Lästiges Sprachrohr: Boris Johnson will die BBC endgültig zerschlagen

Die Regierung unter Boris Johnson hat mit bisherigen Weichenstellungen klargemacht: Kritik ist unerwünscht, gegen Kritiker wird aktiv vorgegan­gen. Jetzt nimmt man die BBC ins Visier. Der Plan: Mit einer Streich­ung der Rundfunkbeiträge soll die Anstalt praktisch zerschlagen werden.
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Boris Johnson sieht in Kritikern vor allem lästige Gegner

Die politische Analyse der aktuellen Maßnahmen der Regierung Johnson in Großbritannien fällt recht klar aus: Der Premierminister und sein Chefberater Dominic Cummings haben mit einer Umbildung des Kabinetts das Signal gesetzt, dass man Kritik nicht gerne sieht. Wie die Zeit schreibt, schickt sich die Regierung in London jetzt an, ein weiteres aus ihrer Sicht störendes Element unter Kontrolle zu bringen. Wie die Sunday Times berichtet, sei es "beschlossene Sache", der British Broadcasting Corporation (BBC) durch eine Abschaffung der automatisch erhobenen Rundfunkgebühren die bisherige Finanzierungsgrundlage zu entziehen. Infografik: Rundfunkgebühren im LändervergleichRundfunkgebühren im Ländervergleich Die Idee: Statt einer Rundfunkgebühr, die der BBC bisher rund 3,7 Milliarden Pfund pro Jahr eingebracht hatte, soll sich die Anstalt in Zukunft aus freiwilligen Abonnements finanzieren. Wie die Sunday Times weiter unter Berufung auf Informationen aus Regierungskreisen berichtet, solle die BBC im Zuge dieser Umstellung komplett zusammengestutzt und unter anderem dazu gezwungen werden "einen Großteil der 61 Radiostationen" zu verkaufen. Ausgenommen seien hier nur die Sender Radio 3 (klassische Musik) und Radio 4 (Kultur). Auch die nationalen Fernsehsender sowie der Internetauftritt sollen nicht wie bisher weiter betrieben werden.

Analyse wichtiger denn je

Auch wenn sich die BBC von einigen Seiten und beiden politischen Lagern der Kritik ausgesetzt sieht, sowohl in der Brexit-Debatte als auch in der jüngsten Parlamentswahl eine parteiische Haltung eingenommen zu haben, sehen die meisten Beobachter in der Anstalt ein unverzichtbares Werkzeug für die öffentliche Meinungsbildung und den demokratischen Entscheidungsprozess in Großbritannien. Der bekannte politische Kommentator Nick Robinson betont laut Zeit, dass es jetzt umso wichtiger sei, dass die öffentlichen Sender "die seit Jahrzehnten wichtigsten politischen Entscheidungen erklären, analysieren und hinterfragen".
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