20 Mio. Lichtjahre voll Energie:
Kurioses Teilchenfeld bricht alle Rekorde
Ein Astronomenteam hat in einem Galaxienhaufen eine gigantische Struktur energiereicher Teilchen gefunden. Mit 20 Millionen Lichtjahren sprengt sie Rekorde und bestehende Modelle - denn eine Erklärung für diese enorme Ausdehnung fehlt bislang.
Neuere Aufnahmen mit dem südafrikanischen Radioteleskop MeerKAT zeigen nun ein weitaus umfassenderes Bild: Der gesamte Cluster ist in ein diffuses, aber ausgedehntes Radioglühen gehüllt. Das Signal erstreckt sich über nahezu das Zwanzigfache der Milchstraße - ein Befund, der selbst erfahrene Astrophysiker überrascht. Bisheriger Rekordhalter war Abell 2255 mit rund 16,3 Millionen Lichtjahren Durchmesser.
Im Zentrum des Clusters entdeckte das Team zudem ein Radiohalo mit einer Ausdehnung von rund 11,4 Millionen Lichtjahren - sichtbar bei einer Frequenz von 2,4 GHz, auf der solche Halos üblicherweise nicht detektiert werden. Das deutet auf eine fortlaufende Beschleunigung oder Wiederbeschleunigung der Elektronen hin, denn "ältere" Teilchen verlieren mit der Zeit an Energie und sind bei höheren Frequenzen nicht mehr sichtbar.
Kompositbild - Röntgen (Chandra), Radio (MeerKAT), optisches Licht (PanSTARRS)
NASAs Chandra-Röntgenobservatorium bestätigte die extreme Dynamik des Clusters durch die Entdeckung zahlreicher Strukturen im heißen Gas: eine kastenartige Form, ein kometenartiger Schweif sowie weitere Störungen, die mit den Radioemissionen korrelieren. Damit liefern die Beobachtungen einen seltenen Einblick in die physikalischen Wechselwirkungen auf kosmischen Skalen. Die Ergebnisse wurden beim AAS-Treffen 2025, der Jahreskonferenz der American Astronomical Society, vorgestellt, die Studie ist auf arXiv verfügbar und zur Veröffentlichung im Astrophysical Journal eingereicht.
Fakten zum Rekord-Teilchenfeld:
Im optischen Bereich wenig auffällig ...
... im Radio-Bereich energiegeladen
"Wir sehen das Universum jetzt auf eine Weise, wie es uns zuvor verwehrt war", sagt Erstautor Dr. Kamlesh Rajpurohit. "Diese Entdeckung fordert uns heraus, viele unserer bisherigen Annahmen neu zu hinterfragen."
Siehe auch:
Gigantisch: Forscher entdecken Rekord-Teilchenfeld
Der Galaxienhaufen PLCK G287.0+32.9 liegt rund fünf Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt und wurde bereits 2011 erstmals nachgewiesen. Frühere Beobachtungen offenbarten zwei helle, sogenannte Radiorelikte an seinen Rändern - Strukturen, die typischerweise bei Kollisionen von Galaxienhaufen entstehen und durch Stoßwellen erzeugt werden.Neuere Aufnahmen mit dem südafrikanischen Radioteleskop MeerKAT zeigen nun ein weitaus umfassenderes Bild: Der gesamte Cluster ist in ein diffuses, aber ausgedehntes Radioglühen gehüllt. Das Signal erstreckt sich über nahezu das Zwanzigfache der Milchstraße - ein Befund, der selbst erfahrene Astrophysiker überrascht. Bisheriger Rekordhalter war Abell 2255 mit rund 16,3 Millionen Lichtjahren Durchmesser.
Im Zentrum des Clusters entdeckte das Team zudem ein Radiohalo mit einer Ausdehnung von rund 11,4 Millionen Lichtjahren - sichtbar bei einer Frequenz von 2,4 GHz, auf der solche Halos üblicherweise nicht detektiert werden. Das deutet auf eine fortlaufende Beschleunigung oder Wiederbeschleunigung der Elektronen hin, denn "ältere" Teilchen verlieren mit der Zeit an Energie und sind bei höheren Frequenzen nicht mehr sichtbar.
