17 Schritte: Roboter meistert erstmals autonome Operation ohne Hilfe

In einem Labor der Johns Hopkins University hat ein Roboter zum ersten Mal eine vollständige Phase einer Gallenblasenentfernung an einem Schweine­modell autonom und ohne direkten Eingriff von Menschenhand durchgeführt.
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Revolution im OP: Roboter entfernt Gallenblase allein

Verantwortlich für die Entwicklung ist das Team rund um den Medizintechniker Axel Krieger. Sie haben ein System gebaut, das nicht nur chirurgische Handgriffe ausführt, sondern den Eingriff tatsächlich "versteht". Lange galten autonome Systeme im OP als zu starr für die chaotische Realität lebendiger Körper. Selbst Kriegers früherer Prototyp, der STAR-Roboter von 2022, war zwar präzise, arbeitete aber unter idealisierten Bedingungen: markierte Gewebestellen, vorhersehbare Abläufe, ein starrer Plan.

Der neue System, Surgical Robot Transformer-Hierarchy (SRT-H), zeigt nun, dass es auch anders geht. Das Besondere: Der Roboter beobachtete zunächst reale OP-Videos an Schweinekadavern und lernte daraus - nicht nur anhand der Bilder, sondern auch mit erklärenden Texten, die einzelne Handlungen beschreiben. Danach war er in der Lage, eine minutiöse Gallenblasenentfernung eigenständig durchzuführen: 17 aufeinanderfolgende Aufgaben, darunter das Erkennen winziger Gallengänge und Blutgefäße, das präzise Setzen von Clips und das Durchtrennen mit einer Schere.

Zur Einordnung: mit Phase ist hier die vollständige Entfernungsphase der Gallenblase gemeint - also Dissektion, Abtrennung und Bergung. Andere OP-Teile wie Zugang, Vorbereitung oder Nachsorge wurden noch manuell durchgeführt. OP-Roboter da Vinci Research Kit (dVRK)SRT-H setzt auf das Da Vinci Research Kit (DVRK) auf
Unsere Arbeit zeigt, dass KI-Modelle verlässlich genug für chirurgische Autonomie gemacht werden können - etwas, das früher weit entfernt schien, jetzt aber nachweislich umsetzbar ist.
Ji Woong Kim
Der Unterschied zu bisherigen Systemen liegt laut dem Team in der Reaktion auf das Unerwartete: Der SRT-H konnte auch dann stabil operieren, als das Gewebe anders aussah als im Training - etwa durch Farbstoffe, die Blut simulierten. Sogar die Startposition wurde manipuliert, ohne dass der Roboter ins Straucheln geriet. Damit simulierten die Forscher reale Herausforderungen, wie sie auch in Notfallsituationen vorkommen. Bereits im Vorjahr hatte das Team dem System erste chirurgische Basistechniken wie das Bewegen einer Nadel, das Anheben von Gewebe und das Setzen von Nähten beigebracht - jeweils in wenigen Sekunden.

Technisch basiert das System auf einer Architektur, die auch bei Sprachmodellen wie ChatGPT zum Einsatz kommt. Der Roboter versteht Sprachkommandos wie "Greif den Gallenblasenhals" und nimmt Korrekturen wie "beweg den linken Arm ein Stück nach links" auf - und lernt dabei weiter. Ji Woong Kim, Erstautor der Studie, spricht deshalb von einem "grundlegenden Durchbruch", der autonome Robotik realitätsnah und verlässlich macht.

