HP und Dell deaktivieren HEVC-Dekodierung - Was das für Kunden heißt

Dell und HP deaktivieren bei diversen Notebooks stillschweigend die Hardware-Unterstützung für HEVC. Nutzer müssen mit Wiedergabe­problemen bei entsprechenden Videos und geringerer Akkulaufzeit rechnen. Vermutlich wollen die Hersteller Lizenzkosten sparen.
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H.265-Support bei Dell und HP gestrichen

Besitzer neuerer Business-Notebooks der Marken Dell und HP sehen sich derzeit vermehrt mit unerwarteten Problemen bei der Videowiedergabe konfrontiert. Wer hochauflösende Inhalte im weitverbreiteten HEVC-Standard (H.265) abspielen möchte, bekommt Schwierigkeiten. Der Grund dafür ist eine Entscheidung der Hersteller, die Hardware-Decodierung für den Codec bei bestimmten Modellreihen werksseitig zu deaktivieren.

Technisch bedeutet das, dass die Hardware die Rechenlast für das Abspielen dieser Videos nicht länger übernimmt. Das führt dazu, dass Videos nicht mehr ohne Probleme abgespielt werden können, da sie auf weniger effiziente Software-Decodierung zurückgreifen müssen.


Für Endanwender kann das auch in einer spürbar kürzeren Akkulaufzeit und lauteren Lüftern resultieren. Besonders paradox wirkt die Maßnahme bei modernen Chips wie dem Intel Core Ultra. Die verfügen eigentlich über eine hocheffiziente Media-Engine im SoC-Tile, deren Fähigkeiten hier künstlich beschnitten werden. Betroffen sind unter anderem populäre Serien wie das HP ProBook 400 G11, ProBook 600 G11 sowie diverse Dell-Systeme der Einstiegs- und Mittelklasse.

Hersteller wollen wohl Kosten senken

Wie Ars Technica berichtet, haben beide Unternehmen auf Nachfrage bestätigt, dass die Hardware-Beschleunigung für den HEVC-Codec auf den genannten Plattformen deaktiviert wurde. Während HP dies inzwischen vergleichsweise transparent in den Datenblättern vermerkt, sind die Informationen bei Dell deutlich schwerer zu finden und oft nur in allgemeinen Support-Dokumenten versteckt. Diese Intransparenz sorgt bei Kunden für zusätzlichen Unmut.

Branchenbeobachter sehen den primären Grund für die Maßnahme in den steigenden Lizenzgebühren. Um Hardware-Decoding für HEVC anbieten zu dürfen, müssen Hersteller Gebühren an Patentpools zahlen. Diese Kosten sollen ab Januar steigen, wobei Berichte von einer Erhöhung von 0,20 US-Dollar (etwa 0,17 Euro) auf 0,24 US-Dollar (etwa 0,21 Euro) pro Einheit sprechen. Anders als beim lizenzfreien Konkurrenten AV1 ist die Lizenzierung von H.265 durch mehrere konkurrierende Patentpools wie MPEG LA, HEVC Advance und Velos extrem komplex und kostspielig geworden.

Folgen für den Arbeitsalltag

Für Besitzer betroffener Laptops ist diese Änderung besonders ärgerlich, da HEVC längst nicht mehr nur für Streaming-Dienste relevant ist. Auch im professionellen Umfeld, etwa bei der Videobearbeitung, bei der Sichtung von Drohnenaufnahmen oder in modernen Videokonferenz-Tools, kommt der Codec zum Einsatz. Fehlt die Hardware-Beschleunigung, funktionieren Features wie das Weichzeichnen des Hintergrunds in Meeting-Apps unter Umständen nicht mehr korrekt oder bremsen das gesamte System aus, was die Produktivität einschränkt.

Dell rät Kunden dazu, die HEVC-Videoerweiterung für 0,99 Euro im Microsoft Store zu erwerben. Experten geben jedoch zu bedenken, dass diese Option keinen gleichwertigen Ersatz bietet. Eine Installation generischer Grafiktreiber direkt von Intel oder AMD könnte theoretisch Abhilfe schaffen, führt jedoch oft zum Verlust herstellerspezifischer Anpassungen bei den Geräten und wird in strikten Unternehmensumgebungen selten toleriert.

Langfristig dürfte dieser Schritt den Wechsel zu lizenzfreien Alternativen wie dem AV1-Codec beschleunigen. Bis der jedoch flächendeckend etabliert ist, müssen Käufer neuer Laptops genau prüfen, ob ihr Arbeitsgerät den H.265-Standard nativ unterstützt. Wer darauf angewiesen ist, sollte explizit Modelle wählen, die diese Funktion im Datenblatt garantieren, oder sich auf Leistungseinbußen einstellen.

Habt ihr bei neueren Laptops von HP und Dell bereits bemerkt, dass die Videoleistung nachgelassen hat oder die Lüfter schneller hochdrehen? Was haltet ihr davon, dass Hersteller Funktionen streichen, um Lizenzkosten zu sparen? Schreibt uns eure Meinung dazu gerne in die Kommentare!

Zusammenfassung
  • HP und Dell deaktivieren stillschweigend Hardware-Decodierung für HEVC
  • Betroffene Nutzer erleben Probleme bei Videowiedergabe und kürzere Akkulaufzeit
  • Grund sind steigende Lizenzkosten von 0,17 auf 0,21 Euro pro verkauftem Gerät
  • Besonders populäre Business-Geräte wie HP ProBook und Dell-Mittelklasse betroffen
  • Komplexe Lizenzierung durch mehrere konkurrierende Patentpools verteuert H.265
  • HEVC-Codec wird für Streaming, Videobearbeitung und Videokonferenzen benötigt
  • Langfristig könnte dieser Schritt den Wechsel zum lizenzfreien AV1-Codec fördern

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