Amateurfunker lassen Satelliten per Sprachbefehl Doom spielen
Ein Satellit der Europäischen Weltraumorganisation ESA hat erstmals einen gesprochenen Befehl selbstständig erkannt und ausgeführt: Ein Amateurfunker wies ihn an, Doom zu spielen - was der Satellit dann auch tat.
Das Experiment führte ein Team aus Oslo mit dem ESA-Satelliten OPS-SAT PRETTY durch. Die im Jahr 2023 gestartete Cubesat-Plattform dient unter anderem dazu, neue Technologien für den Einsatz im Weltraum zu erproben. Vor einiger Zeit übermittelten die Funkamateure die kurze Anweisung "PRETTY PLAY DOOM". Der Satellit erkannte die Worte und startete daraufhin den 1993 veröffentlichten Ego-Shooter. Anschließend übermittelte er sogar ein Bild des Ereignisses zurück zur Erde, wie das beteiligte Unternehmen Tanagra Space jetzt berichtet.
Der Versuch fand in zwei Durchläufen statt. Zunächst sendete das Team eine synthetisch erzeugte Sprachaufnahme in einer Endlosschleife. Schließlich folgte die direkte Ansage eines Funkers über ein Mikrofon. In beiden Fällen konnte OPS-SAT PRETTY das Signal trotz störender Funkgeräusche empfangen, die Sprache extrahieren und mithilfe eines KI-Modells in Text umwandeln. Anschließend identifizierte das System den eigentlichen Befehl und führte ihn eigenständig aus.
Bislang werden Satelliten üblicherweise über sogenannte Telecommands gesteuert. Dabei erstellen Betreiber digitale Befehle mit spezieller Software, die Bodenstationen anschließend als codierte Funksignale an das Raumfahrzeug übertragen. Erst der Bordcomputer dekodiert diese Anweisungen und setzt sie um.
Auch wissenschaftliche Anwendungen sind denkbar. Anstatt menschliche Sprache zu analysieren, könnten KI-Systeme an Bord dann charakteristische Muster astronomischer Ereignisse erkennen. Dazu zählen etwa Gammastrahlenausbrüche oder die Kollision schwarzer Löcher. Satelliten könnten solche Signale dann unmittelbar identifizieren und schneller auf relevante Beobachtungen reagieren.
Siehe auch:
- Funkamateure starteten den Ego-Shooter Doom auf einem Satelliten der ESA
- Ein Sprachsignal steuerte den Cubesat OPS-SAT PRETTY anstelle digitaler Pakete
- Bordsysteme wandelten die gesprochene Anweisung per KI direkt in Befehle um
- Der Satellit sendete nach dem erfolgreichen Start ein Bild zurück zur Erde
- Künftig könnte diese KI-Technik auch weltweite Notrufe sofort weiterleiten
- Wissenschaftliche Systeme könnten damit astronomische Signale rasch erkennen
Erstmals kein klassisches Steuerpaket
Die Anweisung kam nicht als klassisches digitales Steuerpaket bei dem System an, sondern als Sprachsignal über Funk. Auf diese Weise gelang es einer Gruppe von Amateurfunkern, den Spieleklassiker Doom auf einem Satelliten zu starten.Das Experiment führte ein Team aus Oslo mit dem ESA-Satelliten OPS-SAT PRETTY durch. Die im Jahr 2023 gestartete Cubesat-Plattform dient unter anderem dazu, neue Technologien für den Einsatz im Weltraum zu erproben. Vor einiger Zeit übermittelten die Funkamateure die kurze Anweisung "PRETTY PLAY DOOM". Der Satellit erkannte die Worte und startete daraufhin den 1993 veröffentlichten Ego-Shooter. Anschließend übermittelte er sogar ein Bild des Ereignisses zurück zur Erde, wie das beteiligte Unternehmen Tanagra Space jetzt berichtet.
Der Versuch fand in zwei Durchläufen statt. Zunächst sendete das Team eine synthetisch erzeugte Sprachaufnahme in einer Endlosschleife. Schließlich folgte die direkte Ansage eines Funkers über ein Mikrofon. In beiden Fällen konnte OPS-SAT PRETTY das Signal trotz störender Funkgeräusche empfangen, die Sprache extrahieren und mithilfe eines KI-Modells in Text umwandeln. Anschließend identifizierte das System den eigentlichen Befehl und führte ihn eigenständig aus.
Bislang werden Satelliten üblicherweise über sogenannte Telecommands gesteuert. Dabei erstellen Betreiber digitale Befehle mit spezieller Software, die Bodenstationen anschließend als codierte Funksignale an das Raumfahrzeug übertragen. Erst der Bordcomputer dekodiert diese Anweisungen und setzt sie um.
KI öffnet Optionen
Die Fähigkeit, gesprochene Anweisungen direkt zu verstehen, könnte zukünftig allerdings weit über Spieleexperimente hinausgehen. Georges Labrèche, Projektleiter und Gründer von Tanagra Space, sieht beispielsweise Möglichkeiten für globale Notrufsysteme. Satelliten könnten Hilferufe unmittelbar erkennen und weiterleiten, ohne dass diese zunächst eine Küstenwache oder ein anderes Schiff erreichen müssten.Auch wissenschaftliche Anwendungen sind denkbar. Anstatt menschliche Sprache zu analysieren, könnten KI-Systeme an Bord dann charakteristische Muster astronomischer Ereignisse erkennen. Dazu zählen etwa Gammastrahlenausbrüche oder die Kollision schwarzer Löcher. Satelliten könnten solche Signale dann unmittelbar identifizieren und schneller auf relevante Beobachtungen reagieren.
Siehe auch:
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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