Technische Übersicht SRT-H
  • Roboterplattform:
    • Da Vinci Research Kit (DVRK) mit zwei chirurgischen Armen und einem Endoskop
  • Kameras:
    • Eine Stereo-Endoskopkamera sowie zwei Handgelenk-Kameras
  • Sensor-Eingaben:
    • Nur RGB-Bilddaten, keine Tiefensensoren oder Segmentierungssysteme
  • Bewegungssteuerung:
    • Relative Positionssteuerung über Delta-Werte (Translation, Rotation, Greifwinkel)
  • Steuerungsarchitektur:
    • Sprachbasierter High-Level-Planer mit nachgelagertem Low-Level-Kontrollsystem

"So wie chirurgische Assistenzärzte oft unterschiedliche Teile eines Eingriffs in unterschiedlichem Tempo beherrschen, zeigt diese Arbeit das Potenzial, autonome chirurgische Systeme modular und stufenweise weiterzuentwickeln", sagt Jeff Jopling, Chirurg an der Johns Hopkins University.

Weckruf für die Medizin

Die Arbeit ist in der Fachzeitschrift Science Robotics erschienen. Für viele Mediziner dürfte sie ein Weckruf sein: Denn was hier erstmals an einem realitätsnahen Modell demonstriert wurde, könnte langfristig nicht nur OP-Zeiten und Personalbedarf verändern - sondern auch die Art, wie chirurgisches Wissen gespeichert, weitergegeben und optimiert wird.

Die Forschung wurde durch das neue US-Gesundheitsforschungsprogramm ARPA-H unterstützt, das gezielt disruptive Medizintechnologien fördert. Weitere Mittel kamen von der National Science Foundation und dem National Institute of Health.

Was ist ein Roboter?
Ein Roboter ist eine programmierbare Maschine, die selbstständig Aufgaben ausführen kann. Diese Geräte können von einfachen Haushaltsrobotern bis hin zu komplexen Industriemaschinen oder humanoiden Konstruktionen reichen.

Die technische Definition eines Roboters umfasst in der Regel Sensoren zur Umgebungswahrnehmung, Prozessoren zur Informationsverarbeitung und Aktoren zur physischen Interaktion mit der Umwelt. Moderne Roboter werden zunehmend mit künstlicher Intelligenz ausgestattet, um selbstständig lernen zu können.
Woher stammt der Begriff "Roboter"?
Der Begriff "Roboter" wurde erstmals 1920 vom tschechischen Schriftsteller Karel Čapek in seinem Science-Fiction-Theaterstück "R.U.R." (Rossum's Universal Robots) verwendet. Das Wort leitet sich vom tschechischen "robota" ab, was so viel wie "Zwangsarbeit" oder "Fronarbeit" bedeutet.

Čapek beschrieb in seinem Werk künstliche Menschen, die als Arbeitskräfte erschaffen wurden. Obwohl diese fiktiven Wesen eher biologischen als mechanischen Ursprungs waren, prägte der Begriff die Vorstellung von künstlichen Arbeitern und wurde schnell in viele Sprachen übernommen.
Wann wurde der erste Roboter gebaut?
Die ersten mechanischen Automaten, die als Vorläufer heutiger Roboter gelten können, wurden bereits in der Antike entwickelt. Der griechische Mathematiker Archytas von Tarent soll um 400 v. Chr. eine fliegende Holztaube konstruiert haben, und in Alexandria wurden hydraulische Automaten gebaut.

Der erste programmierbare Roboter im modernen Sinne war jedoch "Unimate", der 1961 in einer General-Motors-Fabrik installiert wurde. Dieser von George Devol erfundene Industrieroboter konnte wiederholt die gleichen Bewegungen ausführen und revolutionierte die Fertigungsindustrie durch Automatisierung.
Werden Roboter uns ersetzen?
Die Automatisierung durch Roboter verändert zweifellos den Arbeitsmarkt. In bestimmten Bereichen, besonders bei repetitiven oder gefährlichen Tätigkeiten, ersetzen Roboter bereits menschliche Arbeitskräfte, was zu Effizienzsteigerungen, aber auch zum Verlust traditioneller Arbeitsplätze führt.

