Moderne Alchemie: Firma will mit Fusion Gold aus Quecksilber herstellen
Das Start-up Marathon Fusion behauptet, mit Fusionsreaktoren nicht nur Energie, sondern auch Gold herstellen zu können. Die Methode soll jährlich 5000 kg Gold pro Gigawatt Leistung produzieren und die Wirtschaftlichkeit von Fusionsanlagen revolutionieren.
Das Unternehmen wurde 2023 von Adam Rutkowski, einem ehemaligen SpaceX-Ingenieur und Doktoranden der Plasmaphysik an der Princeton University, sowie Kyle Schiller, einem früheren Wissenschaftspolitik-Fellow bei Schmidt Futures, gegründet. Bislang sammelte Marathon Fusion über vier Finanzierungsrunden insgesamt 10,9 Millionen Dollar (etwa 9,3 Millionen Euro) ein.
In Deuterium-Tritium-Fusionsreaktoren treiben hochenergetische Neutronen "Multiplikationsreaktionen" an, um den Brennstoffkreislauf durch Tritiumproduktion aufrechtzuerhalten. Marathon Fusion will diese Neutronen nutzen, um eine Multiplikationsreaktion mit Quecksilber-198 auszulösen. Die Idee erinnert an die jahrhundertealten Träume der Alchemisten, die bereits im Mittelalter versuchten, unedlere Metalle in Gold zu verwandeln - allerdings mit völlig anderen, unwissenschaftlichen Methoden.
Marathons Modellierung deutet darauf hin, dass Fusionsanlagen durch die Goldproduktion ebenso viel wirtschaftlichen Wert schaffen könnten wie durch die Stromerzeugung, was den Wert dieser Anlagen potenziell verdoppeln würde. Das könnte ein entscheidender Faktor für die Kommerzialisierung der Fusionsenergie sein, die bislang an hohen Investitionskosten scheitert. Freilich ist das alles Theorie, denn erwartungsgemäß gibt eine ganze Reihe an Fragezeichen.
Die Isotopentrennung von Quecksilber stellt eine weitere technische Herausforderung dar. Quecksilber-198 macht nur etwa 10 Prozent des natürlich vorkommenden Quecksilbers aus, was aufwendige Anreicherungsverfahren erfordert. Hinzu kommt das Problem der radioaktiven Abfallentsorgung, da bei der Transmutation auch andere, möglicherweise langlebige radioaktive Isotope entstehen können.
Was haltet ihr von dieser modernen Form der Alchemie? Könnte die Goldproduktion tatsächlich die Fusion-Ökonomie revolutionieren, oder sind die Hürden zu hoch?
Siehe auch:
Moderne Alchemie trifft Kernfusion
Das in San Francisco ansässige Start-up Marathon Fusion hat bekannt gegeben, eine Methode entwickelt zu haben, mit der Fusionsreaktoren jährlich etwa 5000 Kilogramm Gold pro Gigawatt Stromerzeugung produzieren können. Der Ansatz nutzt hochenergetische Neutronen aus der Deuterium-Tritium-Fusion, um Quecksilber-198 in Quecksilber-197 umzuwandeln, das innerhalb weniger Tage zu stabilem Gold zerfällt.Das Unternehmen wurde 2023 von Adam Rutkowski, einem ehemaligen SpaceX-Ingenieur und Doktoranden der Plasmaphysik an der Princeton University, sowie Kyle Schiller, einem früheren Wissenschaftspolitik-Fellow bei Schmidt Futures, gegründet. Bislang sammelte Marathon Fusion über vier Finanzierungsrunden insgesamt 10,9 Millionen Dollar (etwa 9,3 Millionen Euro) ein.
Transmutation als Nebenprodukt der Energiegewinnung
Die vorgeschlagene Methode basiert auf nuklearer Transmutation - einem Prozess, bei dem Atome durch Veränderung ihrer Protonen- oder Neutronenzahl in andere Elemente umgewandelt werden. Wie die Financial Times berichtet, schätzen die Gründer, dass fünf Tonnen Gold jährlich bei aktuellen Preisen etwa 600 Millionen Dollar (etwa 510 Millionen Euro) wert wären.In Deuterium-Tritium-Fusionsreaktoren treiben hochenergetische Neutronen "Multiplikationsreaktionen" an, um den Brennstoffkreislauf durch Tritiumproduktion aufrechtzuerhalten. Marathon Fusion will diese Neutronen nutzen, um eine Multiplikationsreaktion mit Quecksilber-198 auszulösen. Die Idee erinnert an die jahrhundertealten Träume der Alchemisten, die bereits im Mittelalter versuchten, unedlere Metalle in Gold zu verwandeln - allerdings mit völlig anderen, unwissenschaftlichen Methoden.