Das deutet darauf hin, dass etwas die Elektronen aktiv (neu) beschleunigt - aber keine der üblichen Erklärungen passt.Eine abschließende Erklärung fehlt noch, aber das Forschungsteam vermutet, dass großräumige Stoßwellen und Turbulenzen im heißen Gas zwischen den Galaxien die Teilchen in Bewegung halten. Diese könnten durch Fusionen kleinerer Cluster oder durch Ausbrüche supermassereicher Schwarzer Löcher verursacht sein. Eine Rolle spielt dabei auch das komplexe Magnetfeld im Cluster - ein Bereich, der bislang zu den am wenigsten verstandenen Phänomenen der Astrophysik zählt.
Kompositbild - Röntgen (Chandra), Radio (MeerKAT), optisches Licht (PanSTARRS)
NASAs Chandra-Röntgenobservatorium bestätigte die extreme Dynamik des Clusters durch die Entdeckung zahlreicher Strukturen im heißen Gas: eine kastenartige Form, ein kometenartiger Schweif sowie weitere Störungen, die mit den Radioemissionen korrelieren. Damit liefern die Beobachtungen einen seltenen Einblick in die physikalischen Wechselwirkungen auf kosmischen Skalen. Die Ergebnisse wurden beim AAS-Treffen 2025, der Jahreskonferenz der American Astronomical Society, vorgestellt, die Studie ist auf arXiv verfügbar und zur Veröffentlichung im Astrophysical Journal eingereicht.
Fakten zum Rekord-Teilchenfeld:
- Lage: ~5 Mrd. Lichtjahre von der Erde entfernt
- Durchmesser der Teilchenstruktur: ~20 Mio. Lichtjahre
- Zentraler Radiohalo: ~11,4 Mio. Lichtjahre bei 2,4 GHz
- Instrumente: MeerKAT (Radio), Chandra (Röntgen), PanSTARRS (optisch)
- Mögliche Ursachen: Stoßwellen, Turbulenzen, Cluster-Fusionen, Schwarze Löcher
Rekord mit Strahlkraft
Die Entdeckung ist nicht nur ein neuer Größenrekord - sie markiert einen Wendepunkt in der Erforschung kosmischer Strukturen. Instrumente wie MeerKAT liefern inzwischen Daten von bislang unerreichter Tiefe und Auflösung. Gemeinsam mit Fortschritten in der Röntgen- und Infrarotastronomie ermöglichen sie es, das Universum großflächig und zugleich detailreich zu kartieren. Der Fund zeigt, dass bestehende Modelle zur Teilchenbeschleunigung und insbesondere die Rolle kosmischer Magnetfelder grundlegend überarbeitet werden müssen.
Im optischen Bereich wenig auffällig ...
... im Radio-Bereich energiegeladen
"Wir sehen das Universum jetzt auf eine Weise, wie es uns zuvor verwehrt war", sagt Erstautor Dr. Kamlesh Rajpurohit. "Diese Entdeckung fordert uns heraus, viele unserer bisherigen Annahmen neu zu hinterfragen."
Was ist MeerKAT?
MeerKAT ist ein Radioteleskop in Südafrika, bestehend aus 64 miteinander verbundenen Parabolantennen mit jeweils 13,5 Metern Durchmesser. Es befindet sich in der Karoo-Halbwüste, etwa 90 km außerhalb der Kleinstadt Carnarvon in der Provinz Northern Cape.
Der Name "MeerKAT" entstand aus der Erweiterung des ursprünglichen "Karoo Array Telescope" (KAT), das anfänglich nur 20 Antennen umfassen sollte. Als die südafrikanische Regierung das Budget für 64 Antennen erhöhte, wurde es zu "Meer" (mehr) KAT. Zudem ist das Erdmännchen (Suricata suricatta) ein in der Karoo-Region heimisches und beliebtes Tier.
Der Name "MeerKAT" entstand aus der Erweiterung des ursprünglichen "Karoo Array Telescope" (KAT), das anfänglich nur 20 Antennen umfassen sollte. Als die südafrikanische Regierung das Budget für 64 Antennen erhöhte, wurde es zu "Meer" (mehr) KAT. Zudem ist das Erdmännchen (Suricata suricatta) ein in der Karoo-Region heimisches und beliebtes Tier.
