Shakespeares fremde Federn:
Wer hat Henry VIII. geschrieben?

Der Verdacht stand schon lange im Raum - doch erst jetzt konnte mit Hilfe moderner Technologien Gewissheit erlangt werden: Das Drama Henry VIII. stammt nur teilweise aus der Feder von William Shakespeare. Bereits im Jahr 1850 hatte der Literaturwissenschaftler James Spedding anhand einiger stilistischer Besonderheiten die Vermutung geäußert, dass ein durchaus nicht kleiner Teil des Werkes von John Fletcher verfasst wurde. Dieser war für einige Zeit parallel mit Shakespeare und später alleiniger Stückeschreiber für die King's Men, die berühmteste Schauspielergruppe im damaligen England.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die beiden Dramatiker zusammenarbeiteten. Denn zu jener Zeit waren die Autoren eher keine eigenständigen Genies, deren Werke dann von Theater-Ensembles auf die Bühne gebracht wurden. Vielmehr arbeiteten sie als Teil des Teams fest an einem bestimmten Haus und versorgten es mit immer neuem Material für Aufführungen. Erst jetzt ließ sich aber ziemlich detailliert herausfinden, welche Teile des Werkes welchem Autor zugeordnet werden konnten.

Nun hatte man allerdings endlich die Möglichkeiten dazu. Petr Plecháč von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag hat Maschinenlern-Algorithmen darauf trainiert, die Stile der beiden Autoren anhand von häufiger genutzten Wörtern und Redewendungen sowie dem Sprachrhytmus zu erkennen. Im Ergebnis konnte er das System dann auf das Werk Henry VIII. anwenden und ist sich nun sicher, nahezu jede Zeile eindeutig einem der beiden Autoren zuordnen zu können. Wer hat eigentlich Henry VIII. geschrieben?

Massinger blieb außen vor

Als Trainingsgrundlage dienten dabei verschiedene Werke beider Autoren, die aufgrund der Überlieferungen, der zeitlichen Einordnung und anderer Merkmals ziemlich sicher einer alleinigen Autorenschaft zugeordnet werden konnten. Und den Rest erledigt dann das, was die Deep Learning-KIs eben auszeichnet: Nichts anderes ist so gut, wenn es um Mustererkennung geht. So konnten Passagen in dem Drama meist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einem der beiden zugeordnet werden, darüber hinaus wurden einige Szenen identifiziert, die wohl von beiden zusammen geschrieben wurden.

Im übrigen stand auch Philip Massinger im Verdacht, an dem Text beteiligt gewesen zu sein. Daher hatte Plecháč seine KI auch auf dessen Sprache konditioniert. Hier zeigte sich bei der Analyse, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass dieser auch nur einen Bruchteil des Werkes geschrieben hat - wenn überhaupt, kann er nur als mündlicher Ideengeber eine Rolle gespielt haben.
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