Big Brother is watching you:
US-Grenzer überwachen Fahrtrouten

Die US-Grenzschutzbehörde überwacht Millionen US-Autofahrer im ganzen Land mit einem geheimen Programm. Ein Netzwerk aus Ka­me­ras erfasst Nummernschilder, während ein Algorithmus ver­däch­tige Fahrzeuge anhand ihrer Reiserouten identifiziert.
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Grenzschutz im Inneren des Landes

Die US-Grenzschutzbehörde Border Patrol hat ein landesweites Überwachungssystem aufgebaut, mit dem sie Millionen amerikanischer Autofahrer im gesamten Land beobachtet. Ein Netzwerk aus Kameras scannt und speichert Informationen von Fahrzeugkennzeichen, während ein Algorithmus Fahrzeuge als verdächtig kennzeichnet - basierend auf Startpunkt, Ziel und gewählter Route. Bundesagenten informieren anschließend lokale Polizeibehörden, die die betroffenen Fahrer anhalten.

Daraufhin werden die Autofahrer auch gestoppt - oft unter Vorwänden wie Geschwindigkeitsübertretungen, fehlenden Blinkersignalen oder sonstigen Kleinigkeiten. Die eigentliche Ursache der Kontrolle - dass ihre Fahrtroute sie ins Visier der Behörde gebracht hat - bleibt den Betroffenen meist verborgen. Viele Fahrer werden aggressiv befragt und durchsucht, ohne zu ahnen, dass sie in ein technologiegesteuertes Überwachungssystem geraten sind.


Ursprünglich für die Überwachung der Landesgrenzen zuständig, hat die Border Patrol ihr Überwachungssystem ins Landesinnere ausgedehnt. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, hat die Behörde in den letzten Jahren ihre Überwachungskapazitäten massiv ausgebaut und kooperiert dabei mit anderen Behörden, privaten Unternehmen und lokalen Strafverfolgungsbehörden. Statt nur nach gesuchten Verdächtigen zu fahnden, überwacht sie nun die täglichen Aktivitäten und Verbindungen gewöhnlicher Amerikaner auf Anomalien.

Kritik an Massenüberwachung wächst

Nicole Ozer, Geschäftsführerin des Centers for Constitutional Democracy an der UC Law San Francisco, kritisiert das Vorgehen scharf:

Sie sammeln massenhaft Informationen darüber, wer Menschen sind, wohin sie gehen, was sie tun und wen sie kennen. Diese Überwachungssysteme machen Gemeinschaften nicht sicherer.
Nicole Ozer, Geschäftsführerin des Centers for Constitutional Democracy
Experten sehen in dem Programm eine mögliche Verletzung des verfassungsmäßigen Schutzes vor ungerechtfertigten Durchsuchungen.

Ein Beispiel für die Auswirkungen dieses Systems ist der Fall von Lorenzo Gutierrez Lugo. Im Februar fuhr der Angestellte eines kleinen Transportunternehmens, das sich auf den Transport von Möbeln und Kleidung für Familien in Mexiko spezialisiert hat, mit Paketen aus Einwanderergemeinschaften in South Carolina in Richtung der Grenzstadt Brownsville, Texas. In Kingsville, einer kleinen texanischen Stadt nahe Corpus Christi, wurde er von einem Polizeibeamten angehalten. Der Beamte, Richard Beltran, gab als Grund für die Kontrolle an, dass der Lkw (geringfügig) zu schnell unterwegs war.

Gutierrez Lugo wurde basierend auf Kennzeichenleserdaten zu seiner Route befragt. Er willigte in die Durchsuchung seines Fahrzeugs durch Beltran und hinzugerufene Border Patrol-Agenten ein. Obwohl keine verbotenen Gegenstände gefunden wurden, wurde Gutierrez Lugo wegen Verdachts auf Geldwäsche und Beteiligung an organisierter Kriminalität festgenommen. Grund dafür war, das er mehrere tausend Dollar in bar bei sich hatte - Geld, das laut seines Vorgesetzten direkt von Kunden aus lokalen Latino-Gemeinschaften stammte, die gewohnt sind, in bar zu bezahlen. Letztendlich wurden keine Strafanzeigen erhoben, und der Versuch der Staatsanwaltschaft, das Bargeld, das Fahrzeug und den Anhänger als Schmuggelware zu beschlagnahmen, ging ins Leere.

Diese aktive Rolle der Border Patrol jenseits der Grenzen ist Teil der stillen Transformation der übergeordneten Behörde, der US Customs and Border Protection, in eine Art inländische Nachrichtendienstoperation. Unter den verstärkten Einwanderungsdurchsetzungsmaßnahmen der Trump-Regierung soll die CBP nun mehr als 2,7 Milliarden Dollar erhalten, um Grenzüberwachungssysteme wie das Kennzeichenleserprogramm durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und anderen neuen Technologien auszubauen.

Was haltet ihr von dieser Entwicklung? Findet ihr, dass die Grenzschutzbehörde zu weit geht, oder ist diese Art der Überwachung im Namen der Sicherheit gerechtfertigt? Teilt eure Meinungen und Erfahrungen in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • US-Grenzschutzbehörde überwacht Millionen Autofahrer mittels Kameranetzwerk
  • Algorithmus identifiziert verdächtige Fahrzeuge anhand ihrer Reiserouten
  • Betroffene werden unter Vorwänden angehalten ohne den wahren Grund zu kennen
  • Border Patrol hat Überwachungssystem weit über die Grenzen hinaus ausgedehnt
  • Experten sehen potenzielle Verletzung des verfassungsmäßigen Schutzes
  • Fall Gutierrez Lugo zeigt problematische Auswirkungen der Überwachungspraxis
  • CBP erhält 2,7 Milliarden Dollar für den Ausbau von Überwachungssystemen

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