Schwarzer Tod: Vulkane könnten Verbreitung der Pest begünstigt haben
Ein massiver Vulkanausbruch im Jahr 1345 könnte den Schwarzen Tod in Europa ausgelöst haben. Eine neue Studie zeichnet nach, wie ein fataler Dominoeffekt aus abruptem Klimawandel, Missernten und globalem Handel die Pest erst möglich machte.
Vielmehr begünstigte eine Verkettung geologischer und klimatischer Ereignisse die Katastrophe, also ein Phänomen, das man auch gerne als Schmetterlingseffekt bezeichnet. Ein durch Vulkanasche verursachter Temperatursturz führte nämlich in Europa zu massiven Missernten. Das erzwang eine drastische Änderung der Handelsrouten mit tödlichen Folgen für Millionen von Menschen.
Die Ereigniskette begann offenbar im Jahr 1345. Eine Eruption schleuderte gewaltige Mengen Schwefel in die Stratosphäre. Das resultierende atmosphärische Phänomen verdunkelte die Sonne und ließ die Temperaturen in Südeuropa abrupt sinken. Historische Berichte aus jener Zeit beschreiben übereinstimmend eine anhaltende Trübung des Himmels und ungewöhnlich dunkle Mondfinsternisse. Das hatte verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft, insbesondere in Italien, wo Überschwemmungen und Kälte die Ernteerträge vernichteten. Um eine Hungersnot abzuwenden, sahen sich die Handelsmächte gezwungen, kurzfristig neue Importquellen zu erschließen.
Wie ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie in Nature darlegt, war genau dieser Wechsel der Handelsrouten der entscheidende Faktor. Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und Ulf Büntgen von der University of Cambridge rekonstruierten das Szenario eines "perfekten Sturms". Ihre Analysen zeigen, dass die Jahre 1345 bis 1347 die kältesten Sommer im Mittelmeerraum seit fast einem Jahrhundert aufwiesen. Um die Bevölkerung zu ernähren, importierten Stadtstaaten wie Venedig und Genua Getreide aus der Schwarzmeerregion, die zu diesem Zeitpunkt unter mongolischer Kontrolle stand.
Zuvor waren diese Wege durch Konflikte blockiert, doch die drohende Nahrungsmittelknappheit zwang zur Wiederbelebung der Verbindungen. Historiker vermuten hier oft den Bezug zur Belagerung der genuesischen Handelsstadt Kaffa auf der Krim durch die Goldene Horde, von wo das Getreide direkt in die italienischen Vorratskammern gelangte.
Nur wenige Wochen nach Ankunft der letzten Getreideschiffe wurden in Venedig die ersten Pestfälle gemeldet. Das markierte den Beginn einer Pandemie, die zwischen 30 und 60 Prozent der europäischen Bevölkerung das Leben kostete. Die wissenschaftliche Beweisführung stützt sich dabei auf Details der Dendrochronologie, das ist die wissenschaftliche Methode zur jahrgenauen Datierung von Holz anhand der Jahresringe von Bäumen.
Konkret entdeckten die Wissenschaftler in den spanischen Pyrenäen in Baumringen aus den Jahren 1345 und 1346 sogenannte "Blaue Ringe". Das sind seltene anatomische Merkmale im Holz, die auf extrem kalte Wachstumssaisonen hinweisen. Das Lignin in den Zellwänden verhärtet sich dabei nicht vollständig, was unter dem Mikroskop bläulich erscheint.
Zusammen mit den hohen Schwefelkonzentrationen, die in Eisbohrkernen sowohl am Nord- als auch am Südpol gefunden wurden, ergibt sich das Bild einer globalen Klimaanomalie. Das historische Szenario verdeutlicht, wie anfällig komplexe Systeme für externe Schocks sind. Die Infrastruktur, die eigentlich zur Sicherung der Nahrungsversorgung gedacht war, wurde unbeabsichtigt zum Beschleuniger der Katastrophe.
Was haltet ihr von diesem historischen "Schmetterlingseffekt"? Schreibt uns eure Meinung zu den Zusammenhängen von Klima und Geschichte gerne in die Kommentare.
Siehe auch:
Klimaschock durch Vulkanausbruch
Ein bislang unbekannter, massiver Vulkanausbruch in den Tropen könnte im 14. Jahrhundert den Weg für eine der verheerendsten Pandemien der Menschheitsgeschichte geebnet haben. Neue wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass der Schwarze Tod nicht allein durch biologische Faktoren Verbreitung fand.Vielmehr begünstigte eine Verkettung geologischer und klimatischer Ereignisse die Katastrophe, also ein Phänomen, das man auch gerne als Schmetterlingseffekt bezeichnet. Ein durch Vulkanasche verursachter Temperatursturz führte nämlich in Europa zu massiven Missernten. Das erzwang eine drastische Änderung der Handelsrouten mit tödlichen Folgen für Millionen von Menschen.
