Neue Berechnungen: Eis-arme Antarktis sorgt für Chaos in den Modellen

Die bisherigen Modelle zu den Auswirkungen der Klimakrise auf den Anstieg des Meeresspiegels ließen einen wichtigen Faktor außer Acht. Neue Berechnungen zeigen nun, dass Prognosen viel schwieriger werden, als bisher angenommen.
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Schweres Eis hat Wirkung

Das Problem in den neuen Modellen ist hauptsächlich der Eisverlust der Antarktis. Nahezu der gesamte Kontinent ist von einem Eispanzer bedeckt, der im Mittel immerhin 2,3 Kilometer dick ist. Diese Schicht wiegt natürlich einiges - und da sie aufgrund der Erderwärmung langsam abschmilzt, drückt weniger Gewicht auf die Landmasse des Kontinents und es kommt zu einer sogenannten postglazialen Hebung.

Dies bedeutet, dass eine ganze Kontinentalplatte leichter wird und nach oben steigt. Welche Auswirkungen das haben kann, ist derzeit kaum kalkulierbar. Es gibt Modellsimulationen, nach denen der Anstieg des Meeresspiegels dadurch um 40 Prozent verlangsamt wird - andere Szenarien kommen hingegen zu Ergebnissen, die wesentlich schlimmer sind als alles, was bisher erwartet wurde.


"Mit fast 700 Millionen Menschen, die in Küstenregionen leben, und den potenziellen Kosten des Meeresspiegelanstiegs, die bis zum Ende des Jahrhunderts in die Billionen gehen könnten, ist es entscheidend, den Dominoeffekt der Eisschmelze in der Antarktis zu verstehen", erklärte Natalya Gomez, Glaziologin an der McGill University.

Antarktis-Boden ist formbar

Gomez und ihr Team untersuchten den Erdmantel unter dem antarktischen Eisschild und stellten fest, dass dieser in bestimmten Bereichen besonders weich und formbar ist. Die seismischen Daten zeigten, dass diese hohe Viskosität des Mantels zu einer unerwartet schnellen Hebung des Landes führt. "Unsere Messungen zeigen, dass die feste Erde, die die Basis des antarktischen Eisschilds bildet, sich überraschend schnell verformt", erklärte Terry Wilson, Geologe an der Ohio State University. "Die Hebung des Landes aufgrund des verringerten Eises an der Oberfläche erfolgt in Jahrzehnten, nicht über Jahrtausende."

Mithilfe von 3D-Modellen simulierte das Forschungsteam verschiedene Szenarien des Meeresspiegelanstiegs infolge der Veränderung der antarktischen Landmasse. Wenn die Erwärmung auf einem niedrigen Niveau gehalten wird, könnte der Meeresspiegel bis zum Jahr 2500 um bis zu 1,7 Meter ansteigen. Sollte die globale Erwärmung jedoch ungebremst fortschreiten, könnte der Anstieg auf bis zu 19,5 Meter anwachsen.


Die Forscher warnen jedoch, dass noch Unsicherheiten bestehen, insbesondere aufgrund des Mangels an seismischen Daten aus der Westantarktis. Diese Schätzungen berücksichtigen auch nicht die Entwicklungen in Grönland und diversen Gebirgen weltweit. Anhand der jetzt im Journal Science Advances veröffentlichten Forschungsarbeit dürfte es zukünftig noch verschiedene Projekte geben, die sich genauer mit diesem Ansatz beschäftigen.

Zusammenfassung
  • Neue Modelle zeigen komplexere Prognosen zum Meeresspiegelanstieg
  • Eisverlust in der Antarktis führt zu postglazialer Hebung des Kontinents
  • Szenarien variieren: Verlangsamung bis drastischer Anstieg möglich
  • Fast 700 Millionen Menschen in Küstenregionen potenziell betroffen
  • Seismische Daten zeigen schnelle Verformung des antarktischen Erdmantels
  • 3D-Modelle prognostizieren Meeresspiegelanstieg bis zu 19,5 Meter bis 2500
  • Forschung zeigt Bedarf an weiteren Daten und Analysen zu globalen Effekten

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