Verstecktes Brodeln: So extrem haben wir Jupiter & Io noch nie gesehen
Neue NASA-Daten zeigen, wie sich extreme Hitze unter der Oberfläche des Jupitermonds Io verteilt und wie sich riesige Zyklone rund um den Nordpol von Jupiter bewegen - beides mit bislang nicht erreichter Genauigkeit.
"Alles am Jupiter ist extrem. Der Planet beherbergt gigantische polare Wirbelstürme, die größer als Australien sind, heftige Jetstreams, den vulkanischsten Körper in unserem Sonnensystem, das stärkste Polarlicht und die aggressivsten Strahlungsgürtel", so Missionsleiter Scott Bolton.
Die Messungen stammen unter anderem vom Mikrowellenradiometer (MWR) und dem Infrarotinstrument JIRAM an Bord der Sonde. Damit untersuchte das Team auch den Jupitermond Io. Dabei entdeckten sie unter der Oberfläche an fast allen Orten noch warme Lava, die sich nach einem Ausbruch bisher nicht vollständig abgekühlt hat. Etwa zehn Prozent der Mondoberfläche zeigen solche Merkmale.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Inneren von Io große Hitze entsteht, die über die Lavafelder und unterirdischen Kanäle nach außen transportiert wird. "Ios Vulkane und Lavafelder funktionieren wie ein Kühler, der die innere Hitze nach außen abführt", erklärt Juno-Teammitglied Shannon Brown.
Auch bei Jupiter lieferte Juno neue Erkenntnisse. Ein mit Radiowellen durchgeführtes Experiment ermöglichte erstmals die Sammlung von präzisen Temperaturdaten in der nördlichen Stratosphäre. Diese Region ist rund 11 °C kälter als ihre Umgebung und von Jetstreams mit über 160 km/h umgeben. Die Technik basiert auf der Ablenkung eines von der Erde ausgesandten Radiosignals durch verschiedene Atmosphärenschichten, deren Modifikation beim Empfang präzise Rückschlüsse auf Temperatur und Dichte erlaubt.
JIRAM-Instrument zeigt den zentralen Wirbelsturm am Nordpol des Jupiters
Siehe auch:
Jupiter enthüllt: Neue Daten zeigen Verborgenes
Neue Daten der NASA-Mission Juno geben tiefe Einblicke in bislang unerforschte Bereiche des Jupitersystems. Zum ersten Mal konnten Temperaturprofile unter der Wolkendecke des Gasriesen und direkt unter der Oberfläche des Mondes Io erstellt werden - mit spannenden neuen Ergebnissen für die Atmosphärenforschung und die Erforschung planetarer Vulkane."Alles am Jupiter ist extrem. Der Planet beherbergt gigantische polare Wirbelstürme, die größer als Australien sind, heftige Jetstreams, den vulkanischsten Körper in unserem Sonnensystem, das stärkste Polarlicht und die aggressivsten Strahlungsgürtel", so Missionsleiter Scott Bolton.
Neueste Daten vom Südpol des Jupitermondes Io
Die Messungen stammen unter anderem vom Mikrowellenradiometer (MWR) und dem Infrarotinstrument JIRAM an Bord der Sonde. Damit untersuchte das Team auch den Jupitermond Io. Dabei entdeckten sie unter der Oberfläche an fast allen Orten noch warme Lava, die sich nach einem Ausbruch bisher nicht vollständig abgekühlt hat. Etwa zehn Prozent der Mondoberfläche zeigen solche Merkmale.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Inneren von Io große Hitze entsteht, die über die Lavafelder und unterirdischen Kanäle nach außen transportiert wird. "Ios Vulkane und Lavafelder funktionieren wie ein Kühler, der die innere Hitze nach außen abführt", erklärt Juno-Teammitglied Shannon Brown.
Auch bei Jupiter lieferte Juno neue Erkenntnisse. Ein mit Radiowellen durchgeführtes Experiment ermöglichte erstmals die Sammlung von präzisen Temperaturdaten in der nördlichen Stratosphäre. Diese Region ist rund 11 °C kälter als ihre Umgebung und von Jetstreams mit über 160 km/h umgeben. Die Technik basiert auf der Ablenkung eines von der Erde ausgesandten Radiosignals durch verschiedene Atmosphärenschichten, deren Modifikation beim Empfang präzise Rückschlüsse auf Temperatur und Dichte erlaubt.
JIRAM-Instrument zeigt den zentralen Wirbelsturm am Nordpol des Jupiters
Noch einiges vor
Ein weiterer Fokus lag auf den langlebigen Zyklonen am Nordpol Jupiters. Aufnahmen der JunoCam und JIRAM zeigen, wie sich die neun Stürme langsam zum Pol hinbewegen - angetrieben durch die sogenannte "Beta Drift". Dabei verhalten sich die Zyklone wie auf Federn montierte Objekte, die einander abstoßen und stabilisieren. Laut Yohai Kaspi vom Weizmann Institute sei das Verhalten "vergleichbar mit mechanischen Systemen", was auch für Atmosphärenforschung auf anderen Planeten relevant sein könnte.Eines der großen Merkmale von Juno ist die sich ständig verändernde Umlaufbahn, die bei jedem Vorbeiflug neue Perspektiven ermöglichtDie neuen Erkenntnisse wurden auf der Generalversammlung der European Geosciences Union am 29. April in Wien präsentiert. Die nächste Annäherung an Io ist laut NASA für den 6. Mai geplant. Dabei erwarten die Forschenden weitere Daten zu dem noch aktiven Vulkanausbruch, der zuletzt am 2. März nachgewiesen wurde. Es bleibt also weiter spannend rund um Jupiter.
