Guter Geruch macht Akkus viel stärker:
EU-Forscher finden Heileffekt

Ein natürlicher Duftstoff könnte die Energiespeicherung verbessern: Ein Team des Max-Planck-Instituts hat aus Linalool, einem Bestand­teil von Lavendelöl, ein spezielles Nanomaterial entwickelt. Es ver­bes­sert die Leistung von Batterien erheblich.
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Lavendel-Revolution: Pflanzentrick boostet Akkus

Natrium-Schwefel-Batterien gelten als vielversprechende Energiespeicher für Strom aus Wind und Sonne. Sie bestehen aus Natrium, Schwefel und Kohlenstoff - allesamt Materialien, die in großen Mengen verfügbar sind. Ein Problem war bisher, dass sie nach wenigen Ladezyklen an Kapazität verlieren. Der Grund: Beim Laden und Entladen entstehen sogenannte Polysulfide - chemische Ver­bin­dun­gen, die sich unkontrolliert im Akku verteilen und dabei die Elektroden angreifen.

Um diesen Effekt zu reduzieren, hat das Max-Planck-Forschungsteam eine Lösung entwickelt, die Europa unabhängig von seltenen Rohstoffen aus anderen Ländern machen könnte: Aus Schwefel und Linalool, dem Hauptbestandteil von Lavendelöl, wurde eine feine Kohlenstoffstruktur hergestellt. Diese besitzt win­zi­ge Poren, die 100.000-mal schmaler sind als ein menschliches Haar. Poly­sul­fi­de bleiben in diesen Poren eingeschlossen, während sich Natrium-Ionen weiter­hin frei bewegen können. Dadurch wird der Akku stabiler.


Es ist faszinierend, zukünftige Batterien mit etwas zu gestalten, das in unseren Gärten wächst.
Paolo Giusto, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut
Tests haben gezeigt, dass diese Technik erstaunlich gut funktioniert: Nach 1500 Lade- und Entladezyklen hatten die Akkus immer noch mehr als 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität. "Damit erweist sich die Batterie als langlebig genug für die praktische Anwendung", so die Forscher. Zudem konnte mit der neuen Kathode eine Energiedichte von über 600 Milliamperestunden pro Gramm erreicht werden - ein Rekordwert für diesen Batterietyp. Das bedeutet, dass mehr Energie pro Gewichtseinheit gespeichert werden kann als in bisherigen Natrium-Schwefel-Akkus - alles dank des Tricks mit dem natürlichen "Stabilisator".

Aus dem Labor

"Mit einem kreativen Blick auf die Natur finden wir Lösungen für viele Heraus­for­de­run­gen der Energiewende", so Giusto. Jetzt geht es, wie immer bei solchen Ent­de­ckun­gen, darum, sie aus dem Labor möglichst schnell in die Praxis zu über­füh­ren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Small veröffentlicht.

Geschichte der Batterieentwicklung

  • 1780
    Luigi Galvani entdeckt durch sein berühmtes Froschschenkelexperiment das Phänomen der Muskelkontraktion durch metallische Kontakte
  • 1800
    Alessandro Volta demonstriert, dass der Stromfluss auf der Wechselwirkung unterschiedlicher Metalle beruht und erfindet die Voltasche Säule - die Geburtsstunde der modernen Batterie
  • 1801
    Johann Wilhelm Ritter entwickelt die erste wiederaufladbare Zelle durch Optimierung der Elektrodenkonfiguration
  • 1836
    John Frederic Daniell führt das Daniell-Element ein, eine Nassbatterie mit getrennten Kupfer- und Zinksulfatlösungen für stabilere Spannung
  • 1859
    Gaston Plante revolutioniert die Technik mit der Erfindung der Blei-Säure-Batterie, dem ersten praktisch nutzbaren Akkumulator
  • 1866
    Georges Leclanché treibt die Entwicklung trockener Batteriezellen voran und erfindet die Zink-Kohle-Batterie mit Ammoniumchlorid-Paste als Elektrolyt
  • 1881
    Gustave Trouvé verwendet die Blei-Säure-Batterie im ersten Elektroauto
  • 1887
    Carl Gassner perfektioniert das Konzept durch die Einführung der vollständig versiegelten Trockenbatterie
  • 1901
    Erste Anwendung von versiegelten Trockenbatterien in Taschenlampen - Beginn der Konsumelektronik
  • 1950
    Aufstieg der Nickel-Cadmium (NiCd)-Batterien mit höherer Energiedichte und Zyklenfestigkeit
  • 1979
    John Bannister Goodenough entwickelt die Lithium-Kobaltoxid-Kathode, das Fundament für moderne Lithium-Ionen-Akkus
  • 1980
    Nickel-Metallhydrid (NiMH)-Akkus lösen die NiCd-Technologie teilweise ab, verzichten auf toxisches Cadmium und bieten höhere Kapazitäten
  • 1991
    Sony kommerzialisiert erstmals die Lithium-Ionen-Technologie und löst damit eine technologische Revolution aus
  • 2025
    Festkörperakkus drängen in die Marktreife, ersetzen flüssige Elektrolyte durch feste Ionenleiter
  • 2026
    Natrium-Ionen-Batterien könnten eine neue Ära einläuten und die Rohstoffabhängigkeit signifikant verringern
  • 2027
    Firmen wie ProLogium und Toyota planen die Serienproduktion von Festkörperakkus mit bis zu 500 Wh/kg und Ladezeiten unter fünf Minuten für 300 km Reichweite
  • 2030
    Mercedes-Benz strebt die Integration von Festkörperbatterien in Fahrzeuge an, was eine Verdoppelung der aktuellen Leistungsparameter bedeuten würde

Zusammenfassung
  • Natürlicher Duftstoff Linalool verbessert die Energiespeicherung in Akkus
  • Nanomaterial aus Lavendelöl-Bestandteil verlängert die Batterielebensdauer
  • Natrium-Schwefel-Batterien als vielversprechende Energiespeicher
  • Kohlenstoffstruktur mit winzigen Poren hält schädliche Polysulfide zurück
  • Neue Technik erreicht Rekordwert bei Energiedichte von Natrium-Schwefel-Akkus
  • Nach 1500 Ladezyklen behalten Akkus über 80 Prozent ihrer Kapazität
  • Die Entdeckung könnte Europa unabhängiger von seltenen Rohstoffen machen

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