Einzigartiger Datensatz verspricht Sprung für die Kosmologie

Ein spezieller Datensatz eines ganz bestimmten Supernova-Typen könnte unser Verständnis der Expansion des Universums verändern. Diese speziellen kosmischen Explosionen sind ein wichtiges Mess­instrument für die Bestimmung von Entfernungen im All.
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Neuer Datensatz revolutioniert Blick ins Universum

Das Zwicky Transient Facility (ZTF), ein astronomisches Beobachtungsprojekt am Samuel Oschin Teleskop des Palomar-Observatoriums in Kalifornien, hat in nur zweieinhalb Jahren die Anzahl der für die Forschung verfügbaren Typ-Ia-Supernovae auf fast 3000 verdoppelt. Typ-Ia-Supernovae entstehen, wenn weiße Zwergsterne am Ende ihres Lebens explodieren. Sie gelten als "Standardkerzen" im Universum, da ihre Helligkeit relativ einheitlich ist.

Die ZTF-Kamera am Samuel Oschin Teleskop spielt bei dieser Entdeckung eine Schlüsselrolle. Sie scannt täglich den gesamten nördlichen Himmel und kann Objekte erfassen, die millionenfach schwächer sind als die mit bloßem Auge sichtbaren Sterne. Dies ermöglicht die Entdeckung von durchschnittlich vier Supernovae pro Nacht.


Was macht den Datensatz so besonders?
  • Zugang zu einem so großen und homogenen Datensatz für Astrophysiker
  • Typ-Ia-Supernovae sind selten: ca. eine pro 1000 Jahre in einer typischen Galaxie
  • ZTF's Tiefe und Beobachtungsstrategie ermöglicht die Entdeckung von fast 4 Supernovae pro Nacht
  • In nur 2,5 Jahren hat ZTF die Anzahl der für die Forschung verfügbaren Typ-Ia-Supernovae für die Kosmologie verdoppelt
  • Fast 3000 Typ-Ia-Supernovae wurden gesammelt, verglichen mit den Daten der letzten 30 Jahre

Dr. Mathew Smith von der Lancaster University erklärt die Bedeutung dieser Daten: "Diese Veröffentlichung ist ein völlig neuer Datensatz für die Supernova-Kosmologie. Wir können dadurch sowohl neue Erkenntnisse über die Expansion des Universums als auch über die grundlegende Physik von Supernovae gewinnen." Die in Astronomy & Astrophysics veröffentlichte Studie zeigt, dass Typ-Ia-Supernovae stärker von ihrer Umgebung beeinflusst werden als bisher angenommen.

Dieser Datensatz ist in Größe und Einheitlichkeit so einzigartig, dass wir erwarten, dass er das Feld der Supernova-Kosmologie erheblich beeinflussen und zu vielen weiteren neuen Entdeckungen führen wird.
Leiter der ZTF-Arbeitsgruppe Kosmologie Dr. Mickael Rigault

Verändert alles

Diese Erkenntnis könnte Auswirkungen auf die bisherigen Methoden zur Messung kosmischer Distanzen haben. Sie könnte erklären, warum aktuelle Messungen vom Standardmodell der Kosmologie abweichen. Möglicherweise müssen Wissenschaftler ihre Vorstellungen von der dunklen Energie - einer mysteriösen Kraft, die die Expansion des Universums beschleunigt - wegen dieses Datensatzes überdenken.

Was ist eine Supernova?
Eine Supernova ist die gewaltige Explosion eines sterbenden Sterns, bei der innerhalb weniger Sekunden so viel Energie freigesetzt wird wie unsere Sonne in ihrer gesamten Lebenszeit abstrahlt. Dabei leuchtet der Stern kurzzeitig heller als eine ganze Galaxie.

Die Explosion schleudert die äußeren Schichten des Sterns mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10.000 Kilometern pro Sekunde ins All. Dabei werden auch schwere Elemente wie Gold und Uran gebildet, die für die Entstehung von Planeten wichtig sind.
Wann explodiert unsere Sonne?
Beruhigend: Unsere Sonne wird niemals als Supernova enden. Sie ist mit einer Masse von etwa einer Sonnenmasse zu leicht für eine solch gewaltige Explosion. Stattdessen wird sie sich zu einem Roten Riesen aufblähen.