Die Ereigniskette begann offenbar im Jahr 1345. Eine Eruption schleuderte gewaltige Mengen Schwefel in die Stratosphäre. Das resultierende atmosphärische Phänomen verdunkelte die Sonne und ließ die Temperaturen in Südeuropa abrupt sinken. Historische Berichte aus jener Zeit beschreiben übereinstimmend eine anhaltende Trübung des Himmels und ungewöhnlich dunkle Mondfinsternisse. Das hatte verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft, insbesondere in Italien, wo Überschwemmungen und Kälte die Ernteerträge vernichteten. Um eine Hungersnot abzuwenden, sahen sich die Handelsmächte gezwungen, kurzfristig neue Importquellen zu erschließen.
Wie ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie in Nature darlegt, war genau dieser Wechsel der Handelsrouten der entscheidende Faktor. Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und Ulf Büntgen von der University of Cambridge rekonstruierten das Szenario eines "perfekten Sturms". Ihre Analysen zeigen, dass die Jahre 1345 bis 1347 die kältesten Sommer im Mittelmeerraum seit fast einem Jahrhundert aufwiesen. Um die Bevölkerung zu ernähren, importierten Stadtstaaten wie Venedig und Genua Getreide aus der Schwarzmeerregion, die zu diesem Zeitpunkt unter mongolischer Kontrolle stand.
Handelsrouten als Einfallstor
Das importierte Getreide rettete die italienische Bevölkerung zwar vor dem sofortigen Hungertod, brachte jedoch eine weitaus tödlichere Fracht mit sich. In den Laderäumen der Schiffe reiste das Bakterium Yersinia pestis mit. Es befand sich vermutlich in Flöhen, die im Getreidestaub oder auf mitreisenden Nagetieren lebten. Die Öffnung der Handelsrouten nach Osten fungierte als direktes Einfallstor für die Seuche.Zuvor waren diese Wege durch Konflikte blockiert, doch die drohende Nahrungsmittelknappheit zwang zur Wiederbelebung der Verbindungen. Historiker vermuten hier oft den Bezug zur Belagerung der genuesischen Handelsstadt Kaffa auf der Krim durch die Goldene Horde, von wo das Getreide direkt in die italienischen Vorratskammern gelangte.
Nur wenige Wochen nach Ankunft der letzten Getreideschiffe wurden in Venedig die ersten Pestfälle gemeldet. Das markierte den Beginn einer Pandemie, die zwischen 30 und 60 Prozent der europäischen Bevölkerung das Leben kostete. Die wissenschaftliche Beweisführung stützt sich dabei auf Details der Dendrochronologie, das ist die wissenschaftliche Methode zur jahrgenauen Datierung von Holz anhand der Jahresringe von Bäumen.
Konkret entdeckten die Wissenschaftler in den spanischen Pyrenäen in Baumringen aus den Jahren 1345 und 1346 sogenannte "Blaue Ringe". Das sind seltene anatomische Merkmale im Holz, die auf extrem kalte Wachstumssaisonen hinweisen. Das Lignin in den Zellwänden verhärtet sich dabei nicht vollständig, was unter dem Mikroskop bläulich erscheint.
Zusammen mit den hohen Schwefelkonzentrationen, die in Eisbohrkernen sowohl am Nord- als auch am Südpol gefunden wurden, ergibt sich das Bild einer globalen Klimaanomalie. Das historische Szenario verdeutlicht, wie anfällig komplexe Systeme für externe Schocks sind. Die Infrastruktur, die eigentlich zur Sicherung der Nahrungsversorgung gedacht war, wurde unbeabsichtigt zum Beschleuniger der Katastrophe.
Was haltet ihr von diesem historischen "Schmetterlingseffekt"? Schreibt uns eure Meinung zu den Zusammenhängen von Klima und Geschichte gerne in die Kommentare.
War ein Vulkan der Auslöser?
Laut einer neuen Studie soll ein massiver, bisher unbekannter Vulkanausbruch um das Jahr 1345 eine fatale Kettenreaktion ausgelöst haben. Geologische Daten deuten darauf hin, dass die Eruption riesige Mengen Schwefel in die Stratosphäre schleuderte und so das Klima massiv abkühlte.
Dieses Ereignis könnte den Boden für die Pest bereitet haben. Forscher der University of Cambridge und des GWZO vermuten, dass die resultierenden Missernten und erzwungenen Handelsbewegungen die Pandemie in Europa erst ermöglichten.
Dieses Ereignis könnte den Boden für die Pest bereitet haben. Forscher der University of Cambridge und des GWZO vermuten, dass die resultierenden Missernten und erzwungenen Handelsbewegungen die Pandemie in Europa erst ermöglichten.
Wie gelangte die Pest nach Europa?
Durch die vulkanbedingte Abkühlung brachen im Mittelmeerraum die Ernten ein. Um Hungersnöte zu verhindern, importierten Handelsmächte wie Venedig und Genua massiv Getreide aus der Schwarzmeerregion - ein aus heutiger Sicht fataler Fehler im System.
