BGP-Ersatz: Das Internet soll ein neues Routing-Protokoll bekommen

Es ist sicher nicht gerade einfach, grundlegende Protokolle des Internets auszutauschen. Trotzdem will das Startup Syntropy es wagen, einen Ersatz für das Border Gateway Protocol (BGP) auf den Weg zu bringen - mit prominenter Unterstützung.
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Das BGP ist eines der Kernkomponenten des Internets. Es sorgt dafür, dass Daten durch die verschiedenen einzelnen Netze, aus denen sich die gesamte Infrastruktur zusammensetzt, an das richtige Ziel geleitet werden. Erste Spezifikationen dafür gab es im Jahr 1989, es dauerte dann aber noch fünf Jahre, bis das Routing-Protokoll zum Standard im Netz wurde. Seitdem ist es aber weltweit etabliert.

Meist arbeitet das BGP unauffällig vor sich hin und für Schlagzeilen sorgt die Technologie vor allem dann, wenn Fehler bei der Konfiguration auftreten. Denn diese sind meist folgenschwer. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür stammt aus dem Jahr 2008, als die Pakistan Telecom einem Gerichtsbeschluss zur Sperrung YouTubes folgen wollte. Weil die Umleitung des Traffics versehentlich weltweit veranlasst wurde, war der Videodienst über einige Zeit fast gar nicht mehr zu erreichen und Unmengen eingehender Verbindungen ließen auch das Netz in Pakistan in die Knie gehen.

Was Syntropy jetzt als Ersatz in Stellung bringen will, soll solche Vorfälle weitgehend ausschließen. Allerdings geht es nicht nur darum. Generell will man mit einem neuen Protokoll-System auch die Effizienz des globalen Datenverkehrs deutlich steigern können. Wäre dies nicht der Fall, gäbe es wohl kaum einen Grund, den enormen Aufwand einer weltweiten Umstellung bei einem Kernprotokoll des Netzes aufzunehmen.

Effizienter und verschlüsselt

Das Syntropy-System besteht dabei aus einem selbst wieder dezentral organisierten Netz von Knoten, die in allen Regionen der Internet-Topographie zu finden sind. Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Daten über verschiedene vorkonfigurierte Routen weitergereicht werden. Vielmehr stehen die Knoten untereinander im Austausch und analysieren stetig den Zustand des Netzes. Auf dieser Basis sollen am Ende dynamisch die jeweils effizientesten Strecken durch die Netze gefunden werden.

Bei Tests mit mehreren hundert Servern zeigte sich bereits, dass die Latenzen um einige Hundertstel bis Zehntel Millisekunden reduziert werden können. Auch kommt es zu signifikant geringeren Schwankungen bei den Übertragungszeiten. Darüber hinaus hat Syntropy von Beginn an die Verschlüsselung der gesamten Kommunikation des Systems mit in die Entwicklungsarbeit einbezogen.

Für den weiteren Weg bekommt das Unternehmen nun auch hochkarätige Unterstützung, was darauf hinweist, dass es sich hier nicht um eine kaum erfolgversprechende Idee handelt. Mit Shawn Hakl und Roman Pacewicz haben zwei ehemalige Top-Manager der US-Telekommunikationskonzerne Verizon und AT&T bei dem Startup angedockt. Oracle und Microsoft führen die Firma als Partner und wollen vor allem dabei helfen, die Technologie in eine Organisation zu überführen, die sie zum globalen und freien Internet-Standard weiterbringen kann.

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