedoch, dass ihre fast ein Vierteljahrhundert alten Komponenten weiterhin funktional unter modernen Linux-Distributionen betrieben werden können.
Habt ihr noch funktionierende Hardware aus der Radeon-9000-Ära in euren Schubladen liegen? Oder betreibt ihr sogar noch ein entsprechendes Retro-System mit modernem Linux? Schreibt es uns in die Kommentare!
Siehe auch:
Treiberpflege für Retro-Hardware
Linux ist durchaus bekannt dafür, alte Hardware mit neuen Treibern zu unterstützen. Das zeigte sich erst kürzlich mit der Kernel-Integration einer 53 Jahre alten Schnittstelle. Linux 6.19 bescherte mit dem Wechsel auf den AMDGPU-Kernel-Treiber alten Radeon-GPUs kürzlich zudem bis zu 30 Prozent mehr Leistung. Und schon im Sommer gab es für noch ältere Grafikkarten von ATI ein Update. Jetzt dürfen sich Besitzer von R300-, R400- und R500-GPUs erneut über Verbesserungen freuen.So hat der Mesa-Grafikstack nun ein Update erhalten, das die Unterstützung für die genannten Radeon-Modelle verbessert. Die Chipsätze, die teils vor rund 23 Jahren auf den Markt kamen, profitieren von einer Fehlerbehebung für ein Problem, das ursprünglich erst bei deutlich moderneren Architekturen gelöst wurde.
Das Update konzentriert sich auf das sogenannte "Pop-free Clipping" innerhalb des R300-Gallium3D-Treibers. Dieser Treiber ist für die Ansteuerung von Grafikchips zuständig, die von der klassischen Radeon 9000-Serie bis hin zur Radeon X1000-Serie reichen. Der Community-Entwickler Pavel Ondračka hat Code implementiert, der sicherstellt, dass Grafikprimitive - also geometrische Grundformen wie Dreiecke oder Linien - korrekt verarbeitet werden, wenn sie die Grenzen des sichtbaren Bildbereichs überschreiten. Ohne diese Funktion wurden Objekte, die den Bildrand berührten, unter Umständen komplett verworfen, was zu einem visuellen Flackern oder ihrem plötzlichen Verschwinden führte.
Code-Transfer von neuen Architekturen
Die technische Umsetzung dieses Fixes zeigt die Effizienz innerhalb offener Treiber-Modelle. Wie Phoronix berichtet, basiert der neue Code nicht auf einer kompletten Neuentwicklung. Stattdessen greift er auf Arbeiten zurück, die zuvor für den R600-Treiber (Radeon HD 2000 bis HD 6000 Serie) adaptiert wurden. Diese wiederum stammten ursprünglich aus dem modernen RadeonSI-Treiber, der aktuelle AMD-Grafikkarten auf Basis der GCN-Architektur und neuer steuert. Es handelt sich also um einen Technologietransfer über mehrere Hardware-Generationen hinweg rückwärts in die Vergangenheit.Durch diese Implementierung bestehen die betroffenen Karten nun eine Reihe von "dEQP OpenGL ES 2"-Tests, bei denen sie zuvor versagten. Das erhöht zwar nicht die Rohleistung der antiken Hardware, verbessert aber die Darstellungsqualität und Stabilität in entsprechenden Anwendungen. Für Retro-Enthusiasten ist das relevant, da die R300-Architektur als erste vollständig DirectX-9-fähige Hardware gilt. Besonders die Radeon 9700 Pro, veröffentlicht im Jahr 2002, genießt bis heute Legendenstatus, da sie mit ihrem 256-Bit-Speicherinterface die Konkurrenz damals deutlich distanzierte.
Nostalgie trifft auf moderne Kernel
Die jetzigen Änderungen wurden kürzlich in den Hauptzweig von Mesa eingebunden und sollen Teil der Version Mesa 26.0 sein, deren Veröffentlichung für das erste Quartal 2026 geplant ist. Auch die R500-Chips (Radeon X1000 Serie), die kurz vor der Übernahme von ATI durch AMD erschienen, profitieren davon. Diese Chips waren die letzten mit getrennten Pixel- und Vertex-Shadern, bevor AMD mit der TeraScale-Architektur auf Unified Shader umstieg.Die Anpassungen zeigen, dass die Pflege von Legacy-Code im Linux-Umfeld weiterhin einen festen Platz hat, auch wenn sie für den Massenmarkt kaum noch Relevanz besitzt. Für Besitzer entsprechender Retro-Hardware bedeutet das jedoch, dass ihre fast ein Vierteljahrhundert alten Komponenten weiterhin funktional unter modernen Linux-Distributionen betrieben werden können.
Habt ihr noch funktionierende Hardware aus der Radeon-9000-Ära in euren Schubladen liegen? Oder betreibt ihr sogar noch ein entsprechendes Retro-System mit modernem Linux? Schreibt es uns in die Kommentare!
Zusammenfassung
- Linux erhält Treiberupdate für über 20 Jahre alte ATI-Radeon-Grafikkarten
- Mesa-Grafikstack verbessert Support für R300-, R400- und R500-Chips
- Fehlerkorrektur beim sogenannten 'Pop-free Clipping' im Treiber
- Code wurde aus neueren Treibern für ältere Hardware rückportiert
- Darstellungsqualität und Stabilität werden verbessert, nicht die Rohleistung
- Update ist besonders für Retro-Enthusiasten und alte DirectX-9-Hardware relevant
- Mesa 26.0 mit diesen Verbesserungen erscheint im ersten Quartal 2026
Siehe auch:
- Update nach 13 Jahren: 30 % mehr Leistung für alte AMD-GPUs in Linux
- Nach 53 Jahren: Retro-Schnittstelle feiert Linux-Kernel-Integration
- Steam-Statistik: Linux und AMD-CPUs eilen zu neuem Allzeit-Rekord
- Linux Kernel 6.18: Update macht MS-Dateisystem 16-mal schneller
- Linux hat inzwischen einen höheren Marktanteil als viele denken
Thema:
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