Schiffe, die eigentlich Leben retten sollten, brachten den Tod: In den Getreideladungen reisten laut den Forschern mit dem Pestbakterium Yersinia pestis infizierte Flöhe und Ratten mit, die so direkt in die europäischen Häfen gelangten.
Schiffe, die eigentlich Leben retten sollten, brachten den Tod: In den Getreideladungen reisten laut den Forschern mit dem Pestbakterium Yersinia pestis infizierte Flöhe und Ratten mit, die so direkt in die europäischen Häfen gelangten.
Welche Beweise stützen die These?
Die Beweislage gleicht einer forensischen Analyse: Eisbohrkerne zeigen extrem hohe Schwefelwerte für das Jahr 1345, während Baumringe in Südeuropa seltene "Blue Rings" aufweisen, die auf schlagartige Kälteeinbrüche hindeuten.
Zudem berichten historische Quellen aus dieser Zeit von gedimmtem Sonnenlicht und ungewöhnlich dunklen Mondfinsternissen. Diese Anomalien lassen sich physikalisch schlüssig mit einer vulkanischen Aerosolwolke erklären.
Zudem berichten historische Quellen aus dieser Zeit von gedimmtem Sonnenlicht und ungewöhnlich dunklen Mondfinsternissen. Diese Anomalien lassen sich physikalisch schlüssig mit einer vulkanischen Aerosolwolke erklären.
Wie stark war der Vulkanausbruch?
Der unbekannte Vulkan, der vermutlich in den Tropen lag, setzte angeblich rund 14 Teragramm Schwefel frei. Das entspräche mehr als der doppelten Menge des Pinatubo-Ausbruchs von 1991, einem der stärksten Vulkanevents der modernen Ära.
Die Folgen waren gravierend: Die Sommer von 1345 bis 1347 gehörten wohl physikalisch zu den kältesten im Mittelmeerraum seit Jahrhunderten. Experten sprechen von einem "perfekten Sturm" aus Umweltfaktoren.
Die Folgen waren gravierend: Die Sommer von 1345 bis 1347 gehörten wohl physikalisch zu den kältesten im Mittelmeerraum seit Jahrhunderten. Experten sprechen von einem "perfekten Sturm" aus Umweltfaktoren.
Warum kam Getreide vom Schwarzen Meer?
Italienische Stadtstaaten waren auf Importe angewiesen, da lokale Ernten durch das Wetterchaos ausfielen. Trotz eines Konflikts mit den Mongolen wurde der Handel wiederaufgenommen, um die kritische Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Ironischerweise öffnete genau diese pragmatische Entscheidung die Türen für den Erreger. Laut Historikern waren Nager in den mongolischen Gebieten bereits infiziert, was über die Schiffsrouten dann Venedig erreichte.
Ironischerweise öffnete genau diese pragmatische Entscheidung die Türen für den Erreger. Laut Historikern waren Nager in den mongolischen Gebieten bereits infiziert, was über die Schiffsrouten dann Venedig erreichte.
Wie schnell breitete sich die Pest aus?
Nach Ankunft der Getreideschiffe im Jahr 1347 dauerte es nur wenige Wochen, bis die ersten Ausbrüche in Venedig gemeldet wurden. Von dort aus drang der "Schwarze Tod" binnen Monaten tief ins Landesinnere vor.
Die Sterblichkeitsrate war verheerend und betrug stellenweise bis zu 60 Prozent. Die Synchronizität der Ausbrüche in verschiedenen Häfen stützt die These der zentralen Verteilung über die logistischen Netzwerke der Handelsflotten.
Die Sterblichkeitsrate war verheerend und betrug stellenweise bis zu 60 Prozent. Die Synchronizität der Ausbrüche in verschiedenen Häfen stützt die These der zentralen Verteilung über die logistischen Netzwerke der Handelsflotten.
Zusammenfassung
- Vulkanausbruch von 1345 könnte Ausbreitung des Schwarzen Todes begünstigt haben
- Vulkanasche verursachte Temperatursturz und führte zu Missernten in Europa
- Italienische Stadtstaaten importierten Getreide aus der Schwarzmeerregion
- In Getreideschiffen reiste vermutlich das Pestbakterium Yersinia pestis mit
- Wissenschaftler fanden Hinweise in Baumringen und Eisbohrkernen
- Die neue Handelsroute wurde unbeabsichtigt zum Beschleuniger der Katastrophe
- Zwischen 30 und 60 Prozent der europäischen Bevölkerung starben an der Pest
Siehe auch:
- Heiße Geothermie: Neues Kraftwerk will aktiven Vulkan nutzen
- Wegen Erdbebens? Russischer Vulkan bricht nach Jahrhunderten aus
- Antarktis-Gefahr: 100 Vulkane drohen mit explosiven Ausbrüchen
- Die jüngsten Ereignisse auf Io sind extrem: Juno fängt Vulkaninferno ein
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Thema:
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