Warum ist Io so aktiv?
Ios außergewöhnliche vulkanische Aktivität wird durch die starken Gezeitenkräfte des Jupiter verursacht. Diese Kräfte entstehen durch das Zusammenspiel der Gravitationsfelder von Jupiter und den anderen galileischen Monden.
Durch diese Kräfte wird Io permanent verformt und aufgeheizt, was zu intensiver vulkanischer Aktivität führt. Die Oberfläche des Mondes wird ständig durch neue Lavaströme und Schwefelablagerungen erneuert.
Durch diese Kräfte wird Io permanent verformt und aufgeheizt, was zu intensiver vulkanischer Aktivität führt. Die Oberfläche des Mondes wird ständig durch neue Lavaströme und Schwefelablagerungen erneuert.
Wie heiß ist es auf Io?
Die Oberflächentemperatur auf Io schwankt extrem. An den aktiven Vulkanen wurden Temperaturen von bis zu 1.700 Grad Celsius gemessen, was die Lavaströme zu den heißesten im Sonnensystem macht.
Die durchschnittliche Oberflächentemperatur liegt dagegen bei etwa -130 Grad Celsius. Dieser extreme Temperaturunterschied macht Io zu einem der faszinierendsten Himmelskörper in unserem Sonnensystem.
Die durchschnittliche Oberflächentemperatur liegt dagegen bei etwa -130 Grad Celsius. Dieser extreme Temperaturunterschied macht Io zu einem der faszinierendsten Himmelskörper in unserem Sonnensystem.
Wie wurde Io entdeckt?
Io wurde im Januar 1610 von Galileo Galilei entdeckt. Er war der erste, der den Mond zusammen mit Europa, Ganymed und Kallisto beobachtete, weshalb diese auch als die galileischen Monde bekannt sind.
Die vulkanische Aktivität wurde erst 1979 durch die Raumsonde Voyager 1 entdeckt. Dies war die erste Beobachtung aktiver Vulkane außerhalb der Erde und revolutionierte unser Verständnis des Sonnensystems.
Die vulkanische Aktivität wurde erst 1979 durch die Raumsonde Voyager 1 entdeckt. Dies war die erste Beobachtung aktiver Vulkane außerhalb der Erde und revolutionierte unser Verständnis des Sonnensystems.
Wie groß ist Io?
Io ist mit einem Durchmesser von 3.642 Kilometern etwas größer als der Erdmond. Er ist der drittgrößte der galileischen Monde und der viertgrößte Mond im Sonnensystem.
Seine Masse beträgt etwa ein Fünfzigstel der Erdmasse, was ihn zu einem der dichtesten Monde im Sonnensystem macht. Diese hohe Dichte deutet auf einen großen Eisenkern hin.
Seine Masse beträgt etwa ein Fünfzigstel der Erdmasse, was ihn zu einem der dichtesten Monde im Sonnensystem macht. Diese hohe Dichte deutet auf einen großen Eisenkern hin.
Hat Io eine Atmosphäre?
Io besitzt eine sehr dünne Atmosphäre, die hauptsächlich aus Schwefeldioxid besteht. Diese Atmosphäre entsteht durch die vulkanischen Ausgasungen und wird ständig erneuert.
Die Atmosphäre ist jedoch nicht stabil, da Ios Schwerkraft zu schwach ist, um die Gase dauerhaft zu halten. Ein Teil der Gase entweicht ins All und bildet einen Plasmatorus um die Jupiterbahn.
Die Atmosphäre ist jedoch nicht stabil, da Ios Schwerkraft zu schwach ist, um die Gase dauerhaft zu halten. Ein Teil der Gase entweicht ins All und bildet einen Plasmatorus um die Jupiterbahn.
Wie viele Vulkane hat Io?
Auf Io wurden über 400 aktive Vulkane nachgewiesen, was ihn zum vulkanisch aktivsten Körper im Sonnensystem macht. Die Vulkane sind über die gesamte Oberfläche verteilt.
Einige dieser Vulkane können Lavafontänen bis zu 500 Kilometer hoch in den Weltraum schleudern. Die vulkanische Aktivität ist so intensiv, dass die Oberfläche von Io sich alle paar Jahre komplett erneuert.
Einige dieser Vulkane können Lavafontänen bis zu 500 Kilometer hoch in den Weltraum schleudern. Die vulkanische Aktivität ist so intensiv, dass die Oberfläche von Io sich alle paar Jahre komplett erneuert.
Zusammenfassung
- NASA-Mission Juno liefert neue Einblicke ins Jupitersystem
- Temperaturprofile unter Jupiters Wolkendecke und Ios Oberfläche erstellt
- Warme Lava unter fast der gesamten Oberfläche des Jupitermonds Io entdeckt
- Jupiters nördliche Stratosphäre ist 11 °C kälter als die Umgebung
- Neun Zyklone am Nordpol Jupiters bewegen sich langsam zum Pol hin
- Nächste Annäherung an Io für den 6. Mai 2025 geplant
- Aktiver Vulkanausbruch auf Io zuletzt am 2. März 2025 nachgewiesen
Siehe auch:
- Hubble: Jupiters Roter Fleck wird gequetscht - niemand weiß, warum
- Verborgener Ozean des Jupitermonds: Historisches Abenteuer startet
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