Wie funktioniert MeerKAT?
Die elektromagnetischen Wellen von kosmischen Radioquellen werden vom Hauptreflektor aufgefangen, zum Subreflektor weitergeleitet und dann im Empfangshorn gebündelt. Jeder Empfänger wandelt die Strahlung in elektrische Signale um, die von kryogenischen Verstärkern mit minimaler Rauschentwicklung verstärkt werden.
Die analogen Signale werden durch Digitizer mit einer Rate von 1.712 Milliarden Samples pro Sekunde in digitale Daten umgewandelt - das entspricht etwa einer DVD pro Sekunde. Diese Daten werden über 170 km vergrabene Glasfaserkabel zum Korrelator im Karoo Array Processor Building (KAPB) geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden.
Die analogen Signale werden durch Digitizer mit einer Rate von 1.712 Milliarden Samples pro Sekunde in digitale Daten umgewandelt - das entspricht etwa einer DVD pro Sekunde. Diese Daten werden über 170 km vergrabene Glasfaserkabel zum Korrelator im Karoo Array Processor Building (KAPB) geleitet, wo sie weiterverarbeitet werden.
Welche Datenmengen verarbeitet es?
MeerKAT erzeugt enorme Datenmengen - jede Sekunde werden Daten in der Größenordnung von Terabytes generiert, was etwa 100 DVDs pro Sekunde entspricht. Ein einzelner Digitizer für den L-Band-Empfänger produziert täglich Daten äquivalent zu etwa 73.000 DVDs.
Diese gewaltigen Datenmengen können nicht vollständig über das Internet übertragen werden. Daher befindet sich ein spezielles Rechenzentrum vor Ort in einem abgeschirmten, unterirdischen Gebäude, das die Daten mit modernsten Methoden reduziert, bevor ein Teil zur weiteren Verarbeitung nach Kapstadt übertragen wird.
Diese gewaltigen Datenmengen können nicht vollständig über das Internet übertragen werden. Daher befindet sich ein spezielles Rechenzentrum vor Ort in einem abgeschirmten, unterirdischen Gebäude, das die Daten mit modernsten Methoden reduziert, bevor ein Teil zur weiteren Verarbeitung nach Kapstadt übertragen wird.
Warum ist sein Design besonders?
MeerKAT verwendet ein "Offset-Gregorianisches" optisches Layout, bei dem keine Streben den Signalweg unterbrechen. Dies gewährleistet eine hervorragende optische Leistung, Empfindlichkeit und Bildqualität sowie eine gute Abschirmung gegen unerwünschte Funkfrequenzstörungen von Satelliten und terrestrischen Funksendern.
Die kombinierte Oberflächengenauigkeit der beiden Reflektoren ist mit einer Abweichung von weniger als 0,6 mm RMS extrem hoch. Der Hauptreflektor besteht aus 40 Aluminiumpaneelen auf einem Stahlrahmen, und die gesamte Konstruktion wiegt 42 Tonnen bei einer Höhe von 19,5 Metern.
Die kombinierte Oberflächengenauigkeit der beiden Reflektoren ist mit einer Abweichung von weniger als 0,6 mm RMS extrem hoch. Der Hauptreflektor besteht aus 40 Aluminiumpaneelen auf einem Stahlrahmen, und die gesamte Konstruktion wiegt 42 Tonnen bei einer Höhe von 19,5 Metern.
Wie präzise ist die Ausrichtung?
Die steuerbare Antennenpositioniervorrichtung kann den Hauptreflektor extrem präzise ausrichten - bei geringem Wind und nächtlichen Beobachtungsbedingungen bis auf 5 Bogensekunden (1,4 Tausendstel Grad) genau, und unter normalen Betriebsbedingungen bis auf 25 Bogensekunden (7 Tausendstel Grad).
Die Struktur ermöglicht einen Beobachtungselevationsbereich von 15 bis 88 Grad und einen Azimutbereich von -185 bis +275 Grad, wobei Norden bei 0 Grad liegt. Diese Präzision ist entscheidend für die genaue Ausrichtung auf kosmische Radioquellen.
