China: Erstes großes Rechenzentrum ohne westliche Chips gebaut

China tritt jetzt den Beweis an, dass man inzwischen auch moderne IT-Infrastrukturen bauen kann, die weitgehend ohne westliche Technologie auskommen. Ein neues Groß-Datenzentrum wird ausschließlich mit Chips aus heimischer Produktion betrieben.
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Viele KI-Chips von Alibaba

Der staatliche Telekommunikationskonzern China Unicom hat in der Provinzhauptstadt Xining ein neues Rechenzentrum in Betrieb genommen, das vollständig mit inländisch entwickelten KI-Chips betrieben wird. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf den staatlichen Sender CCTV.

Das Projekt, dessen Baukosten sich auf rund 390 Millionen Dollar beläuft, soll nach Fertigstellung eine Rechenleistung von 20.000 Petaflops erreichen - ein Wert, der das Datenzentrum zu einem der leistungsfähigsten seiner Art in China machen würde. Bereits jetzt wurden 3579 Petaflops installiert, wofür knapp 23.000 Chips eingesetzt wurden.


Den größten Anteil der verbauten Prozessoren - rund 72 Prozent - lieferte Alibabas Chip-Sparte T-Head. Weitere Zulieferer sind unter anderem MetaX, Biren Technology und Zhonghao Xinying. Für die nächsten Ausbauphasen plant China Unicom zudem, Chips von Tecorigin (Wuxi), Moore Threads und Enflame einzukaufen.

Ein zentrales Produkt von Alibaba ist der neue PPU-Chip, der über 96 Gigabyte Speicher und die Speichertechnologie HBM2e verfügt. Diese Architektur ist speziell auf KI-Berechnungen ausgelegt und soll eine ernsthafte Alternative zu Nvidias H20-Chip darstellen - dem derzeit leistungsstärksten Modell, das der US-Konzern noch nach China exportieren darf.

Graben wird tiefer

Der Zeitpunkt der Ankündigung ist politisch aufgeladen. Während die USA in dieser Woche bei Handelsgesprächen in Madrid erneut ihre Sicherheitsbedenken über den Einsatz chinesischer Hochtechnologie betonten und strengere Exportkontrollen auf Halbleiter durchsetzen wollen, setzt Peking verstärkt auf Eigenentwicklungen. Chinesische Unternehmen wurden in den vergangenen Monaten wiederholt davor gewarnt, Chips des US-Herstellers Nvidia einzusetzen.

Zudem teilten die Behörden in Peking mit, dass eine Voruntersuchung gegen Nvidia wegen möglicher Verstöße gegen das Kartellrecht eingeleitet wurde. Beobachter werten dies als weiteren Hinweis auf die Bemühungen der chinesischen Regierung, internationale Abhängigkeiten zu reduzieren und zugleich Druck auf ausländische Anbieter auszuüben.

Zusammenfassung
  • China Unicom nimmt Rechenzentrum mit rein chinesischen KI-Chips in Betrieb
  • Das 390-Millionen-Dollar-Projekt soll 20000 Petaflops Rechenleistung erreichen
  • Alibabas Chip-Sparte T-Head liefert 72 Prozent der verbauten Prozessoren
  • Alibabas PPU-Chip mit 96 Gigabyte Speicher konkurriert mit Nvidias H20
  • Ankündigung erfolgt während US-China-Handelsgesprächen zu Exportkontrollen
  • China warnt heimische Unternehmen vor Einsatz von Nvidia-Chips
  • Gegen Nvidia wurde eine kartellrechtliche Voruntersuchung eingeleitet

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