Nach aktuellen Berechnungen wird unsere Sonne in etwa 5 Milliarden Jahren ihr Leben als Weißer Zwerg beenden. Dieser Prozess wird zwar dramatisch sein, aber keine Gefahr für eventuell dann noch existierendes Leben in unserem Sonnensystem darstellen.
Wie oft gibt es Supernovae?
In unserer Milchstraße ereignet sich durchschnittlich alle 50 Jahre eine Supernova. Aufgrund von Staub und Gas können wir jedoch nur einen kleinen Teil davon von der Erde aus beobachten.

Im gesamten beobachtbaren Universum werden pro Sekunde etwa 30 Supernovae gezählt. Die letzte in unserer Galaxie mit bloßem Auge sichtbare Supernova wurde im Jahr 1604 von Johannes Kepler dokumentiert.
Droht uns Gefahr von Supernovae?
Eine Supernova müsste näher als 50-100 Lichtjahre sein, um der Erde ernsthaften Schaden zuzufügen. Zum Glück befinden sich in diesem Bereich keine Sterne, die kurz vor einer Explosion stehen.

Der nächste potenzielle Supernova-Kandidat ist Beteigeuze, etwa 640 Lichtjahre entfernt. Seine Explosion würde zwar ein spektakuläres Himmelsereignis darstellen, wäre aber ungefährlich für die Erde.
Wie entdeckt man Supernovae?
Moderne Teleskope und automatisierte Suchprogramme scannen jede Nacht den Himmel nach Helligkeitsveränderungen. Sobald ein neuer heller Punkt erscheint, wird dieser genauer untersucht.

Auch Amateurastronomen tragen zur Entdeckung bei. Mit relativ einfacher Ausrüstung können sie Galaxien fotografieren und durch den Vergleich mit älteren Aufnahmen neue Supernovae finden.
Was bleibt nach einer Supernova?
Je nach Masse des ursprünglichen Sterns entstehen unterschiedliche Überreste. Bei leichteren Sternen bildet sich ein Neutronenstern - ein extrem dichter Körper von nur etwa 20 Kilometer Durchmesser.

Bei sehr massereichen Sternen entsteht ein Schwarzes Loch. Um den zentralen Überrest herum bildet sich ein expandierender Supernovaüberrest, der noch jahrtausendelang im All sichtbar bleibt.
Wie entstehen Supernovae?
Es gibt zwei Haupttypen: Typ Ia entsteht, wenn ein weißer Zwerg Material von einem Begleitstern aufnimmt und eine kritische Masse erreicht. Die Explosion zerstört den Stern dabei vollständig.

Typ II tritt am Ende des Lebens massereicher Sterne auf, wenn der Kernbrennstoff erschöpft ist. Der Kern kollabiert, während die äußeren Schichten explosionsartig ins All geschleudert werden.
Wozu erforscht man Supernovae?
Supernovae sind wichtige kosmische Laboratorien. Sie helfen uns, die Entstehung schwerer Elemente zu verstehen und dienen als "Standardkerzen" zur Messung kosmischer Entfernungen.

Die Erforschung von Supernovae hat maßgeblich zu unserer Erkenntnis über die beschleunigte Expansion des Universums beigetragen, wofür 2011 der Nobelpreis für Physik verliehen wurde.
Zusammenfassung
  • ZTF verdoppelt die verfügbaren Typ-Ia-Supernovae in nur 2,5 Jahren
  • Typ-Ia-Supernovae dienen als 'Standardkerzen' zur Entfernungsmessung
  • ZTF-Kamera scannt täglich den nördlichen Himmel, entdeckt 4 Supernovae/Nacht
  • Der Datensatz ermöglicht neue Erkenntnisse über die Expansion des Universums
  • Typ-Ia-Supernovae stärker von Umgebung beeinflusst als bisher angenommen
  • Ergebnisse könnten Vorstellungen von dunkler Energie beeinflussen

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