Atombehörde warnt: Strahlenschutzschild in Tschernobyl ist undicht

Ein Drohnenangriff hat die Schutzhülle des AKW Tschernobyl schwe­rer beschädigt als gedacht. Die Versiegelung ist laut Experten nicht mehr gewährleistet. Nun muss die gigantische Struktur aufwendig repariert werden, um die Sicherheit zu garantieren.
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Chernobyl Nuclear Power Plant/CC BY 4.0

Kritischer Schaden am New Safe Confinement

Die Schutzhülle über dem havarierten Reaktor von Tschernobyl (der Nachfolger des ersten Sarkophags) kann radioaktive Stoffe nicht mehr vollständig zurückhalten. Das bestätigte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) am vergangenen Freitag nach einer detaillierten Inspektion der Schäden, die durch einen Drohnenangriff im Februar 2025 verursacht wurden.

Obwohl die massiven tragenden Elemente der Stahlkonstruktion intakt geblieben sind, führte die Explosion eines hochexplosiven Sprengkopfes zu Löchern in der Außenverkleidung und löste einen Brand aus. Das beeinträchtigt die Dichtigkeit des sogenannten New Safe Confinement (NSC) erheblich.

Die Struktur, die eigentlich für eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren ausgelegt war, kann ihre primäre Aufgabe - die hermetische Abriegelung der Umwelt vor radioaktiven Partikeln - derzeit nicht erfüllen. Feuchtigkeit und Kondenswasser können nun ungehindert in das Innere eindringen, was die Korrosion der Stahlelemente beschleunigen und die Stabilität langfristig gefährden könnte. Das Risiko eines unmittelbaren Einsturzes besteht laut den Experten der UN-Behörde jedoch nicht, da die statisch relevanten Träger sowie die internen Überwachungssysteme funktionstüchtig sind.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat die IAEA den Verlust der primären Sicherheitsfunktionen inzwischen auch offiziell festgestellt. Zwar wurden bereits erste provisorische Reparaturen am Dach vorgenommen, doch eine umfassende Sanierung ist laut IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi unumgänglich, um eine weitere Verschlechterung der Bausubstanz zu verhindern. Die Ukraine macht die russische Regierung für den Angriff verantwortlich, während Moskau jegliche Beteiligung an dem Vorfall bestreitet.


Ein Jahrhundertbauwerk in Gefahr

Die bogenförmige Konstruktion des NSC weist beeindruckende Dimensionen auf: Mit einer Höhe von 108 Metern ist sie höher als die Freiheitsstatue, und ihre Spannweite von 257 Metern würde ausreichen, um ein Fußballstadion zu überdachen. Das Gesamtgewicht der Struktur beträgt ungefähr 36.000 Tonnen. Sie wurde zwischen 2010 und 2019 errichtet und kostete 1,5 Milliarden Euro.

Die Hülle wurde auf Schienen über den alten, rissigen "Sarkophag" aus Beton geschoben, der 1986 in aller Eile und unter extremer Strahlenbelastung nach der Kernschmelze errichtet worden war. Das primäre Ziel der neuen Hülle ist es nicht nur, den Austritt von radioaktivem Staub zu verhindern, sondern auch einen geschützten Raum für den künftigen Rückbau des zerstörten Reaktors Nummer 4 zu schaffen. Im Inneren der Ruine befindet sich noch immer der sogenannte "Elefantenfuß" - eine erstarrte Masse aus radioaktivem Corium, die noch Jahrtausende lang eine tödliche Gefahr darstellen wird.

Strahlenrisiko und "Elefantenfuß"

Trotz der alarmierenden Meldungen über die undichte Hülle besteht laut Jim Smith, einem Umweltwissenschaftler der Universität Portsmouth, kein Grund zur Panik für die Bevölkerung. In einem Gespräch mit der BBC erklärte er, dass das größte Risiko im lokalen Aufwirbeln von radioaktivem Staub bestehe. Da sich unter der neuen Hülle noch der alte Betonsarkophag befindet, sei die unmittelbare Gefahr für die weitere Umgebung gering. Die IAEA konnte bisher keinen signifikanten Anstieg der lokalen Strahlenwerte außerhalb der Sperrzone messen.

Die Instandsetzung der Hülle stellt die Betreiber dennoch vor gewaltige logistische und finanzielle Herausforderungen. Für das Jahr 2026 sind erste temporäre Reparaturmaßnahmen geplant, gefolgt von einer größeren Renovierungsphase, um die volle Isolationsfähigkeit wiederherzustellen. Das Vorhaben wird natürlich durch den Krieg in der Ukraine erschwert, der internationale Finanzierungen und die Koordination von Spezialisten verlangsamt. Zudem ist der Luftraum über der Anlage weiterhin eine Gefahrenzone.

Was haltet ihr von der Sicherheitslage in Tschernobyl? Schreibt uns eure Gedanken und Einschätzungen dazu gerne in die Kommentare unter diesen Artikel.

