Reparatur: Apple verlangt astronomische Preise für iPad-Ersatzteile

Ende Mai kündigte Apple an, künftig auch Ersatzteile für iPads direkt an Verbraucher zu verkaufen. Allerdings entpuppen sich die Preise eher als Methode, die Nutzer von der selbstständigen Reparatur der Geräte abzuhalten.
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Verhinderung durch die Hintertür

Mit dem Verkauf von Ersatzteilen erfüllt das Unternehmen neue gesetzliche Vorgaben in den USA, die unter dem Schlagwort "Right to Repair" (Recht auf Reparatur) firmieren. Offiziell sprach Apple von einem Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit und Kundenfreundlichkeit: "Wir freuen uns, unsere Reparaturdienste für mehr Kunden zugänglich zu machen", erklärte AppleCare-Vizepräsident Brian Naumann in einer Mitteilung.

Doch was zunächst wie ein Fortschritt für Verbraucher klingt, stößt bei unabhängigen Reparaturwerkstätten auf harsche Kritik. Die Preise, die Apple für einzelne Komponenten verlangt, seien teils so hoch, dass sich Reparaturen wirtschaftlich kaum lohnten - und die Geräte damit de facto weiterhin nicht reparierbar seien, so der Vorwurf.


Brian Clark, Inhaber der Reparaturfirma iGuys Tech Shop, zeigt sich gegenüber dem US-Magazin 404media enttäuscht: "Apple hat iPads jahrelang als nicht reparierbar behandelt - das jetzt als Kehrtwende zu präsentieren, ist eine Farce." Ein Ladeanschluss für ein iPad Pro 11 koste bei Apple 250 Dollar, obwohl vergleichbare Drittanbieter-Teile unter 20 Dollar zu haben seien. Auch andere Komponenten wie Displays oder Digitizer seien laut Clark viel zu teuer im Vergleich zum Gerätewert selbst.

Kalkulation schwierig

Jonathan Strange, Gründer der Reparaturkette XiRepair, hat die Ersatzteilpreise systematisch analysiert. Sein Ergebnis: Mehr als ein Drittel der von Apple angebotenen iPad-Teile sei für unabhängige Werkstätten wirtschaftlich nicht nutzbar. Seine Kalkulation: Wenn der Preis für Ersatzteil, Arbeitszeit und einen minimalen Gewinn bereits bei über 50 Prozent des Neupreises für ein iPad liege, sei eine Reparatur unrentabel.

Strange glaubt, dass Apple bewusst so kalkuliert: "Die Preisgestaltung orientiert sich nicht an Produktionskosten, sondern am Neupreis des Geräts - vermutlich, um Reparaturen unattraktiv zu machen."cVerbraucherschützer wie Nathan Proctor von der US-Organisation PIRG fordern daher mehr Transparenz und faire Preise. Gleichzeitig sieht er in der Öffnung des Ersatzteilmarkts einen Fortschritt: "Früher hat Apple iPads gar nicht repariert - der Druck durch Right-to-Repair-Gesetze zeigt erste Wirkung." Apple selbst hat sich bislang nicht zu der Kritik geäußert. Ob die Preisgestaltung mit geltendem Recht vereinbar ist, bleibt offen.

Zusammenfassung
  • Apple verkauft nun iPad-Ersatzteile direkt an Verbraucher
  • Die verlangten Preise sind jedoch unverhältnismäßig hoch und weit über Marktpreisen
  • Unabhängige Reparaturwerkstätten kritisieren das neue Programm als Farce
  • Ein Drittel der angebotenen Teile sind wirtschaftlich nicht rentabel einsetzbar
  • Experten vermuten gezielte Preispolitik gegen das Recht auf Reparatur
  • Verbraucherschützer fordern Transparenz und faire Preisgestaltung
  • Trotz Kritik wird die Öffnung des Ersatzteilmarkts als Fortschritt gesehen

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