Späte Einsicht: IBM entschuldigt sich nach 52 Jahren bei Lynn Conway
Der IT-Konzern IBM hat es laut Forbes dann doch noch geschafft, sich bei Lynn Conway für lang zurückliegende Diskriminierungen zu entschuldigen. Die herausragende Expertin für Informatik und Chipdesign ist inzwischen 82 Jahre alt.
Die Angelegenheit um die es ging, liegt dabei schon Jahrzehnte zurück. Sie war Ende der 1960er Jahre bei dem Konzern tätig. Damals deuteten im Grunde alle Zeichen auf eine große Karriere bei dem Unternehmen, das damals zur absoluten Weltspitze gehörte. Immerhin startete Conway mit einem IQ von 155 und einem enormen Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften ins Leben und gehörte zu den Besten, die seinerzeit den Abschluss an der Columbia University machten.
Was damals erst noch vorteilhaft war, sich aber letztlich zum Problem entwickelte: Conway war biologisch als Mann geboren. Im Jahr 1967 gehörte sie zu jenen, die auf Grundlage der neuesten Erkenntnisse bei Harry Benjamin, einem Partner des berühmten Sexualwissenschaftlers Alfred Kinsey, in eine Geschlechtsanpassung startete. Ungewöhnlich für diese Zeit: Der Prozess wurde nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von ihrer Abteilung bei IBM mitgetragen. Erst als die oberste Vorstandsebene von der Sache erfuhr, wurde ihre Entlassung durchgesetzt.
Es folgte im Grunde ein kompletter Neustart als Frau. Conway arbeitete sich von einer einfachen Programmiererin bei kleineren Technologie-Unternehmen bis zu wichtigen Forschungs-Posten bei Xerox PARC und im US-Militär hoch. In den 1985 wurde sie außerdem als Professorin an die University of Michigan berufen.
Trotz Aufforderungen aus dem eigenen Aufsichtsrat hat das IBM-Management das Thema noch einmal zwei Jahrzehnte ausgesessen. Das hat sich jetzt allerdings geändert: Kürzlich setzte man eine Online-Veranstaltung mit Conway an und die rund 1200 Teilnehmer aus allen Bereichen IBMs erwarteten eigentlich, dass die bekannte Professorin ihnen spannende Einblicke in ihre Arbeit und ihre Erkenntnisse gibt.
Stattdessen bat Diane Gherson, die heutige Personalchefin des Konzerns, aber öffentlich im Namen des Managements um Entschuldigung. Und Dario Gil, der Leiter der Forschungsabteilung des Unternehmens verlieh ihr den IBM Lifetime Achievement Award. Diesen Preis erhalten nur sehr wenige Mitarbeiter des Konzerns, die gravierende Innovationen im IT-Sektor hervorgebracht haben - und das hat Conway ohne Frage, immerhin leistete sie wichtige Beiträge zu den modernen Prozessor-Architekturen und anderen Chip-Technologien.
Siehe auch: Genie und tragischer Held: Alan Turing wird 50-Pfund-Banknote zieren
Was damals erst noch vorteilhaft war, sich aber letztlich zum Problem entwickelte: Conway war biologisch als Mann geboren. Im Jahr 1967 gehörte sie zu jenen, die auf Grundlage der neuesten Erkenntnisse bei Harry Benjamin, einem Partner des berühmten Sexualwissenschaftlers Alfred Kinsey, in eine Geschlechtsanpassung startete. Ungewöhnlich für diese Zeit: Der Prozess wurde nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von ihrer Abteilung bei IBM mitgetragen. Erst als die oberste Vorstandsebene von der Sache erfuhr, wurde ihre Entlassung durchgesetzt.
Es folgte im Grunde ein kompletter Neustart als Frau. Conway arbeitete sich von einer einfachen Programmiererin bei kleineren Technologie-Unternehmen bis zu wichtigen Forschungs-Posten bei Xerox PARC und im US-Militär hoch. In den 1985 wurde sie außerdem als Professorin an die University of Michigan berufen.
Späte Wende bei IBM
Bis Ende der 1990er Jahre wurde ihr große Anerkennung zuteil, dass sie als Frau im Technologie-Umfeld eine solche Karriere hingelegt hatte. Dass sie auch eine Transgender-Person ist, verschwieg sie und es wurde auch nicht bekannt. Das änderte sich erst, als Historiker sich mit ihrem Wirken beschäftigten und auch begannen, die Anfänge ihrer Karriere zu untersuchen. Erst zu diesem Zeitpunkt machte sie ihr Geheimnis und die Gründe, warum sie IBM verlassen hatte, öffentlich.Trotz Aufforderungen aus dem eigenen Aufsichtsrat hat das IBM-Management das Thema noch einmal zwei Jahrzehnte ausgesessen. Das hat sich jetzt allerdings geändert: Kürzlich setzte man eine Online-Veranstaltung mit Conway an und die rund 1200 Teilnehmer aus allen Bereichen IBMs erwarteten eigentlich, dass die bekannte Professorin ihnen spannende Einblicke in ihre Arbeit und ihre Erkenntnisse gibt.
Stattdessen bat Diane Gherson, die heutige Personalchefin des Konzerns, aber öffentlich im Namen des Managements um Entschuldigung. Und Dario Gil, der Leiter der Forschungsabteilung des Unternehmens verlieh ihr den IBM Lifetime Achievement Award. Diesen Preis erhalten nur sehr wenige Mitarbeiter des Konzerns, die gravierende Innovationen im IT-Sektor hervorgebracht haben - und das hat Conway ohne Frage, immerhin leistete sie wichtige Beiträge zu den modernen Prozessor-Architekturen und anderen Chip-Technologien.
Siehe auch: Genie und tragischer Held: Alan Turing wird 50-Pfund-Banknote zieren
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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