Marathons Modellierung deutet darauf hin, dass Fusionsanlagen durch die Goldproduktion ebenso viel wirtschaftlichen Wert schaffen könnten wie durch die Stromerzeugung, was den Wert dieser Anlagen potenziell verdoppeln würde. Das könnte ein entscheidender Faktor für die Kommerzialisierung der Fusionsenergie sein, die bislang an hohen Investitionskosten scheitert. Freilich ist das alles Theorie, denn erwartungsgemäß gibt eine ganze Reihe an Fragezeichen.
Herausforderungen und Skepsis
Bei der Idee, die auch in einer auf arXiv veröffentlichten Studie umschrieben wird, bestehen vor allem erhebliche praktische Hürden. Das produzierte Gold könnte instabile Isotope enthalten und teilweise radioaktiv sein. Rutkowski schätzt, dass das Gold 14 bis 18 Jahre gelagert werden müsste, bevor es vollständig sicher für den Gebrauch wäre. Zudem kostet Quecksilber-198 als Rohmaterial derzeit etwa 15.000 Dollar (etwa 12.750 Euro) pro Milligramm in gereinigter Form - ein enormer Kostenfaktor für die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens. Zum Vergleich: Ein Milligramm Gold kostet aktuell etwa neun Cent.Die Isotopentrennung von Quecksilber stellt eine weitere technische Herausforderung dar. Quecksilber-198 macht nur etwa 10 Prozent des natürlich vorkommenden Quecksilbers aus, was aufwendige Anreicherungsverfahren erfordert. Hinzu kommt das Problem der radioaktiven Abfallentsorgung, da bei der Transmutation auch andere, möglicherweise langlebige radioaktive Isotope entstehen können.
Marktauswirkungen und wirtschaftliche Bedenken
Die aktuelle weltweite Goldproduktion beträgt etwa 3200 Tonnen jährlich. Wenn mehrere Fusionsanlagen diese Technologie einsetzen würden, könnte der dramatische Angebotsanstieg die Goldpreise zum Absturz bringen und den wirtschaftlichen Vorteil des Verfahrens untergraben. Das schafft ein Paradoxon, bei dem Erfolg zum Scheitern führen kann, da reichlich vorhandenes Gold nicht mehr als effektive Anlage dient.Was haltet ihr von dieser modernen Form der Alchemie? Könnte die Goldproduktion tatsächlich die Fusion-Ökonomie revolutionieren, oder sind die Hürden zu hoch?
Zusammenfassung
- Marathon Fusion will per Fusionsreaktor bis zu 5000 kg Gold pro Jahr erzeugen
- Das Start-up nutzt Neutronen zur Umwandlung von Quecksilber-198 in Gold
- Die Goldproduktion könnte den wirtschaftlichen Wert von Fusionsanlagen verdoppeln
- Produziertes Gold müsste bis zu 18 Jahre gelagert werden wegen Radioaktivität
- Quecksilber-198 als Ausgangsmaterial ist mit 15.000 Dollar pro Milligramm derzeit kostenintensiver als Gold
- Die Isotopentrennung von Quecksilber stellt eine erhebliche technische Hürde dar
- Eine großflächige Umsetzung könnte den weltweiten Goldpreis zum Absturz bringen
Siehe auch:
- Google bestätigt erstmals die Fusion von Chrome OS und Android
- Rätsel um Plasma-Turbulenzen in Fusionsreaktoren womöglich gelöst
- Durchbruch bei Fusionsbrennstoff: Produktion von Tritium funktioniert
- Wendelstein 7-X glüht: Fusions-Außenseiter lässt jetzt Rekorde purzeln
- Satz mit X - da glüht nix: Fusionstrick mit zweitem "Auspuff" entdeckt
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