Software-Rollout in Gesundheitsämtern technischer & politischer Zirkus
Die Open-Source-Software Sormas soll zwischen Gesundheitsämtern endlich ein effektives Netz knüpfen. Während das Bundesministerium verdrehte Erfolge vermeldet ist der Alltag in den Ämtern düster. Es fehlt an Erfahrung für die Einführung, Support ist praktisch nicht vorgesehen.
Gut zwei Wochen nach diesem Stichtag ist aus dem Bundesgesundheitsministerium jetzt zu hören, dass "bereits 290 von 400 Gesundheitszentren" Sormas "installiert" hätten. Doch selbst diese etwas verdrehte Meldung zum Nichterreichen der selbstgesteckten Ziele bleibt weit hinter dem zurück, was sich in den Gesundheitsämtern tatsächlich abspielt.
So hatte das ARD-Politikmagazin Kontraste alle 400 Gesundheitsämter angeschrieben und nach dem Status des Sormas-Rollouts befragt. Das Ergebnis: Aktuell geben in Deutschland lediglich 90 Gesundheitsämter an, tatsächlich mit der Software zu arbeiten. Ansonsten befindet sich das Programm bei den allermeisten Ämtern lediglich im "Testbetrieb" - hier ist nicht abzusehen, wann eine Einführung in den Betriebsalltag erfolgt. Und damit fällt einer der wichtigsten Vorteile der Software aktuell weg: die effektive, digitale Vernetzung aller Gesundheitsämter.
Aktuell sprechen alle Fakten dafür, dass es beim Bundesgesundheitsministerium keine Bestrebungen gab, ein umfassendes Konzept für die Einführung zu entwickeln. So hatte unter anderem die IT-Managerin Anke Sax, selbst erfahren durch Software-Rollouts in großen Unternehmen, zusammen mit der Björn-Steiger-Stiftung schon im vergangenen Jahr ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Kostenschätzung: Acht Millionen Euro. Eine Umsetzung war ohne Angabe von Gründen nicht erfolgt. "Ich würde mir wünschen, dass das Bundesgesundheitsministerium ein bisschen mehr Verantwortung übernimmt", so Sax gegenüber Kontraste.
Laut Kontraste kommt es an dieser entscheidenden Schnittstelle aber nicht nur zu technischen Reibungen. So würden Insider "hinter vorgehaltener Hand" darüber berichten, dass das RKI Sormas aktiv "boykottiert", da es als Konkurrenz zur eigenen Software wahrgenommen werde. Löbke sieht hier aktuell nur noch eine Chance, diese umfassenden Probleme zu lösen: Eine Anweisung des Bundesgesundheitsministeriums an das RKI, die die Annahme von Corona-Meldungen aus Sormas anordnet.
Von oben beschlossen, um die Umsetzung kümmern sich andere
Kontaktverfolgung ist eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen Corona, die Open-Source-Software Sormas gilt hier als bewährtes, schlagkräftiges Werkzeug, die das Nachvollziehen von Infektionswegen deutlich effektiver machen würde. Löblich, dass Deutschland hier beschloß, alle Gesundheitsämter bis Ende Februar 2021 auf das Programm umzustellen.Gut zwei Wochen nach diesem Stichtag ist aus dem Bundesgesundheitsministerium jetzt zu hören, dass "bereits 290 von 400 Gesundheitszentren" Sormas "installiert" hätten. Doch selbst diese etwas verdrehte Meldung zum Nichterreichen der selbstgesteckten Ziele bleibt weit hinter dem zurück, was sich in den Gesundheitsämtern tatsächlich abspielt.
So hatte das ARD-Politikmagazin Kontraste alle 400 Gesundheitsämter angeschrieben und nach dem Status des Sormas-Rollouts befragt. Das Ergebnis: Aktuell geben in Deutschland lediglich 90 Gesundheitsämter an, tatsächlich mit der Software zu arbeiten. Ansonsten befindet sich das Programm bei den allermeisten Ämtern lediglich im "Testbetrieb" - hier ist nicht abzusehen, wann eine Einführung in den Betriebsalltag erfolgt. Und damit fällt einer der wichtigsten Vorteile der Software aktuell weg: die effektive, digitale Vernetzung aller Gesundheitsämter.
Kein Support
Ein genauer Blick auf die Sachlage lässt dann auch wenig Hoffnung aufkommen, dass sich die Einführung plötzlich beschleunigen wird, da viele Faktoren für eine fundamentale Fehlplanung sprechen. Wie Kontraste ermittelt, ist für die 400 Gesundheitsämter in Deutschland beim zuständigen Helmholtz-Zentrum ein Rollout-Team von fünf Mitarbeitern vorgesehen. Für Nachfragen wurde eine Hotline eingerichtet, die mit "einer einzigen Person" besetzt ist.Aktuell sprechen alle Fakten dafür, dass es beim Bundesgesundheitsministerium keine Bestrebungen gab, ein umfassendes Konzept für die Einführung zu entwickeln. So hatte unter anderem die IT-Managerin Anke Sax, selbst erfahren durch Software-Rollouts in großen Unternehmen, zusammen mit der Björn-Steiger-Stiftung schon im vergangenen Jahr ein entsprechendes Konzept vorgelegt. Kostenschätzung: Acht Millionen Euro. Eine Umsetzung war ohne Angabe von Gründen nicht erfolgt. "Ich würde mir wünschen, dass das Bundesgesundheitsministerium ein bisschen mehr Verantwortung übernimmt", so Sax gegenüber Kontraste.
Ganz prinzipiell kaputt
Und auch beim Blick auf technische Hürden zeigen sich ungeahnte Tiefen. Die größten Probleme haben viele Gesundheitsämter an den Schnittstellen zwischen alter und neuer Software. Meldungen zu Infektionskrankheiten an das Robert Koch-Institut müssen über SurvNet erfolgen - eine Software aus den 1990er-Jahren. Schon seit einem Jahr ist bekannt, dass die Schnittstelle zu Sormas nicht funktioniert. IT-Experte Achim Löbke, mitverantwortlich für die Entwicklung, findet hier klare Worte: "Das Programmieren dieser Schnittstelle bricht uns das Genick." Eine der absurden Konsequenzen: Ämter, die Sormas bereits nutzen, müssen Daten händisch zurück zu SurvNet übertragen.Laut Kontraste kommt es an dieser entscheidenden Schnittstelle aber nicht nur zu technischen Reibungen. So würden Insider "hinter vorgehaltener Hand" darüber berichten, dass das RKI Sormas aktiv "boykottiert", da es als Konkurrenz zur eigenen Software wahrgenommen werde. Löbke sieht hier aktuell nur noch eine Chance, diese umfassenden Probleme zu lösen: Eine Anweisung des Bundesgesundheitsministeriums an das RKI, die die Annahme von Corona-Meldungen aus Sormas anordnet.
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