Experten sind jedoch der Ansicht, dass Roboter eher als Ergänzung denn als vollständiger Ersatz für Menschen dienen werden. Es wird erwartet, dass neue Berufsfelder entstehen, die sich auf die Entwicklung, Wartung und Zusammenarbeit mit Robotern konzentrieren. Die menschliche Kreativität, Empathie und Urteilsvermögen bleiben vorerst unersetzlich.
Was können Roboter heute leisten?
Moderne Roboter sind in vielfältigen Bereichen im Einsatz: In der Industrie führen sie präzise Schweiß-, Montage- und Transportaufgaben durch, während medizinische Roboter bei komplexen Operationen helfen. Im Alltag begegnen uns Staubsaugerroboter und intelligente Haushaltshelfer.

Fortschrittliche Robotersysteme können heute dank maschinellen Lernens ihre Umgebung wahrnehmen, darauf reagieren und aus Erfahrungen lernen. Einige humanoide Roboter wie Sophia oder Atlas demonstrieren beeindruckende Fähigkeiten in der Gesichtserkennung, Kommunikation und Bewegung, auch wenn ihre Intelligenz noch weit von menschlicher Kognition entfernt ist.
Wie funktionieren Roboter?
Roboter bestehen grundsätzlich aus drei Hauptkomponenten: Sensoren, die Informationen aus der Umgebung sammeln, einem "Gehirn" (Computer/Prozessor), das diese Daten verarbeitet und Entscheidungen trifft, sowie Aktoren (Motoren, Hydraulik), die physische Aktionen ausführen.

Die Steuerung erfolgt über Software und Algorithmen, die zunehmend auf künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen basieren. Fortschrittliche Roboter können durch Reinforcement Learning oder durch Demonstration neue Fähigkeiten erlernen und ihr Verhalten an veränderte Umgebungsbedingungen anpassen.
Haben Roboter ein Bewusstsein?
Nach aktuellem wissenschaftlichen Konsens verfügen Roboter nicht über ein Bewusstsein oder Selbstwahrnehmung im menschlichen Sinne. Ihre scheinbar intelligenten Verhaltensweisen basieren auf programmierten Algorithmen und Datenverarbeitung, nicht auf echtem Verständnis oder subjektivem Erleben.

In der Philosophie und KI-Forschung wird jedoch diskutiert, ob fortschrittliche künstliche Intelligenz in Zukunft möglicherweise Formen von Bewusstsein entwickeln könnte. Diese Frage bleibt theoretisch und berührt fundamentale Konzepte darüber, was Bewusstsein eigentlich ausmacht und ob es prinzipiell auf nicht biologischen Systemen implementierbar ist.
Welche Robotergesetze gibt es?
Die bekanntesten Robotergesetze stammen aus der Science-Fiction und wurden 1942 vom Autor Isaac Asimov formuliert: Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen; er muss menschlichen Befehlen gehorchen, sofern diese nicht dem ersten Gesetz widersprechen; er muss seine eigene Existenz schützen, sofern dies nicht den ersten beiden Gesetzen widerspricht.

In der Realität gibt es noch keine universellen Robotergesetze, jedoch arbeiten Organisationen wie die EU an ethischen Richtlinien und rechtlichen Rahmenbedingungen für Robotik und KI. Diese umfassen Aspekte wie Sicherheit, Transparenz, Datenschutz und Verantwortlichkeit bei der Entwicklung und dem Einsatz autonomer Systeme.
Zusammenfassung
  • Roboter SRT-H führte erstmals autonom eine Phase der Gallenblasenentfernung durch
  • Gerät arbeitet selbstständig mit 17 aufeinanderfolgenden Aufgaben ohne Eingriff
  • Das System lernte durch OP-Videos und kann mit unerwarteten Situationen umgehen
  • Der Roboter versteht und reagiert auf Sprachkommandos wie bei ChatGPT-Modellen
  • Forscher planen zukünftig komplette autonome Operationen statt einzelner Phasen
  • Technologie könnte OP-Zeiten, Personalbedarf und Wissensweitergabe revolutionieren

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