'Teile-DRM': Apple erlaubt iPhone-Reparaturen mit gebrauchten Teilen

Apple will im weiteren Jahresverlauf erstmals die Verwendung von ge­brauchten Ersatzteilen für die Reparatur von iPhones und anderen Gerä­ten aus seiner Produktion zulassen. Dies heißt jedoch nicht, dass der Konzern weniger Kontrolle über die Hardware hat - er baut sie aus.

Reparatur mit Gebrauchtteilen ab iPhone 15 möglich

Der US-Computerkonzern Apple will laut eines Berichts der Washington Post noch in diesem Jahr damit beginnen, die Nutzung von gebrauchten Bauteilen in den iPhones seiner Kunden zu ermöglichen. Bisher werden gebrauchte Teile in manchen Fällen schlichtweg nicht unterstützt oder es erscheinen zumindest verunsichernde Hinweise auf dem Display, laut denen die Kunden bei der Verwendung nicht autorisierter Teile ein Risiko eingehen.

Künftig sollen die Besitzer von neueren iPhone-Modellen, beginnend mit der aktuellen iPhone-15-Serie, die Möglichkeit haben, ihre Geräte von unabhängigen Reparaturanbietern mit gebrauchten Teilen wieder auf Vordermann bringen zu lassen. Dies gilt laut Apple für Bildschirme, Akkus, Kameras und diverse andere Produkte.


Parts-Pairing im Hintergrund

Apple gibt dabei aber nicht etwa die Kontrolle darüber auf, welche Teile in seinen Smartphones verbaut werden können. Stattdessen soll das sogenannte "Parts-Pairing", bei dem Bauteile sozusagen ab Werk einem bestimmten iPhone zugeordnet werden, künftig im Hintergrund erfolgen. Die bisher nach einer Reparatur vorausgesetzte "Systemkonfiguration" durch einen autorisierten Reparaturanbieter soll dann offenbar entfallen.

Stattdessen wird über das Internet geprüft, ob es sich bei dem für die Reparatur verwendeten Bauteil um ein offiziell von Apple gefertigtes Teil handelt, ohne dass ein Reparaturanbieter eine Seriennummer des Smartphones oder eines Teils angeben muss. Gleichzeitig erweitert Apple die sogenannte Aktivierungssperre beim iPhone künftig auch auf die Bauteile.

DRM-System für Apple-Bauteile

Der Activation-Lock wird künftig auch die Teile betreffen. Versucht man also, sein Apple-Smartphone von einem Anbieter reparieren zu lassen, der eventuell gestohlene Teile verwendet, können diese laut Apple nicht mehr bei dem zu reparierenden Geräte verwendet werden. Apple will also immer nachvollziehen können, welche Teile in welchen Geräten stecken. Im Grunde führt man damit eine Art Digital Rights Management (DRM) für iPhone-Ersatzteile ein.

Aus diesem Schritt ergeben sich durchaus einige Vorteile für die Kunden und kleinere, unabhängige Reparaturdienstleister. Auch wenn Apple nicht offiziell beginnt, gebrauchte Teile anzubieten, können die Kunden ihre Geräte künftig auch von Anbietern reparieren lassen, die nicht von Apple autorisiert sind. Dadurch sinken die Kosten und man wird flexibler.

Auch in Zukunft wird es wohl möglich sein, Ersatzteile für die Reparatur von iPhones zu verwenden, die nicht aus Apples Produktion stammen. Wie bisher wird bei der Verwendung solcher Teile eine Warnung angezeigt und bestimmte Funktionen sind unter Umständen nicht nutzbar. Apple-Manager John Ternus beteuerte gegenüber der Washington Post dennoch, dass man die Verwendung von Ersatzteilen von Drittproduzenten rundum unterstütze - solange dabei nicht das Nutzungserlebnis beeinträchtigt wird.

Hintergrund von Apples heute angekündigten Änderungen ist der wachsende Druck auf das Unternehmen durch eine steigende Zahl von gesetzlichen Regelungen oder geplanten Vorgaben rund um das sogenannte "Recht auf Reparatur". In den USA und vielen anderen Ländern fordern Verbraucherschützer und andere Initiativen seit Jahren immer wieder, dass die Käufer von Produkten aller Art die Möglichkeit haben müssen, diese selbst oder durch nicht autorisierte Dienstleister möglichst einfach zu reparieren.

Zusammenfassung
  • Apple erlaubt bald Nutzung gebrauchter Ersatzteile für iPhones
  • Kontrolle über Hardware wird über Parts-Pairing ausgebaut
  • Überprüfung der Ersatzteile erfolgt online ohne Eingabe einer Seriennummer
  • Aktivierungssperre wird auf iPhone-Bauteile ausgeweitet
  • Reparaturkosten sinken durch Zulassung nicht autorisierter Anbieter
  • Warnhinweise bleiben bei Nutzung von Drittanbieter-Ersatzteilen erhalten



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