Sorge um Corona 2.0: Neues Fledermaus-Virus mit Mensch-Schnittstelle

Die Nachwehen der Corona-Pandemie sind lange nicht überwunden, da tauchen bei Biologen schon theoretische Nachfolger auf. Wissenschaftler haben in Brasilien neue Coronaviren bei Fledermäusen entdeckt, die auf Menschen überspringen könnten.
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Lücken schließen in Brasilien

Ein internationales Team aus Japan und Brasilien stellte jetzt die vorläufigen Ergebnisse seiner Arbeit vor. Die neu entdeckten Viren unterscheiden sich demnach genetisch deutlich von bekannten Coronaviren, besitzen jedoch eine Eigenschaft, die auch SARS-CoV-2 auszeichnet und die Infektionen beim Menschen erleichtern könnte.

Die Forscher betonen, dass die Vielfalt der in der Natur vorkommenden Fledermaus-Coronaviren das Risiko neuer Epidemien birgt. "Die hohe Virusvielfalt in Fledermäusen macht sie zu einer zentralen Gruppe für die Überwachung zoonotischer Krankheiten", heißt es in der Studie, die als Preprint auf bioRxiv veröffentlicht wurde.


Schon vor dem Ausbruch von COVID-19 waren Wissenschaftler besorgt, dass Coronaviren die nächste große Pandemie auslösen könnten. SARS-CoV-2, sein Vorgänger SARS-CoV und MERS-CoV sind Beispiele für Coronaviren, die in den letzten zwei Jahrzehnten erfolgreich auf den Menschen übergesprungen sind. Alle drei gehören zur Gattung der Betacoronaviren.

Bisher stammten fast alle Daten über diese Virusgruppe aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten, während die Virenvielfalt in Amerika kaum untersucht wurde. Um diese Lücke zu schließen, analysierte das Forschungsteam Darmgewebe von 70 Fledermäusen, die zwischen Mai und August 2019 an drei Standorten in Brasilien gefangen wurden. Dabei stießen sie in einer Parnell-Fledermaus (Pteronotus parnellii) auf ein verdächtiges Virus und sequenzierten das Genom vollständig.

Fokus auf dem Spike-Protein

Das Virus, das die Wissenschaftler BRZ batCoV nannten, ist genetisch so eigenständig, dass es einen bislang unbekannten Untertyp von Betacoronaviren darstellt. Auffällig ist jedoch, dass es, ähnlich wie SARS-CoV-2, eine funktionelle Furin-Spaltstelle (FCS) am S1/S2-Übergang seines Spike-Proteins besitzt. Das ist ein wichtiges Merkmal, das Infektionen beim Menschen erleichtern kann.

Obwohl die Ähnlichkeit der FCS besorgniserregend ist, betonen die Forscher, dass die tatsächliche Infektiosität von BRZ batCoV noch nicht untersucht wurde. Zudem gibt es in Brasilien und anderen Regionen Amerikas nur wenig Virusüberwachung, sodass diese Viren möglicherweise schon seit längerem unbemerkt zirkulieren.

Die Wissenschaftler sehen ihre Entdeckung als Frühwarnsignal. Viele menschliche Krankheiten beginnen als zoonotische Infektionen, die von Tieren auf Menschen überspringen. Fledermäuse bleiben daher eine Schlüsselquelle für mögliche zukünftige Pandemien, und die Überwachung ihrer Viren ist dringend notwendig, um Risiken frühzeitig zu erkennen.

Zusammenfassung
  • Wissenschaftler entdeckten in Brasilien neue Coronaviren bei Fledermäusen
  • Die neuen Viren könnten durch spezielle Proteinstrukturen auf Menschen übergehen
  • BRZ batCoV stellt einen bisher unbekannten Untertyp der Betacoronaviren dar
  • Ähnlich wie SARS-CoV-2 besitzt es eine Furin-Spaltstelle im Spike-Protein
  • Die tatsächliche Infektiosität der neu entdeckten Viren ist noch nicht erforscht
  • Mangelnde Virusüberwachung in Amerika könnte unentdeckte Zirkulationen bedeuten
  • Fledermäuse bleiben eine wichtige Quelle möglicher zukünftiger Pandemien

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