Durchsuchungsaktion bei Wikileaks-Domainbesitzer
Nach Angaben von Theodor Reppe, dem die Domain Wikileaks.de gehört, durchsuchten am Montag jeweils sieben bzw. vier Polizeibeamte seine Wohnungen in Dresden und Jena. Die Durchsuchungsbefehle wurden damit begründet, dass man ihm die Verbreitung pornographischen Materials vorwirft. Außerdem dienten die Einsätze angeblich der Beweissicherung.
Reppe beteuert, vor den Durchsuchungen nicht von der Polizei kontaktiert worden zu sein. Für Wikileaks ist der eigentliche Grund allerdings ein anderer. Das Portal, welches sich die Verteidigung der Pressefreiheit zur Aufgabe gemacht hat, hatte vor kurzem so genannte Schwarze Listen veröffentlicht, mit denen die Zensoren in Australien, Thailand und Dänemark gegen ihrer Meinung nach illegale oder schädliche Webinhalte sperren.
Diese Listen enthalten natürlich auch die URLs von Websites mit pornografischen Inhalten. Reppe selbst ist jedoch nur ein "Sponsor", der die deutsche Domain registriert hat und sie dem Wikileaks-Projekt zur Verfügung stellt. Für die Betreiber des Portals ist die Motivation hinter den ihrer Meinung nach willkürlichen Polizeiaktionen klar.
Sie seien die Folge der in Deutschland herrschenden sozialen Hysterie rund um das Thema Kinderpornografie und des politischen Kampfes für ein nationales Zensur-System unter der Führung der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Wikileaks verwies auf die Durchsuchungen bei Jörg Tauss, einem IT-Spezialisten der SPD, und einigen deutschen Bloggern.
Theodor Reppe könnte unterdessen auch aus einem anderen Grund für die deutschen Behörden interessant sein. Er betreibt einen der bekanntesten deutschen TOR-Server, mit dem Internet-Surfer ihre Spuren durch Anonymisierung verwischen können. Diese werden nach Angaben der Polizei immer wieder zur Verbreitung kinderpornografischen Materials verwendet.
Es gab deshalb in der Vergangenheit mehrfach Durchsuchungs- und Beschlagnahmeaktionen gegen die Betreiber von TOR-Servern - angeblich um gegen die Verbreitung von Kinderpornografie vorzugehen. Die Behörden erhoffen sich davon meist Auskunft über die eigentlichen Quellen der illegalen Inhalte. Die Beschlagnahmung von TOR-Servern bringt jedoch kaum für Ermittlungen verwendbare Ergebnisse und ist deshalb höchst umstritten.
Weitere Informationen: Wikileaks.de
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