Was ist mit dem Schutzschild passiert?
Laut der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) hat die Schutzhülle (New Safe Confinement) in Tschernobyl ihre primäre Sicherheitsfunktion verloren. Eine Inspektion im Dezember bestätigte Schäden, die auf einen Drohnenangriff im Februar 2025 zurückzuführen seien.

Ein hochexplosiver Sprengkopf habe ein Loch in die Struktur gerissen und die schützende Außenverkleidung beschädigt. Die IAEA warnt, dass die Hülle radioaktive Stoffe nun nicht mehr vollständig einschließen könne, da die notwendige Luftdichtigkeit nicht mehr gegeben sei.
Tritt aktuell radioaktive Strahlung aus?
Trotz der Beschädigung der äußeren Hülle sind die Strahlenwerte laut UN-Angaben stabil. Es seien bisher keine Lecks oder erhöhte Messwerte festgestellt worden. Experten betonen, dass kontaminierter Staub weiterhin im inneren, alten Betonsarkophag eingeschlossen sei.

Umweltexperte Jim Smith erklärte gegenüber der BBC, das Risiko sei gering und es bestehe kein Grund zur Panik. Die äußere Hülle diene primär der langfristigen Sicherung und dem Schutz vor Witterung, nicht der akuten Eindämmung eines offenen Reaktors.
Ist die Statik des Bauwerks gefährdet?
Die tragende Stahlkonstruktion des riesigen Bogens ist laut IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi intakt. Es gäbe keine dauerhaften Schäden an den lasttragenden Elementen, sodass die Stabilität des Bauwerks grundsätzlich nicht gefährdet sei.

Auch die Überwachungssysteme seien voll funktionstüchtig. Das technische Problem liege primär in der Dichtigkeit der Außenhaut. Dies könnte langfristig zu Korrosionsschäden durch eindringende Feuchtigkeit führen, wenn keine umfassenden Reparaturen erfolgen.
Wann wird der Schaden repariert?
Es wurden bereits begrenzte temporäre Reparaturen am Dach durchgeführt. Eine vollständige Instandsetzung ist laut IAEA jedoch unerlässlich, um eine weitere Verschlechterung des Zustands der Hülle zu verhindern.

Berichten zufolge plant die IAEA weitere temporäre Reparaturen für das Jahr 2026. Eine umfassende Renovierung verzögert sich jedoch aufgrund des andauernden Krieges und der komplexen Planung, die für Arbeiten in strahlungsgefährdeten Bereichen nötig ist.
Wer ist für den Angriff verantwortlich?
Die Ukraine macht Russland für den Drohnenangriff verantwortlich, der am 14. Februar stattgefunden haben soll. Ukrainischen Angaben zufolge handelte es sich um eine russische Drohne mit einem hochexplosiven Sprengkopf.

Moskau bestreitet hingegen jegliche Beteiligung an dem Angriff auf das Kernkraftwerk. Das Gelände war bereits zu Beginn der Invasion im Jahr 2022 für mehr als einen Monat von russischen Truppen besetzt worden.
Welche Funktion hat der Schutzschild?
Das "New Safe Confinement" (NSC) ist die größte bewegliche Landstruktur der Welt. Sie wurde 2019 fertiggestellt, kostete über 2 Milliarden Euro und soll den zerstörten Reaktorblock 4 sowie den alten Sarkophag für mindestens 100 Jahre versiegeln.

Die Konstruktion dient dazu, den Austritt von radioaktivem Staub zu verhindern und den alten Reaktor vor Regen und Schnee zu schützen. Durch die Beschädigung ist diese "Weatherproofing"-Funktion beeinträchtigt, was den geplanten Rückbau der Ruine erschweren könnte.
Was empfiehlt die IAEA jetzt?
Die Atomenergie-Organisation fordert eine "rechtzeitige und umfassende Wiederherstellung" der Hülle. Nur so könne verhindert werden, dass Korrosion die Struktur von innen schwächt oder Feuchtigkeit eindringt.

Die IAEA wird ihre ständige Präsenz vor Ort aufrechterhalten, um die nukleare Sicherheit kontinuierlich zu überwachen und technische Unterstützung bei der Planung der notwendigen Renovierungsmaßnahmen zu leisten.


Zusammenfassung
  • Drohnenangriff hat die Schutzhülle des AKW Tschernobyl schwerst beschädigt
  • IAEA bestätigt: New Safe Confinement kann Radioaktivität nicht zurückhalten
  • Massive Stahlkonstruktion bleibt intakt, aber Außenverkleidung hat Löcher
  • Keine unmittelbare Einsturzgefahr, jedoch Korrosionsrisiko durch Feuchtigkeit
  • Umfassende Sanierung trotz erschwerter Bedingungen durch Krieg notwendig
  • Experten: Gefahr für Bevölkerung außerhalb der Sperrzone derzeit gering

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