Aus & vorbei: Meyer Burger meldet Insolvenz deutscher Tochterfirmen

Nach monatelangem Ringen und mehreren Rettungsversuchen ist es nun offiziell: Die deutschen Tochtergesellschaften des Schweizer Solarherstellers Meyer Burger haben Insolvenz angemeldet. Rund 600 Mitarbeiter verlieren wohl ihre Jobs.

Deutsche Solarproduktion erneut in der Krise

Der Schweizer Solarhersteller Meyer Burger steckt schon länger in einer tiefen Krise. Das Unternehmen hatte in den letzten Jahren Probleme, in einem immer schwierigeren Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Schon 2023 hieß es daher, man wolle die Solarproduktion von Sachsen-Anhalt in die USA verlegen. Anfang 2024 schaltete sich dann die deutsche Politik in Form des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck ein, um das Werk im Land zu behalten. Spätestens mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und dem Wegbrechen des größten Kunden stand das Unternehmen dann aber am Abgrund. Jetzt ist es tatsächlich so weit.

So hat das Schweizer Unternehmen für seine deutschen Tochtergesellschaften Insolvenz beantragt. Betroffen sind zwei Standorte mit insgesamt rund 600 Mitarbeitern. In der Solarzellenfertigung Sachsen-Anhalt sind 331 Mitarbeiter beschäftigt. Am Standort Hohenstein-Ernstthal in Sachsen arbeiten 289 Personen, die bereits seit dem vergangenen Jahr in Kurzarbeit sind.


Vergebliche Rettungsversuche

Im Rahmen der laufenden Sanierungsverhandlungen war Unternehmensangaben zufolge intensiv um einen Erhalt der Standorte gerungen worden, teilte man am Samstag mit. Die notwendige Sanierung sei aber nicht erfolgreich gewesen, wie die dpa (via Business Insider) berichtet. Die Bemühungen sollen nun im Rahmen der Verfahren gemeinsam mit einem Insolvenzverwalter fortgesetzt werden.

Trotz der Insolvenzanmeldung in Deutschland sollen die Tochtergesellschaften in der Schweiz und in den USA erhalten bleiben. Die Tochter Meyer Burger (Switzerland) AG mit etwa 60 Angestellten soll ebenso weitergeführt werden wie die Meyer Burger (Americas) Ltd., obwohl alle Mitarbeiter gerade erst entlassen wurden. Auch der Aufbau einer Solarmodulproduktion im US-Bundesstaat Arizona wurde vor wenigen Tagen eingestellt. Das zeigt, dass die Probleme des Unternehmens nicht auf Deutschland beschränkt sind, sondern eine globale Dimension haben.

Nächster Rückschlag für ostdeutsche Solarindustrie

Schon 2017 hatte Deutschlands einst größter Solarmodulhersteller Solarworld Insolvenz angemeldet und seinen Standort in Freiberg mit rund 600 Mitarbeitern geschlossen. Neue Hoffnung keimte, als Meyer Burger 2021 in die Herstellung von Modulen einstieg und in den früheren Solarworld-Hallen eine neue Produktion startete. Doch bereits im Frühjahr 2024 hatte Meyer Burger das Werk geschlossen und alle 500 Beschäftigten entlassen.

Die aktuelle Entwicklung ist ein weiterer Schlag für die einst blühende deutsche Solarindustrie. Sie war seit der Jahrtausendwende über etwa eineinhalb Jahrzehnte eine Boombranche und Jobmaschine gerade in Ostdeutschland - auch wegen hoher staatlicher Förderung. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt arbeiteten nach früheren Angaben zeitweise etwa 14.000 Menschen bei Solarzellen- und Modulherstellern und weitere 2500 bei Photovoltaikausrüstern.

Eine ungewisse Zukunft

Die Insolvenz von Meyer Burger reiht sich ein in eine lange Liste von Solarunternehmen, die dem Wettbewerbsdruck aus Asien nicht standhalten konnten. Trotz technologischer Innovationen und einstigen Qualitätsvorsprüngen scheint die Produktion in Deutschland unter den aktuellen Marktbedingungen kaum rentabel zu sein. Ob und wie die europäische Solarindustrie langfristig überleben kann, bleibt fraglich.

Was haltet ihr von dieser Entwicklung? Kann die europäische Solarindustrie gegen die starke Konkurrenz aus Asien noch bestehen, oder braucht es stärkere politische Maßnahmen? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Deutsche Tochtergesellschaften von Meyer Burger melden Insolvenz an
  • Rund 600 Mitarbeiter an zwei Standorten in Sachsen und Sachsen-Anhalt betroffen
  • Trotz intensiver Sanierungsverhandlungen keine erfolgreiche Rettung möglich
  • Tochtergesellschaften in der Schweiz und USA sollen weiterhin bestehen bleiben
  • Meyer Burger startete 2021 in ehemaligen Solarworld-Hallen die Produktion
  • Europäische Solarindustrie kämpft seit Jahren gegen Wettbewerbsdruck aus Asien
  • Einst blühende Solarbranche in Deutschland beschäftigte bis zu 14.000 Menschen

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Bluetti AC200Max im Preisvergleich
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!