Exxon: FBI knackt Netzwerk, das Umweltgruppen hackte und bespitzelte

Ein Unternehmen, das über viele Jahre als Lobbyist für den Ölkonzern ExxonMobil arbeitete, wird sich jetzt vor Gericht verantworten müssen. Es soll systematisch Systeme von Umweltgruppen gehackt und deren interne Kommunikation ausspioniert haben.
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Ein Ölkonzern als Opfer

Die US-Bundespolizei FBI ermittelte im Fall dieser sogenannten Hack-and-Leak-Operation, bei der Umweltaktivisten und Kritiker des Ölkonzerns gezielt angegriffen wurden. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Quellen soll die Operation auf eine Liste potenzieller Ziele zurückgehen, die 2015 von der Lobbyfirma DCI Group im Auftrag von Exxon erstellt wurde, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Die DCI Group, eine PR- und Lobbyagentur, übermittelte die Zielnamen demnach an den israelischen Privatdetektiv Amit Forlit, der daraufhin Hacker mit der Durchführung der Angriffe beauftragte. Unter den Opfern waren prominente Umweltschützer, Anwälte und Organisationen, die Exxon wegen seiner Rolle im Klimawandel kritisierten. Dokumente, die durch diese Hackerangriffe erbeutet wurden, wurden später gezielt an Medien weitergeleitet. Exxon sollte sich so letztlich als Opfer einer politischen Kampagne darstellen können.


Die gestohlenen Daten beeinflussten die Vorbereitung von Klagen, die Städte und Bundesstaaten gegen Exxon und andere Energieunternehmen wegen Täuschung der Öffentlichkeit in Bezug auf Klimarisiken einreichten. Anwälte und Aktivisten berichteten, dass die Veröffentlichung der Daten ihre Arbeit erheblich behinderte. Die Informationen werden bis heute in rechtlichen Auseinandersetzungen genutzt, um Exxon zu verteidigen.

Einschüchterung per Hack

Im April zitierte eine industrienahe Lobbygruppe, die von Exxon finanziert wurde, ein gestohlenes internes Memo, um eine Klage der Stadt Honolulu gegen das Unternehmen zu stoppen. Der Einsatz der Dokumente hat laut Kritikern auch abschreckende Wirkung auf Aktivisten, die sich gegen mächtige Unternehmen zur Wehr setzen wollen.

Der israelische Detektiv Forlit wurde kürzlich in London verhaftet und kämpft gegen seine Auslieferung an die USA, wo ihm Hacking und Betrug vorgeworfen werden. Sein früherer Geschäftspartner, der Privatdetektiv Aviram Azari, wurde bereits 2022 zu rund sechs Jahren Haft verurteilt, nachdem er sich schuldig bekannte, E-Mails von Aktivisten gehackt zu haben. Die DCI Group und ExxonMobil bestreiten derzeit jegliche Kenntnis oder Beteiligung an den Hacking-Aktivitäten.

Zusammenfassung
  • FBI ermittelt gegen Lobbyfirma wegen Hacking von Umweltgruppen
  • DCI Group erstellte 2015 Zielliste für ExxonMobil-Lobbyarbeit
  • Israelischer Detektiv beauftragte Hacker mit Angriffen auf Aktivisten
  • Gestohlene Daten behinderten Klagen gegen Exxon wegen Klimarisiken
  • Veröffentlichte Informationen werden bis heute zur Verteidigung genutzt
  • Detektiv Forlit in London verhaftet, Auslieferung droht
  • Exxon und DCI Group bestreiten Kenntnis von Hacking-Aktivitäten

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