Krebsgeschwür Callcenter: Neuer UN-Bericht zu Scams lässt aufhorchen

Es hat sich etwas verändert rund um das Betrugsgeschäft mit Callcentern. Wie die UN warnen, expandieren kriminelle Scam-Organisationen mit hochprofessionellen Strukturen immer schneller um den Globus.
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Globale Expansion von Scam-Callcentern

Betrügerische Callcenter verbreiten sich weltweit in rasantem Tempo. Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen haben sich kriminelle Organisationen, die bisher hauptsächlich in Ost- und Südostasien operierten, inzwischen international ausgebreitet. Die UN-Experten warnen in ihrem aktuellen Bericht (PDF) vor einem "kritischen Wendepunkt" bei der Bekämpfung dieser Form der Cyberkriminalität.

Es breitet sich aus wie ein Krebsgeschwür. Die Behörden greifen in einem Bereich ein, doch die Wurzeln verschwinden nicht - sie breiten sich woanders hin aus.
Benedikt Hofmann, UNODC
Die Netzwerke, die hinter den Betrugsmaschen stehen, haben in den vergangenen Jahren industrielle Ausmaße angenommen. Hunderte Scam-Callcenter erwirtschaften jährlich geschätzte 27 bis knapp 40 Milliarden Dollar (etwa 23,8 bis 35,3 Milliarden Euro). Nach Razzien in den bisherigen Hochburgen Kambodscha, Myanmar, Philippinen und Laos sind die Betrüger nun auf der Suche nach neuen Standorten.


Viele Mitarbeitende in diesen Callcentern sind laut UNODC selbst Opfer. Sie wurden mit falschen Jobversprechen aus über 50 Ländern - darunter Nigeria, Indien, Nepal und Vietnam - rekrutiert und zur Arbeit in Scam-Zentren gezwungen. Menschenhandel und Zwangsarbeit sind ein systemisches Element dieser kriminellen Industrie.

"Es breitet sich aus wie ein Krebsgeschwür. Die Behörden greifen in einem Bereich ein, doch die Wurzeln verschwinden nicht - sie breiten sich woanders hin aus." So habe sich ein international verknüpftes Ökosystem entwickelt, angetrieben von Syndikaten, die Schwachstellen in Gesetzen ausnutzen und die Gesetzgebung korrumpieren, erklärte Benedikt Hofmann vom UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) gegenüber The Register.

Die Betrugsmaschen haben längst neue Regionen erreicht. In Europa haben sich neben Russland vor allem Georgien und die Türkei zu Hotspots entwickelt. So wurde im März 2025 ein Callcenter in der georgischen Hauptstadt Tiflis aufgedeckt, das seit 2022 aktiv war und mehr als 35 Millionen Dollar (etwa 30,9 Millionen Euro) von über 6000 Opfern weltweit erbeutet hatte.

Finanzierung weiterer krimineller Aktivitäten

Die enormen Einnahmen aus den Betrugsmaschen dienen den kriminellen Organisationen als Finanzierungsquelle für weitere illegale Geschäfte. Mit den Gewinnen kaufen die Syndikate etwa Grundstücke und Immobilien auf pazifischen Inseln. Dort errichten sie Hotels, Casinos und Reisebüros als Tarnung für illegales Online-Glücksspiel, Drogen- und Menschenhandel sowie Geldwäsche.

Die UNODC hat auch konkrete Namen genannt: Ein zentraler Akteur ist demnach die Plattform "Huione Guarantee", die inzwischen unter dem Namen "Haowang" firmiert. Über das Netzwerk sollen seit 2021 mehr als 24 Milliarden US-Dollar in Kryptowährungen gewaschen worden sein - darunter Erlöse aus Betrug, Glücksspiel und Erpressung. Die Plattform soll als inoffizielles "Clearinghaus für Kriminelle" weltweit agieren.

Technologische Aufrüstung

Die Betrüger setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz, Deepfakes und eigene Stablecoins, um Opfer zu täuschen und Ermittlungen zu erschweren. Laut UNODC betreiben viele Syndikate inzwischen eigene Krypto-Exchanges, Chatplattformen und Zahlungsdienste - oft registriert unter legal klingenden Marken in Kanada, Hongkong oder Polen.

UNODC beschreibt das Scam-Ökosystem als "hochgradig professionalisiert". Kriminelle Gruppen agieren wie multinationale Unternehmen: mit Buchhaltung, Personalabteilungen, IT-Support und multilingualen Mitarbeiterteams - viele davon durch Menschenhandel zwangsverpflichtet.

Was tun?

Das UNODC empfiehlt, den Fokus nicht nur auf einzelne Razzien zu legen, sondern die Geldflüsse der kriminellen Netzwerke zu verfolgen. Nur durch internationale Zusammenarbeit könne man die Beute beschlagnahmen und das Problem an der Wurzel packen. Zudem seien stärkere Regulierungen nötig, um zu verhindern, dass Scam-Callcenter in neuen Regionen Fuß fassen können.

Was jetzt laut UNODC nötig wäre
  • Internationale Taskforces zur Verfolgung digitaler Geldflüsse
  • Strenge Regulierung von Krypto-Plattformen und Online-Zahlungsdiensten
  • Whistleblower-Schutz und Korruptionsbekämpfung in betroffenen Staaten
  • Technische Schulung von Ermittlern im Umgang mit KI, Blockchain und Deepfakes

Was haltet ihr von dieser Entwicklung? Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit Betrugsanrufen gemacht oder kennt ihr jemanden, der Opfer solcher Maschen wurde? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Betrügerische Callcenter breiten sich laut UN-Bericht weltweit aus
  • Kriminelle Netzwerke erwirtschaften jährlich bis zu 40 Milliarden Dollar
  • Viele Callcenter-Mitarbeiter sind selbst Opfer von Menschenhandel
  • Betrugsmaschen erreichen neue Regionen wie Europa und Afrika
  • Gewinne dienen zur Finanzierung weiterer illegaler Geschäfte
  • Kriminelle nutzen KI, Deepfakes und eigene Kryptowährungen
  • UNODC empfiehlt internationale Zusammenarbeit und stärkere Regulierung

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