Die Struktur ermöglicht einen Beobachtungselevationsbereich von 15 bis 88 Grad und einen Azimutbereich von -185 bis +275 Grad, wobei Norden bei 0 Grad liegt. Diese Präzision ist entscheidend für die genaue Ausrichtung auf kosmische Radioquellen.
Wird MeerKAT erweitert?
Ja, MeerKAT wird durch das MeerKAT+ Projekt um 20 weitere Antennen auf insgesamt 84 erweitert. Diese Erweiterung wird gemeinsam vom South African Radio Astronomy Observatory (SARAO) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit jeweils 20 Millionen Euro finanziert.
Durch die Erweiterung wird nicht nur die Anzahl der Antennen erhöht, sondern auch der maximale Abstand zwischen den Antennen von 8 auf 17 km vergrößert. Dies führt zu einem deutlichen Zuwachs an Empfindlichkeit, Winkelauflösung und Bildqualität.
Durch die Erweiterung wird nicht nur die Anzahl der Antennen erhöht, sondern auch der maximale Abstand zwischen den Antennen von 8 auf 17 km vergrößert. Dies führt zu einem deutlichen Zuwachs an Empfindlichkeit, Winkelauflösung und Bildqualität.
Was erforscht MeerKAT?
MeerKAT führt große Kartierungsprogramme durch, darunter die Analyse von neutralem Wasserstoffgas im Universum, um kosmologische Fragen wie die Entstehung und Verteilung von Galaxien besser zu verstehen. Zudem untersucht es Radioemissionen in Galaxien, die durch aktive supermassereiche schwarze Löcher entstehen.
Zu den klassischen Forschungsgebieten gehören Pulsare - schnell rotierende Neutronensterne, die Radiostrahlung aussenden. Vom Standort auf der Südhalbkugel hat MeerKAT einen idealen Blick auf das galaktische Zentrum und sucht nach Pulsaren, die nahe am Schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstraße vorbeilaufen, um die Relativitätstheorie zu überprüfen.
Zu den klassischen Forschungsgebieten gehören Pulsare - schnell rotierende Neutronensterne, die Radiostrahlung aussenden. Vom Standort auf der Südhalbkugel hat MeerKAT einen idealen Blick auf das galaktische Zentrum und sucht nach Pulsaren, die nahe am Schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstraße vorbeilaufen, um die Relativitätstheorie zu überprüfen.
Wie ist MeerKAT mit dem SKA verbunden?
MeerKAT ist ein Vorläufer für das Square Kilometre Array (SKA), ein internationales Projekt zum Bau des größten Radioteleskops mit einer Sammelfläche von einem Quadratkilometer. Es wird in die mittelfrequente Komponente von SKA Phase 1 integriert werden.
Das erweiterte MeerKAT-Teleskop wird zu einem späteren Zeitpunkt in den im südlichen Afrika angesiedelten Teil des SKA-Projektes integriert und einen Teil des insgesamt 197 Antennen umfassenden SKA-Teleskops darstellen. Zusammen mit anderen Vorläuferteleskopen in Australien bereitet MeerKAT den Weg für dieses Großprojekt.
Das erweiterte MeerKAT-Teleskop wird zu einem späteren Zeitpunkt in den im südlichen Afrika angesiedelten Teil des SKA-Projektes integriert und einen Teil des insgesamt 197 Antennen umfassenden SKA-Teleskops darstellen. Zusammen mit anderen Vorläuferteleskopen in Australien bereitet MeerKAT den Weg für dieses Großprojekt.
Zusammenfassung
- Gigantische Teilchenstruktur von 20 Millionen Lichtjahren im Galaxienhaufen
- Radioteleskop MeerKAT enthüllt ausgedehntes Radioglühen im gesamten Cluster
- Zentrales Radiohalo mit 11,4 Millionen Lichtjahren bei ungewöhnlicher Frequenz
- Stoßwellen und Turbulenzen halten vermutlich die Teilchen in ständiger Bewegung
- Chandra-Röntgenobservatorium bestätigt extreme Dynamik des Galaxienhaufens
- Fund übertrifft bisherigen Rekordhalter Abell 2255 mit 16,3 Millionen Lichtjahren
- Entdeckung erfordert Überarbeitung bestehender Modelle zur Teilchenbeschleunigung
Siehe auch:
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